https://www.faz.net/-gqe-8hguh

Schließung der BSI : Nach Bankenschließung geht in Singapur Angst um

BSI-Filiale in Zürich Bild: Reuters

Singapur will aufräumen. Banken, die gemeinsam mit ihren Klienten durch Schwarzgeld und Korruption reich geworden sind, soll das nun teuer zu stehen kommen.

          3 Min.

          Unter Vermögensverwaltern in Singapur geht die Angst um. Spätestens seit die Notenbank am Dienstag die Niederlassung der Schweizer Traditionsbank BSI schloss, weil sie tief im Korruptions- und Schwarzgeldsumpf Asiens engagiert war, schauen die Private Wealth Manager noch genauer auf ihre Klienten und ihre Bücher.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          In Hundertschaften hatten gerade Schweizer Banken, aber auch Liechtensteiner und Luxemburger, in den vergangenen Jahren Anlageberater für vermögende Privatkunden am Finanzplatz Singapur ausbilden oder – zu hohen Gehältern – von der Konkurrenz abwerben lassen.

          Bonus der Verlässlichkeit

          Ihr Ziel: Renditebringende Anleger in Singapurs Nachbarländern China, Indonesien, Malaysia, Indien oder den Philippinen ausfindig zu machen und als Langfrist-Kunden an die Banken zu binden. Das funktionierte vor allem dank zweier Vorteile, die Singapur bietet: Es gilt in der Region als geordnet und verlässlich. Und Kapitalerträge sind hier nicht nur steuerfrei, sondern werden auch verschwiegen verbucht. Keine Frage: Theoretisch ist der Stadtstaat einschließlich seines über Jahre explodierenden Immobilienmarktes der perfekte Ort für die Geldanlage.

          Es gibt nur einen Haken: Viele, sehr viele der möglichen Kunden aus den umliegenden Ländern haben ihr Geld schwarz erworben. „Die Korruption ist in den vergangenen Jahren sogar noch schlimmer geworden, es geht um höhere Summen“, heißt es in Regierungskreisen.  Geld aus solchen Töpfen aber will das neue Singapur nicht mehr zulassen – auch aufgrund des scharfen Durchgreifens der Amerikaner und der Chinesen gegen Korruption will der Stadtstaat sauber sein. Deshalb zwingt er seine Banken nun auf Kurs.

          Verschleierung gehört zum System.

          Das ist schmerzhaft und wird teuer. Der Bankenforscher Carlo Lombardini von der Universität in Lausanne bringt das Dilemma gerade der Schweizer in Singapur auf den Punkt: In Europa „endete man damit, Klienten abzulehnen, weil sie nicht akzeptable Steuermanipulationen vorgenommen haben. Dann aber ersetzt man sie durch Kunden, die viel schlimmer sind: Die haben nämlich statt Steuervergehen Korruptionsthemen anhängig.“

          In einer Weltgegend, in der es in den meisten Ländern noch üblich ist, gleich drei Bücher für ein Unternehmen zu führen, in der – beispielsweise in Indien oder Indonesien – die halbe Volkswirtschaft von Schwarzgeld abhängt, ist es realistisch betrachtet wohl kaum möglich, ganz saubere Geschäfte mit den Superreichen zu führen.

          Die aber sind jene, welche die Banken mit ihren extrem hohen Investitionen in ihren Apparat im teuren Stadtstaat Singapur brauchen. Natürlich prüfen sie inzwischen die Bücher ihrer Kunden und die Herkunft deren Geldes. Aber was sagt das schon aus? Wenig, denn Verschleierung gehört in Asien zum System.

          „Herausragender Privatbankier für Asien-Pazifik“

          Der Abgrund für die Höchstverdiener unter den Bankern ist tief: So wird nun in Singapur gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden von BSI Bank Limited Singapore und Chef der Asien-Aktivitäten von BSI, Hans Peter Brunner, strafrechtlich ermittelt. Er stand früher in Diensten von Credit Suisse und RBS Coutts. Von dort nahm er gleich 90 Kollegen mit, als er selber von der BSI abgeworben wurde – ein selbst in der hartgesottenen Branche umstrittenes Handeln.  

