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Bergbau : BHP Billiton setzt auf Nahrung für die Welt

Zukäufe? Andrew Mackenzie hat andere Pläne Bild: REUTERS

Nahrung für viele Millionen Menschen. Das könnte das nächste große Thema für den weltgrößten Bergwerkskonzern BHP Billiton werden.

          In seinem ersten Interview hat dessen nun ein gutes Jahr amtierender Vorstandsvorsitzender Andrew Mackenzie angedeutet, dass sein Unternehmen massiv auf das Kali-Geschäft setzen werde. Daraus entsteht Dünger, der für die Produktion der Lebensmittel der Welt benötigt wird. Der schottische Vorstandschef an der Spitze des australischen Konzerns, von Hause aus Wissenschaftler, hat sein erstes Jahr genutzt, um sich mit der weltumspannenden Arbeit des Rohstoffriesen vertraut zu machen. Nun erklärte er gegenüber der Zeitung Australian Financial Review seine Pläne. Er sehe vier geographische Pfeiler für das Geschäft, die auch Produktgruppen entsprechen. Eisenerz aus dem Nordwesten Australiens. Kohle aus dem Bowen Bassin im nordöstlichen australischen Bundesstaat Queensland. Kupfer aus Chile. Und Öl und Schiefergas aus den Vorkommen im Süden Amerikas.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Mittelfristig aber komme ein fünfter Pfeiler hinzu: Die Kalivorkommen im Jansen-Projekt in Saskatchewan in Kanada. „Sie bedeuten für unser Unternehmen so viel, wie das Erz in der westaustralischen Pilbara oder das Kupfer in der Riesenmine Escondida in Chile“, sagte Mackenzie. „Saskatchewan ist das beste Kali-Vorkommen der Welt. Wir glauben, wir besitzen den besten unentwickelten Teil davon. Darauf werden wir uns konzentrieren.“

          Die Einschätzungen des Vormanns von BHP Billiton passen ins Bild. Denn er kam auf den Chefsessel, um Kosten zu drücken und die Produktivität zu heben. Kündigt er nun an, sich auf vorhandene Vorkommen zu konzentrieren, heißt dies nichts anderes, als die endgültige Abkehr von der Einkaufstour der Rohstoffkonzerne in den vergangenen Jahren. „Ich habe unter meiner eigenen Kontrolle alles, was wir brauchen, um dieses Unternehmen wachsen zu lassen, seine Aktionäre und seine Kunden zufriedenzustellen. Warum sollte ich also herumrennen und nach weiteren Möglichkeiten suchen, oder mich in neue Geschäftszweige einkaufen?“

          Keine Angst vor China

          Der Blick auf Kali ist wohlüberlegt. „In einer energieintensiven Welt, nach der Industrialisierung, was wird da für unser Unternehmen bleiben?“, fragt der Erz-, Kohle- und Ölförderer. Und antwortet im selben Atemzug: „Die Menschen wollen sich besser ernähren. Sie brauchen also Düngemittel. Wenn uns das (der Aufbau dieses Geschäftszweiges) richtig gelingt, wird es in 20, 30 oder 40 Jahren ein tragender Pfeiler werden.“

          Noch ist offen, ob Mackenzie die Aktionäre mit seiner vorsichtigeren Strategie wird packen können. Bislang schauen alle weiterhin auf den Erz- und Kohleverbrauch in China. Die Ratingagentur Fitch gab am Mittwoch in dieser Hinsicht Entwarnung: „Trotz der Vorhersage eines niedrigeren Wachstums von rund 7 Prozent jährlich über die nächsten zwei oder drei Jahre in China wird der höhere Basiseffekt zu einem Anstieg der Nachfrage nach Rohstoffen führen. Auch wenn der Zuwachs der Nachfrage wohl zurückgehen wird.“ Die Unterstützung tut not, nachdem die Preise für Eisenerz in der vergangenen Woche so stark gefallen sind, wie seit vier Jahren nicht mehr. Die Aktien von Unternehmen wie Rio Tinto, Fortescue oder eben auch Weltmarktführer BHP Billiton litten darunter massiv – nach einem Hoch von fast 40 Australischen Dollar Ende Februar sackte das Papier in wenigen Tagen auf nur noch 35,50 Australische Dollar. Erste Analysten sprachen daraufhin schon von „Billig-Angeboten“.

          Am Mittwoch legten die Kurse auch für die Bodenschatzkonzerne weiter minimal zu. Die Börse in Sydney machte 0,1 Prozent gut. Newcrest Mining gewann 3,2 Prozent, nachdem Analysten in Hongkong das Papier des Goldförderers zum Kauf empfohlen hatten. Der Rest der asiatischen Märkte agierte abwartend vor der Entscheidung der amerikanischen Zentralbank am asiatischen Abend   oder wurde von lokalen Nachrichten bestimmt: So verlor Display Inc., der japanische Zulieferer von Apple, gleich 16 Prozent seines Wertes nach dem Börsengang für gut 3 Milliarden Dollar in Tokio.

          Der Regionalindex MSCI Asia Pacific verlor 0,3 Prozent. Der japanische Topix büßte 0,4 Prozent ein, Singapurs Straits Times Index notierte 0,6 Prozent leichter, der Composite Index in Schanghai gab 0,8 Prozent ab.

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