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Filmstars gegen Trump : Protest statt Party

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Im Ringen um einen Oscar Konkurrenten, in ihren Ansichten zu Trump eine Front: Mit mehreren Aktionen prangern Schauspieler und Regisseure die Politik des amerikanischen Präsidenten an.

          Kinostars wie Jodie Foster (54) und Michael J. Fox (55) haben sich bei einer Protestkundgebung in Beverly Hills für Pressefreiheit sowie die Rechte von Einwanderern und Minderheiten engagiert. Zu der Aktion „United Voices“ hatte die Künstleragentur United Talent Agency (UTA) eingeladen, mehr als 1500 Menschen beteiligten sich am Freitag (Ortszeit). Der von amerikanische Präsident Donald Trump verhängte Einreisestopp für Menschen aus bestimmten Ländern war für die Agentur Anlass, ihre traditionelle Oscar-Party abzusagen und das Party-Budget für Flüchtlings- und Bürgerrechtsorganisationen zu spenden.

          Jodie Foster forderte in ihrer Rede alle Menschen auf, Widerstand zu leisten – egal ob sie Wähler der Demokraten oder Republikaner seien, ob schwarz, weiß oder braun. Sie sprach von Angriffen auf die Meinungsfreiheit und auf andere grundlegende Rechte und von einem „unnachgiebigen Krieg gegen die Wahrheit“ vonseiten der aktuellen Regierung.

          Anlass für Fosters Einsatz für die Pressefreiheit war neben dem Feldzug gegen die Medien, den Präsident Donald Trump schon länger führt, ein Vorfall vom Vortag: Das Weiße Haus hat am Freitag mehreren Journalisten den Zugang zu einer Fragerunde mit dem Sprecher Trumps verwehrt. Betroffen waren Reporter des Senders CNN, der „New York Times“, und des Onlineportals „Politico“, wie die Medienhäuser berichteten. Stattdessen durften nur ausgewählte Journalisten an dem Briefing von Sprecher Sean Spicer teilnehmen.

          Vertreter der Nachrichtenagentur AP und des „Time“-Magazins boykottierten die Fragerunde daraufhin aus Solidarität mit ihren Kollegen. Die „White House Correspondents' Association“ (WHCA), ein Zusammenschluss von Journalisten, verurteilte die Maßnahme des Weißen Hauses. „In unserer langen Geschichte mit dem Weißen Haus ist so etwas noch nie passiert“, sagte Dean Baquet, Chefredakteur der „New York "Times“. „Wir protestieren gegen den Ausschluss der Times und den anderer Nachrichtenorganisationen.“

          CNN sprach von einer „inakzeptablen Entwicklung“. Anscheinend revanchiere sich das Weiße Haus auf diese Weise für die Berichterstattung über Fakten, „die es nicht mag“, erklärte der Sender. „Wir werden dessen ungeachtet weiter berichten.“ Medien wie NBC, ABC, Fox, CBS und auch das umstrittene Nachrichtennetzwerk Breitbart waren hingegen zugelassen.

          Die Kundgebung „United Voices“ war nicht die einzige Protestaktion: Die deutsche Oscar-Anwärterin Maren Ade (40) veröffentlichte mit den anderen für den Auslands-Oscar nominierten Regisseuren ein Statement für Weltoffenheit. Die Filmemacher verurteilen darin „das Klima von Fanatismus und Nationalismus, das wir heute in den USA und in so vielen anderen Ländern sehen, in Teilen der Bevölkerung, und, was am bedauerlichsten ist, unter führenden Politikern“.

          Mit ihrer Tragikomödie „Toni Erdmann“ ist die Regisseurin und Drehbuchautorin Maren Ade in der Kategorie „bester fremdsprachiger Film“ nominiert. Die skurrile Vater-Tochter-Geschichte ist auch international ein Riesenerfolg – Hollywood plant ein Remake mit Jack Nicholson.

          Zu den Unterzeichnern des Statements für Weltoffenheit gehört der iranische Regisseur Asghar Farhadi („The Salesman“), der auch zu den UTA-Klienten zählt. Aus Protest gegen die Trump-Dekrete hatte er seine Teilnahme an der Preisverleihung abgesagt. Am Freitag wurde er per Videobotschaft aus Teheran zur Kundgebung geschaltet. Er freue sich über die Unterstützung und die Solidarität der Filmgemeinschaft, sagte Farhadi.

          Demonstranten halten am Freitag in Kalifornien Schilder mit der Aufschrift „Im Namen der Menschlichkeit weigern wir uns, ein faschistisches Amerika zu akzeptieren“ in die Luft.

          Neben ihm und Ade unterzeichneten der Däne Martin Zandvliet, Hannes Holm aus Schweden sowie die für den australischen Beitrag nominierten Regisseure Martin Butler und Bentley Dean das am Freitag veröffentlichte Statement. Die sechs Filmemacher werden in der Nacht zum Montag in Konkurrenz um den Oscar für den besten ausländischen Film stehen.

          Aber egal, wer gewinne, Grenzen im Kopf dürfe es nicht geben, heißt es in ihrem Statement: „Wir glauben nicht, dass es ein bestes Land, bestes Geschlecht, eine beste Religion oder Hautfarbe gibt. Wir wollen, dass diese Auszeichnung ein Symbol der Einheit zwischen den Nationen und der Freiheit für die Künste ist.“

          „Nein“ statt „Hoffnung“: Demonstranten nach der Kundgebung von „United Voices“ – ihr Schild ist eine Persiflage von Barack Obamas Slogan „Hope“.

          Erst vor wenigen Tagen hatten mehr als sechzig Künstler in einem offenen Brief gemeinsam mit dem amerikanischen Schriftstellerverband PEN Präsident Trump aufgefordert, keine weiteren Einreisebeschränkungen anzuordnen. Unterzeichnet wurde der Brief von Schriftstellern wie Paul Auster, Philip Roth, Zadie Smith, John Green, Margaret Atwood, außerdem von Künstlern anderer Bereiche, etwa dem Schauspieler Patrick Steward und dem Komponisten Stephen Sondheim.

          Sie wandten sich gegen das Einreiseverbot für Bürger aus muslimischen Ländern. Die Beschränkung der Einreise betreffe auch das kulturelle Leben in den Vereinigten Staaten.

          Weitere Statements dürften während der Oscar-Show Sonntagnacht mitteleuropäischer Zeit  folgen, zumal die Branche fast unisono gegen Trump positioniert ist. Meryl Streep, die für ihre Rolle in „Florence Foster Jenkins“ im Rennen liegt, hatte bereits die Golden-Globes-Verleihung für einen Angriff auf den Präsidenten genutzt – woraufhin Trump die Schauspielerin, die bereits drei Oscars holte und zudem die meisten Oscar-Nominierungen der Geschichte sammelte, als „eine der am stärksten überschätzten Schauspielerinnen in Hollywood“ abzukanzeln suchte. Schon allein die Streep-Trump-Fehde bietet also reichlich Stoff für Trump-Spott in der Oscar-Nacht.

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