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Festspiele in Monte Carlo : Die Zirkuselefanten sterben aus

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Jede Elefantendressur kann die letzte sein: Die Familie Joy Gärtner beim Zirkusfestival in Monte Carlo Bild: Charly Gallo/Centre de Presse de Monaco

Nur in Monte Carlo stehen noch nicht jeden Abend Demonstranten vor dem Zirkuszelt, um lautstark für die Rechte der Zirkustiere zu kämpfen. Im Fürstentum haben die Elefanten eine fürstliche Patronin: Prinzessin Stéphanie.

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          Prinzessin Stéphanie von Monaco liebt Elefanten. Sie liebt die Elefanten sogar so sehr, dass sie im vergangenen Jahr zwei Exemplaren Asyl gewährte. Die Rettung von Baby und Népal hat damals ganz Frankreich bewegt, zu schweigen vom Fürstentum Monaco, wo die Prinzessin für beide Elefantenkühe eigens ein Gehege auf einem Grundstück der fürstlichen GrimaldiFamilie an der Côte d’Azur hat bauen lassen.

          Beim diesjährigen Internationalen Zirkusfestival von Monaco hat Conférencier Petit Gougou, der seit vielen Jahren die Rolle des Monsieur Loyal, des Sprechstallmeisters, übernimmt, Abend für Abend dem Publikum die wundersame Geschichte von Baby und Népal erzählt. Über die beiden Elefantenkühe, 1999 von Gilbert Edelstein, dem Patriarchen des Zirkus Pinder, an den Zoo von Lyon ausgeliehen, hatte Ende 2012 der zuständige Präfekt das Todesurteil verhängt: Baby und Népal müssten eingeschläfert werden, weil sie allem Anschein nach mit Tuberkulose-Bakterien infiziert seien.

          Monsieur Edelstein bezweifelte den Befund der Veterinäre und wandte sich mit einer Petition an den Staatspräsidenten Hollande. Tausende Tierfreunde, unter ihnen Brigitte Bardot, unterstützten ihn. Hollande ordnete neue Untersuchungen an, und das oberste Verwaltungsgericht setzte die Anordnung zum Einschläfern der Tiere außer Kraft. Am Ende nahm der Zoo von Lyon das Angebot von Prinzessin Stéphanie an, die Elefanten aufzunehmen. Baby und Népal können einem fürstlichen Lebensabend entgegenschauen. Nach Gougous Bericht von der Großherzigkeit der Prinzessin sind die Zuschauer im großen Festival-Zelt in den vergangenen Tagen jedes Mal aufgestanden und haben ihr begeistert applaudiert. Der große portugiesische Clown Angelo Munoz, der so lange mit Roncalli-Chef Bernhard Paul ein kongeniales Duo bildete, brachte der fürstlichen Präsidentin des Zirkusfestivals ein Ständchen auf dem Saxophon.

          Kann gut mit großen Tieren: Prinzessin Stéphanie mit einer geretteten Elefantenkuh Bilderstrecke
          Kann gut mit großen Tieren: Prinzessin Stéphanie mit einer geretteten Elefantenkuh :

          Die Elefantenkühe Baby und Népal hat die Prinzessin retten können. Ob ihr dies aber auch mit der alten Zirkustradition der Elefantendressur gelingt, steht auf einem anderen Blatt. Stéphanie und der Festival-Direktor Urs Pilz haben zwar auch in diesem Jahr mit der Familie Joy Gärtner eine Elefantentruppe eingeladen, nachdem 2012 die Familie René Casselly mit ihren Elefanten den Goldenen Clown gewonnen hatte. Doch die Gärtners und Casselys scheinen die Letzten ihrer Art sein.

          Seit Jahren führen sogenannte Tierrechtler eine Kampagne gegen die Darbietung von Elefanten-Nummern im Zirkus und beschuldigen die Dompteure der Tierquälerei. Politik und Behörden wiederum reagieren immer restriktiver, Bundesländer wie Hessen wollen Wildtiere im Zirkus generell verbieten, manche Städte untersagen mittlerweile Zirkussen mit Elefanten oder Raubtieren die Gastspiele. Noch gibt es kein Gesetz, das die Vorführung von Wildtieren untersagt, und auch die Kommunen scheitern in der Regel vor Gericht. Doch der Druck auf die verbliebenen Zirkusunternehmen, die weiter auf Tierdressuren setzen, ist groß. Reist ein klassischer Zirkus wie etwa Krone aus München durch die deutschen Lande, stehen mindestens am Premierenabend Tierschutz-Aktivisten protestierend vor dem Zelt. So weit ist es im zirkusverrückten Monte Carlo zwar noch nicht. Doch die Zirkusdirektoren und Agenten, die sich alljährlich beim Festival in Monte Carlo treffen, wissen genau, welchen Anfeindungen Zirkusse mit Elefanten, Tigern oder Seelöwen ausgesetzt sind.

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