Grönland :
„Niemandem gehört unser arktisches Land, wir teilen es uns!“

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Laternen erleuchten eine Häusergruppe der kleinen grönländischen Siedlung Kapisillit in der Dämmerung.
Laternen erleuchten eine Häusergruppe der kleinen grönländischen Siedlung Kapisillit in der Dämmerung.Marko Djurica/Reuters

Kapisillit ist eine kleine Siedlung am äußersten Ende des Nuuk-Fjords an der Westküste Grönlands. Der serbische Reuters-Fotograf Marko Djurika besuchte den entlegenen Ort und seine 37 Einwohner Ende Januar.

Die US-Regierung betrachtet Grönland als strategisches Gut, das und dessen Einwohner man kaufen könne. Dänemark betont hingegen seine rechtliche Souveränität über die riesige Insel. Für die indigenen Inuit, die hier seit fast 1000 Jahren leben und rund 90 Prozent der 57.000 Einwohner stellen, gehört das arktische Land jedoch niemandem.

Gemeinschaftliches Eigentum ist ein zentraler Gedanke der Inuit und hat 300 Jahre Kolonialgeschichte überdauert. Dieses Prinzip ist auch gesetzlich verankert: Menschen können Häuser besitzen, aber nicht das Land darunter. „Wir können nicht einmal unser eigenes Land kaufen, aber Trump will es kaufen – das ist für uns seltsam. Seit meiner Kindheit bin ich daran gewöhnt, dass man Land nur pachten kann. Wir waren immer an die Idee gewöhnt, dass wir unser Land gemeinsam besitzen“, sagt der vierundsiebzigjährige Kaaleeraq Ringsted. Früher war er Fischer, heute ist er Dorfkatechat.

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Die Einheimischen sagen, sie verfolgten die Schlagzeilen über den schwelenden Konflikt mit den USA, aber es sei kein Thema, über das viel gesprochen werde.

„Die Leute hier interessieren sich für den kommenden Tag. Ist etwas zu essen im Kühlschrank? Gut, dann kann ich noch ein bisschen länger schlafen. Wenn kein Essen da ist, gehe ich raus und fange Fische oder gehe raus und schieße ein Rentier“, sagte Vanilla Mathiassen, eine dänische Lehrerin in Kapisillit, die seit 13 Jahren in Städten und Dörfern in ganz Grönland arbeitet.

Die verstreut liegende Siedlung verfügt neben der kleinen Kirche über eine Schule, einen Lebensmittelladen und ein Servicehaus, in dem die Bewohner duschen und Wäsche waschen können. Ein kleiner Notfallraum hält grundlegende medizinische Vorräte bereit. Wöchentlich bringt ein Schiff Nachschub aus Nuuk an eine kleine Anlegestelle. Von dort brechen Fischer und Jäger auf, um Robben, Heilbutt, Kabeljau und Rentiere zu erlegen.

„Wir haben hier in der Natur immer ein freies Leben geführt“, sagt die Dorfvorsteherin Heidi Lennert Nolso. „Wir können überallhin segeln und gehen, ohne Einschränkungen.“

Entlang der Bucht sind neue Ferienhäuser entstanden, einige mit Außen-Whirlpools, gebaut für wohlhabende Einwohner Nuuks. Im Winter stehen sie leer und sind verriegelt. Von einer nahe gelegenen Klippe aus blickt man auf einen fjordartigen Meeresarm voller Eisberge. Die Landschaft könnte Touristen anlocken, doch dem Dorf fehlt grundlegende Infrastruktur.

