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Wieder Starkregen : Hochwasser trifft Bayern, Sachsen und Österreich

  • Aktualisiert am

Der Landkreis Berchtesgadener Land hat nach starkem Regen wegen Hochwassers den Katastrophenfall ausgerufen. Bild: dpa

Die massiven Regenfälle hören nicht auf: Am späten Samstagabend trafen schwere Unwetter Teile Bayerns, die Sächsische Schweiz und Österreich. Ein Video zeigt das Ausmaß des sintflutartigen Hochwassers in Hallein bei Salzburg.

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          Bei neuen Unwettern im Süden und Osten Deutschlands hat am späten Samstagabend der Landkreis Berchtesgadener Land in Oberbayern den Katastrophenfall ausgerufen. Nach sintflutartigem Regen war die Feuerwehr im Landkreis Berchtesgadener Land in Oberbayern seit Samstagabend mit rund 500 Einsatzkräften im Dauereinsatz. Zwei Menschen starben in dem Hochwassergebiet. Landrat Bernhard Kern (CSU) erklärte am Sonntagmorgen auf einer Pressekonferenz in Bad Reichenhall, dass ein Opfer allerdings an einer natürlichen Ursache verstorben sei. Aber auch das könne mit dem Unwetter zusammenhängen, sagte Kern.

          Laut Wetterprognosen wird für die östlichen Alpen am Sonntag durchgehend Regen erwartet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor ergiebigem Dauerregen mit vereinzelt 120 Liter pro Quadratmeter in Staulagen. Bis auf das Allgäu sollen im gesamten Alpenraum fast ohne Unterbrechung im Tagesverlauf 25 bis 70 Liter pro Quadratmeter niedergehen. Erst im Laufe der Nacht klingt der Regen nach Prognosen des DWD ab.

          Die Lage sei dramatisch, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Traunstein. Das Wasser schieße aus den Bergen, gleichzeitig stiegen die Pegelstände des Flusses Ache an. Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns. Dort trat das Wasser stellenweise über die Ufer und überflutete Straßen. Hänge rutschten ab. Einzelne Häuser mussten deshalb geräumt werden, sagte Rothenbuchner. „Es kommen ständig Notrufe rein“, sagte ein Polizeisprecher in Rosenheim.

          Laut Medienberichten hat die Ache Rekord-Pegelstände erreicht – bis 22.00 Uhr lagen sie schon bei etwa 3,75 Metern. Bilder zeigen Straßen, die sich in reißende Bäche verwandeln. Menschen waten knietief im Wasser. Alle paar Hundert Meter sei die Feuerwehr im Einsatz, berichtet ein Augenzeuge. Traktoren räumten Schutt beiseite. Zum Teil stehe das Wasser bis zu 50 Zentimeter hoch.

          Dauerregen in den Alpen

          Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) wollen am Sonntagnachmittag ins Hochwassergebiet in Südostbayern fahren. Das verlautete am Vormittag aus Regierungskreisen in München. Die beiden Politiker wollten sich in der vom Hochwasser betroffenen Region ein Bild von der Lage machen, hieß es. Ort und Zeit waren zunächst offen.

          Alle Entwicklungen rund um das Hochwasser können Sie hier im F.A.Z.-Liveblog verfolgen.

          Die Regenfälle haben auch Auswirkungen auf Passau. Dort steigen die Wasserstände der Flüsse stündlich weiter an, hieß es zuletzt. Die Polizei schleppte vorsorglich Autos an Parkplätzen an der Donau ab, wie eine Sprecherin am Sonntag sagte. Anwohner hätten trotz Hochwasserwarnungen versäumt, ihre Fahrzeuge umzuparken. „Wenn wir sie nicht abschleppten, dann schwimmen die Dinger bis Österreich“, sagte die Polizeisprecherin. Der Pegel der Donau war nach Angaben des Hochwassernachrichtendienstes im Laufe des Samstags um fast zwei Meter auf 7,80 Meter gestiegen. Der Wasserstand der Inn stieg in den vergangenen zwölf Stunden von 3,30 auf 5,40 Meter.

          Berchtesgaden in Bayern: Die Ache ist zu einem reißen Strom geworden.
          Berchtesgaden in Bayern: Die Ache ist zu einem reißen Strom geworden. : Bild: dpa

          Millionenschaden in Österreich – auch Sachsen betroffen

          Ebenso ist in Chamerau in der Oberpfalz der Roßbach wegen Starkregens über die Ufer getreten. Ein Gebäude sei mit Sandsäcken vor den Wassermassen geschützt worden, sagte ein Sprecher der Polizei. Im gesamten Landkreis gab es fünf weitere Einsätze der Feuerwehr aufgrund von vollgelaufenen Kellern oder überschwemmten Straßen.

          Auch in Teilen Sachsens verursachten immense Regenfälle am Samstag heftige Überschwemmungen. In der Sächsischen Schweiz waren mehrere Ortslagen von Städten und Gemeinden zwischenzeitlich nicht erreichbar. Besonders betroffen gewesen waren Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau, Reinhardtsdorf-Schöna und Gohrisch, informierte das Landratsamt am Abend. Die Bahnstrecke zwischen Bad Schandau und dem tschechischen Decin bleibe vorerst gesperrt, informierte die Deutsche Bahn. Die Helfer hätten mit Aufräumarbeiten zu tun. Es müssten noch Straßen von Schlamm und Geröll befreit und vereinzelt umgestürzte Bäume beseitigt werden, hieß es am Morgen aus den Leitstellen. Von Verletzten war nichts bekannt. Der Behörde zufolge hatte es in den Einzugsgebieten der Kirnitzsch, der Sebnitz, der Polenz und der Wesenitz lokal innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Liter pro Quadratmeter geregnet.

          Sintflutartige Regenfälle haben in der Nacht zum Sonntag auch weite Teile Österreichs erfasst. Sowohl in Salzburg als auch in Tirol und der Bundeshauptstadt Wien waren die Feuerwehren im Dauereinsatz, wie die Agentur APA meldete. Im Stadtgebiet von Hallein, das wenige Kilometer südlich von Salzburg liegt, sei Zivilschutzalarm ausgelöst worden, ebenso wie in Mittersill im Pinzgau sowie in Kufstein in Tirol. Der Halleiner Bürgermeister sprach von einer „Katastrophe“. Dort sei die Lage weiter angespannt. Die Behörden seien dabei, tiefer gelegene Teile der Stadt gegen eine neuerliche Überflutung zu sichern, sagte ein Sprecher am Sonntag. Mehrere Dutzend Bewohner einer Siedlung in einem Stadtteil mussten vorsorglich ihre Wohnungen räumen. Zugleich seien Aufräumarbeiten in der Altstadt im Gange. „Wir gehen von einem Millionenschaden aus“, sagte der Stadtsprecher. Einige Gebäude sowie Teile der Infrastruktur seien schwer beschädigt. Zum Glück werde nach bisherigen Erkenntnissen niemand vermisst oder sei verletzt worden.

          In Kufstein wurden die Menschen aufgefordert, Gebäude nicht zu verlassen und sich in höhere Stockwerke zurückzuziehen. Im Stadtgebiet erreichte das Wasser der Zulaufbäche des Inns bereits die Straßen. Wegen möglicher Erdrutsche wurde ein Teil der Felbertauernstraße gesperrt. In Wien sorgten starker Regen und Gewitter für Hochbetrieb bei den Feuerwehren. Meist wurden die Feuerwehrleute wegen überfluteter Keller oder Unterführungen gerufen, bis zum Sonntagmorgen berichtete die Berufsfeuerwehr von über 500 Einsätzen.

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