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Buchmacher-Quoten : Die Briten wetten gegen den Brexit

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Manchem Briten zu kenianisch: Amerikas Präsident Obama Bild: AFP

Ein Austritt Großbritanniens aus der EU gilt bei den britischen Buchmachern derzeit als so unwahrscheinlich wie lange nicht. Verantwortlich ist auch Obamas London-Besuch.

          Nach den klaren Worten des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, mit denen er sich gegen einen Austritt Großbritanniens aus der EU aussprach, scheint noch mehr Briten die Lust auf den „Brexit“ zu vergehen. Das zeigt sich nicht zuletzt dort, wo sich das Meinungsbild der Briten von jeher niederschlägt: bei den Buchmachern. Dort hatte der „Brexit“ ohnehin einen schweren Stand.

          Nun zeigt sich die Tendenz noch deutlicher: Vor einer Woche noch ergab sich aus den Wetteinsätzen eine Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent dafür, dass Britannien in der EU bleibt - infolge des Obama-Besuchs und der Reaktionen auf der Insel hat sich dieser Wert nun auf 75 Prozent erhöht. Damit liegt die so abgeleitete Zustimmung zur EU wieder oberhalb des Niveaus von Anfang März, als die „Brexit“-Befürworter schon einmal schärferen Gegenwind verspürten.

          Hat Obama was gegen das Empire?

          Wer gegen den Brexit wettet, dem bietet die Online-Wettbörse Betfair derzeit eine Quote von 3 für 10: Für einen Einsatz von 10 Pfund erhält man im Gewinnfall 13 Pfund zurück. Auch der Buchmacher Ladbrokes stellt dieselben Quoten, nicht zuletzt weil auch die als chancenreich angesehene potentielle demokratische amerikanische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton für einen Verbleib der Briten in der Gemeinschaft wirbt. Ladbrokes-Sprecherin Jessica Bridge sieht die Wahrscheinlichkeit für einen Verbleib zur Zeit täglich steigen.

          Besonders Obamas Äußerung, dass ein Austritt aus der EU auch ein Freihandelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich verzögern würde, ist im Brexit-Camp schlecht angekommen. Londons Bürgermeister Boris Johnson schrieb einen Aufsehen erregenden Gastbeitrag für die Boulevardzeitung „The Sun“, mit dem er dem Aufruf Obamas zum Verbleib Großbritanniens in der EU entgegentreten wollte. Im Zusammenhang mit der Entfernung einer Büste des legendären britischen Premierministers Winston Churchill aus dem „Oval Office“ des Weißen Hauses schrieb Johnson, manche würden dies mit der teilweise kenianischen Herkunft des Präsidenten Obama und einer Abneigung gegen das britische Kolonialreich erklären, für das Churchill eingetreten sei.

          Britische Oppositionspolitiker empfanden die Bezugnahme auf Obamas Herkunft als unangemessen. Die Labour-Abgeordnete Diane Abbott bezeichnete sie als „beleidigend“. Johnson begebe sich damit in die Nähe der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung in den Vereinigten Staaten.

          Auch die Finanzmärkte sehen den „Brexit“ nun als unwahrscheinlicher an. Das zeigt der aufwertende Kurs der britischen Währung: An diesem Dienstag müssen nur 77,5 Pence für einen Euro bezahlt werden, so wenig wie zuletzt vor sechs Wochen. Und mit 1,4571 Dollar steht das Pfund auf einem Zehn-Wochen-Hoch.

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