„Es besteht das Risiko, dass die Siedlung sterben könnte“, sagt Dorfvorsteherin Nolso. „Die Menschen werden alt.“

Die siebenundsechzigjährige Kristiane Josefsen stellt aus Robbenfell in Handarbeit Nationaltrachten her. Sie steht kurz vor dem Ruhestand und sagt: „Ich bleibe hier. Ich gehöre hierher. Dies ist mein Land. Grönland ist mein Land.“

Dorfbewohner fahren mit einem Quad durch Kapisillit.
Dorfbewohner fahren mit einem Quad durch Kapisillit.Marko Djurica/Reuters
Die Lehrerin  Vanilla Mathiassen betrachtet in der Schule Kapsillits mit ihren einzigen Schülern William, 8, Malerak, 7, und Viola, 7, eine Karte Grönlands aus dem Jahr 1954. Ihr Schulabschluss dürfte für die Schule das Ende bedeuten.
Die Lehrerin  Vanilla Mathiassen betrachtet in der Schule Kapsillits mit ihren einzigen Schülern William, 8, Malerak, 7, und Viola, 7, eine Karte Grönlands aus dem Jahr 1954. Ihr Schulabschluss dürfte für die Schule das Ende bedeuten.Marko Djurica/Reuters
In der Schulpause gehen sie Schlitten fahren.
In der Schulpause gehen sie Schlitten fahren.Marko Djurica/Reuters
Die Kirchenglocke der Gemeinde.
Die Kirchenglocke der Gemeinde.Marko Djurica/Reuters
Der Dorfkatechat Ringsted zieht vor einem Spiegel sein liturgisches Gewand an.
Der Dorfkatechat Ringsted zieht vor einem Spiegel sein liturgisches Gewand an.Marko Djurica/Reuters
Die Ortsvorsteherin Heidi Lennert
Die Ortsvorsteherin Heidi LennertMarko Djurica/Reuters
Ein Mann geht in Kapisillit in einen kleinen Supermarkt.
Ein Mann geht in Kapisillit in einen kleinen Supermarkt.Marko Djurica/Reuters
Am Aushang stehen die Öffnungszeiten der Bibliothek.
Am Aushang stehen die Öffnungszeiten der Bibliothek.Marko Djurica/Reuters
Eine Person posiert mit einem Jagdgewehr in Kapisillit.
Eine Person posiert mit einem Jagdgewehr in Kapisillit.Marko Djurica/Reuters
Ein grönländischer Hase hängt vor einem Haus.
Ein grönländischer Hase hängt vor einem Haus.Marko Djurica/Reuters
Bewohner auf einem Bootssteg im Hafen von Kapisillit.
Bewohner auf einem Bootssteg im Hafen von Kapisillit.Marko Djurica/Reuters
Blick auf den Nuuk-Fjord bei Kapisillit
Blick auf den Nuuk-Fjord bei KapisillitMarko Djurica/Reuters
Kapitän Isak Brandt begegnet bei seiner Ausfahrt einem dänsichen Patrouillenboot .
Kapitän Isak Brandt begegnet bei seiner Ausfahrt einem dänsichen Patrouillenboot .Marko Djurica/Reuters
Ein Fischerboot fährt bei Kapisillit.
Ein Fischerboot fährt bei Kapisillit.Marko Djurica/Reuters
Fischer machen Pause auf ihrem Boot.
Fischer machen Pause auf ihrem Boot.Marko Djurica/Reuters
Fischer Aslak Wilhelm Jensen (50) säubert einen Dorsch auf seinem Boot.
Fischer Aslak Wilhelm Jensen (50) säubert einen Dorsch auf seinem Boot.Marko Djurica/Reuters
Frisch gefangene Dorsche
Frisch gefangene DorscheMarko Djurica/Reuters
Nach einem Tag auf See legen Fischer mit ihrem Boot im Hafen von Kapisillit an.
Nach einem Tag auf See legen Fischer mit ihrem Boot im Hafen von Kapisillit an.Marko Djurica/Reuters
Kristiane Josefsen stellt aus Seehundhäuten traditionelle Trachten her.
Kristiane Josefsen stellt aus Seehundhäuten traditionelle Trachten her.Marko Djurica/Reuters
Nordlichter strahlen über der kleinen Siedlung.
Nordlichter strahlen über der kleinen Siedlung.Marko Djurica/Reuters
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