          Noch 2008 war der inzwischen über den Skandal zurückgetretene Brunner zum „Herausragenden Privatbankier in Asien-Pazifik“ gewählt worden. Er hatte eine dauernde Aufenthaltsgenehmigung für Singapur erworben und saß in zahlreichen Schweizer Komitees des Stadtstaates. MAS wirft der Bank unter seiner Führung nun offen eine „ineffektive Unternehmensführung, die zu einer armseligen Risikokultur“ geführt habe, vor. Der Mann gilt als beruflich erledigt, die staatliche Zeitung schreibt von „Schadenfreude“ bei jenen, die er damals bei RBS Coutts zurückgelassen hatte.

          Sechs Banken im Visier

          Brunner ist der prominenteste Täter, der den tiefsten Fall verarbeiten muss, gepolstert allenfalls von Millionen von Dollar, die er zuvor verdiente. Doch die Aufräumarbeiten in Singapur treffen mehr als ihn. Bislang schon werden sechs Manager der BSI der Singapurer Justiz überstellt, um dort feststellen zu lassen, ob und welche Gesetze sie verletzt haben. Einer von ihnen, der Banker Yeo Jiawei, ist schon wegen Betruges und Geldwäsche in sieben Fällen angeklagt, was zu Gefängnisstrafe führen kann.

          „Angsterregend ist wahrscheinlich das passende Wort wenn die Notenbank nun ihre Peitsche schwingt, denn dies (BSI) ist wohl kaum die einzige Folge“, orakelt Siow Li Sen, die Bankenfachfrau der Wirtschaftszeitung The Business Times. Die Schweizer Bankenaufsicht Finma hat inzwischen Ermittlungen gegen sechs Banken aufgenommen – es ist nicht bestätigt, aber wahrscheinlich, dass sie am Standort Singapur tätig sind.

          Schon zuvor kursierte im Markt, die Monetary Authority of Singapore (MAS) prüfe derzeit rund 40 Banken am Standort auf regelkonformes Handeln. Niemand mag in diesen Stunden am Finanzplatz Singapur ausschließen, dass der nächste Fall eines bislang geachteten Finanzmanagers bevorsteht, dass das nächste Institut vor der Schließung steht. Längst steht etwa Tim Leissner, vormals der Südostasienchef von Goldman Sachs, unter dem Radarschirm der Behörden in seinem Heimatland.

          All dies dreht sich um den Fall des malaysischen Staatsfonds 1MDB und seine milliardenschweren Transaktionen, die nun von Staatsanwälten auf drei Kontinenten nachvollzogen werden. Derzeit erscheint er als Schwarzes Loch, in dessen Strudel immer mehr Banker geraten. Zunächst bereicherten sich Banken und Banker an der Zusammenarbeit mit dem dubiosen Unternehmen. Heute fürchten sie nur noch den Bannstrahl der Notenbank.

          Weitere Themen

          Rocket Man

          FAZ Plus Artikel: Mynaric-Chef Bulent Altan : Rocket Man

          Bulent Altan treibt als Vorstandschef von Myneric die Laserkommunikation im Weltraum und in der Luftfahrt an. Erfahrung hat er genug – als einer der Väter der Raketen Falcon 9 und Dragon von Space X.

          Topmeldungen

          Der Fall George Floyd : Amerikas Justizwesen ist kaputt

          Die amerikanische Politik bleibt in ihrer Übertreibungsspirale gefangen. Deshalb wird es auch nach dem Mordurteil in Minnepolis nicht zu den Reformen kommen, die das Land so dringend braucht.
          Juve-Boss Andrea Agnelli: Einer der Initiatoren und Befürworter der Super League

          Juve-Präsident Andrea Agnelli : „Verräter, wie Judas“

          Juventus-Präsident Agnelli war einer der Initiatoren der Super League. In Italien wird er heftig angefeindet – und hat sogar Ärger mit dem berühmten Taufpaten eines seiner Kinder. Nun wird bekannt: Das Projekt wird verworfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.