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Von Trinidad nach Tobago : Wege zum Rum

  • -Aktualisiert am

Der echte Bacardi-Strand auf Tobago Bild: LAIF

Auf Trinidad fühlt sich die Karibik nach Alltag an, Soziologen kommen hier sicherlich auf ihre Kosten. Ein Glück aber, dass es auch Tobago gibt – die Legitimation zum Nichtstun.

          Manchmal muss man das Paradies durchqueren, um ins Paradies zu gelangen. Zum Beispiel, wenn man durch die Karibik reist, von Trinidad nach Tobago. In Trinidad bewohnen Theo und Gloria Ferguson den Garten Eden. In den Rhododendren hängen Plastikzylinder, die den Gastgebern ihr Paradies erst erschaffen. Ein Surren in der Luft. Ein Kolibri schwirrt herbei, rückwärts, seitwärts, als wolle er der Kamera unbedingt entwischen.

          Theo Ferguson, schwarze Haut, weißes Kraushaar, Ziegenbart, hat die Tränken mit Zuckerwasser gefüllt, das so süß ist wie Blütennektar. „Hier gibt es den Schneebauch-Smaragd-, den Blaukinn-Saphir-, den Schwarzbrust-Mango-Kolibri“, zählt der 69-Jährige auf, und es klingt, als könnte er noch lange damit fortfahren – tatsächlich kann man etwa ein Dutzend Kolibriarten auf Fergusons Farm „Yerette“ beobachten.

          Der Garten ist eine Stunde Autofahrt von der Hauptstadt Port of Spain gelegen, im Maracas Valley. Die Straße frisst sich in Hügel, stürzt in Täler, rechts und links Bananenstauden, Avocadobäume, handtuchgroße Felder am Hang, und in der Ferne ragen die Hochhäuser und Kräne des Seehafens der Hauptstadt in den Horizont. „Yerette“ ist der indigene Name für Kolibri, Theo und Gloria wollen daran erinnern, was so häufig vergessen wird: dass es nämlich schon vor Ankunft der Europäer Leben auf den Inseln gegeben hat. „Yerette“ beschwört eine Zeit, bevor die Kolonialherren kamen, die Kolibris massenweise gefangen nahmen, nach Europa schifften, wo man sie in verschnörkelte Käfige sperrte und sich zur Zierde hielt.

          „Island people go home“

          Als Kolumbus 1498 vom Schiff aus die drei Bergspitzen der einen Insel erspähte, soll der Katholik sie nach der Dreifaltigkeit benannt haben: Trinidad. Das wesentlich kleinere Schwestereiland Tobago beruft sich auf den Tabak, den die Kolonialherren dort hauptsächlich anbauten. Danach haben Spanier und Briten, Franzosen und Holländer die beiden südlichsten Inseln der Kleinen Antillen beherrscht, brachten Sklaven aus Afrika und ließen sie auf den Plantagen schuften. Was sie produzierten, Zucker, Rum, Tabak, Baumwolle, verschifften die Kolonialisten in die Alte Welt. Und Kolibris.

          „Liming“ sagen die Einheimischen auf Tobago, wenn sie nichts tun, außer aufs Meer zu blicken und Rum zu trinken

          Zurück im Zentrum der Hauptstadt fahren Mittelklasseautos an alten Kolonialbauten vorbei, Menschen in Anzügen und Kostümen sind unterwegs, schauen recht geschäftig. Fast wie die Leute zu Hause. Derrick Lewis ist anders. Wir besuchen den Designer in seinem Atelier nahe der Ausgehmeile Avenue. Zwischen Bergen von falschen Federn, schillernden Pailletten und funkelnden Edelsteinen aus Plastik verkündet er: „Die Kostüme der nächsten Karneval-Saison werden magisch.“ Der 54 Jahre alte Mann mit den langen Rastas hat Zeit gebraucht, um seinen Platz auf Trinidad zu finden, und Umwege genommen, über die Vereinigten Staaten. Sein Diplom im Fach Business Administration hängt im Rahmen an der Wand.

          Lewis erinnert sich: New York in den Siebzigern, ein Fußballfeld, eine Mannschaft voller Kariben, ein Publikum weißer Amerikaner, die plötzlich Bananen und Erdnüsse auf das Spielfeld warfen und im Chor skandierten: „Island people go home“.

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