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Fjällräven Polar : It’s about Wundertüten

„Gib mir Hunde, gib mir Schnee, und den Rest kannst du behalten.“ Dass es mehr nicht braucht zum Lebensglück, wusste schon Knud Rasmussen. Bild: Freddy Langer

Stay cool, not cold: Vier Tage mit dem Hundeschlitten durch den Norden Lapplands.

          11 Min.

          Es gab Momente während dieser Reise, da hätte man glauben können, wir seien in der Antarktis unterwegs oder durchquerten das grönländische Inlandeis. Bis in die Unendlichkeit breitete sich die Landschaft aus wie ein gespanntes Betttuch, in das der Wind ein wenig Bewegung gebracht hatte, aber das sich nun wie frosterstarrt in einem sanften Auf und Ab aus Hügeln und Tälern vor uns ausbreitete. Es war das tote Antlitz einer erfrorenen Welt. Stürme hatten ein paar Furchen hineingefräst, und ein schwacher Wind blies in zarten Schwaden Schneegriesel darüber, als tanzten Eisgeister um uns herum. Ansonsten gleißende Leere bis zum Horizont, wo die Wolken den Boden berührten und aussahen wie Berge, und wo Berge sich gegen den Himmel stemmten und aussahen wie Wolken. Einmal meinte ich, es treibe ganz in der Ferne, dort, wo der Schnee nicht mehr weiß, sondern in hellblauen Pastelltönen leuchtete, ein Eisberg vorüber. Und einmal reckte sich kilometerweit entfernt grau und fremd der Dachfirst einer Jagdhütte aus dem Nichts, und ich dachte, dass es wohl ein ganz ähnliches Bild gewesen sein muss, als Robert Falcon Scott vor hundert Jahren weit voraus das Zelt auftauchen sah, das Roald Amundsen samt einem norwegischen Wimpel am Südpol hatte stehenlassen.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Zu hören war nichts als das Knirschen des Schnees unter den Kufen und das Hecheln der Hunde, die den Schlitten mit einer verstörenden Leichtigkeit zogen. Sechs Tiere im Trippelschritt. Nicht Trab, nicht Galopp, eher ein Schlenkern der Beinchen, als seien die Tiere Marionetten, die knapp über dem Boden schwebten. Die monotonen Geräusche wurden zur Begleitmelodie dieser Reise, die ich noch nachts im Schlafsack zu hören glaubte. Und wenn ich erschöpft die Augen schloss, sah ich im Wegdämmern ein letztes Mal die sechs Schweife, mit der die eingespannten Hunde tagein, tagaus bei unserer Tour im Takt ihrer Schritte in der Luft herumrührten. „Gib mir Schnee, gib mir Hunde, und den Rest kannst du behalten.“ So ist es von Knud Rasmussen überliefert, dem großen Polarforscher und Sammler der Eskimomärchen. Viel mehr als Schnee und Hunde hatten auch wir nicht. Und vielleicht braucht man tatsächlich nicht mehr. Um sich zu spüren, wenn eiskalt der Wind in die Nase steigt und man die Urnatur gleichsam einatmet, und um sich zugleich aufzulösen, so paradox es klingt, in diesem farblosen Nichts, das einen aufzusaugen scheint und einen hineinzieht in einen Strudel der Leere. Einfacher, ursprünglicher, geht es kaum. Erfahrungen werden hier sehr schnell elementar. Das war unser Märchen.

          Ausflug mit Rundum-Sorglos-Paket

          Vier Tage und drei Nächte dauerte unsere Reise von Signaldalen in Nordnorwegen nach Väkkäräjärvi in Nordschweden, einer winzigen Siedlung nahe der Ortschaft Jukkasjärvi, mehr als dreihundert Kilometer insgesamt, sagt der Veranstalter. Seit Jahren schon organisiert Fjällräven diese Tour, das schwedische Unternehmen für Outdoor-Kleidung und Ausrüstungen - und mit Veranstaltungen wie dieser auf dem besten Weg, auch Reiseveranstalter zu werden. Begonnen hatte es mit einem Hundeschlittenrennen, ausgetragen von 1997 bis 2006, das sich als „Fjällräven Polar“ einen Namen gemacht hatte. Mittlerweile ist es eher ein Ausflug. Bewerben kann sich jeder. Dazu stellt man sich im Internet mit einem kurzen Video vor und begründet in fünf, sechs Sätzen, weshalb man die Reise machen möchte. Dann geht man auf Stimmenfang. Wer die meisten Stimmen sammelt, ist automatisch dabei. Kostenlos mit Rundum-sorglos-Paket. So einfach ist das. Erfahrungen in der Wildnis werden ebenso wenig vorausgesetzt wie Campingerlebnisse im Schnee. Und es konnten auch nur die wenigsten der Teilnehmer damit dienen.

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