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Billig durch Europa : Nie war Fliegen so bunt wie heute

Führt den europäischen Markt an: die irische Billigfluggesellschaft Ryanair Bild: dpa

Schnell und günstig erreicht man die verrücktesten Orte in Europa. Nonstop. Die Billigflieger machen’s möglich.

          Die Universitätsstadt Bristol am Westrand von Südengland wäre in früheren Zeiten nicht das erste aller Reiseziele gewesen. Doch die Stadt hat sich gemacht: Es gibt eine hervorragende Musik- und Kunstszene, und zum Meer hat man es auch nicht weit. Manch Insider geht sogar so weit, von einer echten Alternative zum überlaufenen London zu reden.

          Inge Kloepfer

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Entscheidend dabei ist: Bristols Flughafen erfüllt höchste internationale Standards. Mehr als sechs Millionen Passagiere werden dort jedes Jahr abgefertigt. Heute von Berlin, Hamburg, Stuttgart oder Hannover für einen Kurztrip direkt nach Bristol zu fliegen ist kein Problem. Es ist noch nicht einmal teuer. Früher landete man in London und nahm umständlich den Zug.

          Doch kann man Bristol auch als Ausgangspunkt für eine kleine Sommerrundreise durch Europa nehmen. Von dort aus geht es direkt nach Toulouse – für gerade einmal 109 Euro. Nach ein paar Tagen in der südfranzösischen Stadt ist noch ein Abstecher nach Florenz geplant – von Toulouse aus zwei Flugstunden. Und eine Woche Urlaub am Meer ist auch noch drin: am besten südlich von Split. Da ist man schließlich noch nie gewesen, kommt aber mit der neuen spanischen Billig-Airline Vueling von Florenz ganz unkompliziert dorthin.

          Ryanair ist Marktführer in Europa

          Fast alles ist möglich in Europa. Nie war das Fliegen so einfach und so billig wie heute. Nie zuvor gab es so viele Strecken, nie so viele Flughäfen und Airlines. Die Passagiere leben inzwischen in der besten aller Welten: Durch das aggressive Auftreten der Billiganbieter ist nicht nur der Flugverkehr innerhalb Europas enorm gewachsen. Auch die Verbindungsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Orten sind vielfältiger als je zuvor. Schon bis zum Jahr 2010 erweiterten fast 100 neue Strecken jährlich die Möglichkeiten der reisebegeisterten Deutschen um ein Vielfaches. Inzwischen sind es nach jüngsten Angaben des Instituts für Flughafenwesen und Luftverkehr noch mehr: Zwischen Deutschland und Spanien bestehen 108 Verbindungen, nach Italien 116.

          Insgesamt gibt es allein in Europa 19.540 Strecken, knapp die Hälfte davon wird von Billigfliegern angeflogen. Allein der europäische Marktführer Ryanair fliegt 120.00 Mal in der Woche. Für das jüngste Wachstum sorgte nicht zuletzt die Lufthansa-Tochter Germanwings, die seit dem vergangenen Sommer fast ein Viertel mehr Flüge anbietet. Insgesamt 1.200 Starts pro Woche.

          Günstigster Preis europäischer Billigflieger für einen Flug (ohne Rückflug) für einen Erwachsenen zum Zeitpunkt der Recherche. Preise gerundet und gegebenenfalls in Euro umgerechnet.

          Transatlantikflüge im Visier der Billig-Airlines

          Angefangen hat alles 1993: Mit der Liberalisierung des europäischen Luftverkehrs begannen die Gesellschaften Ryanair und Easyjet das Geschäft mit den Passagieren völlig neu zu erfinden. Der Preiswettstreit zwischen den etablierten Airlines und den Billigfliegern, der damals begann, ist aber selbst heute noch längst nicht zu Ende. Neue, sehr offensiv agierende Fluggesellschaften wie Vueling aus Spanien, die ungarische Fluggesellschaft Wizz oder auch Intersky aus Österreich drängen auf den Markt und bedienen immer neue Strecken. Daher rührt die wachsende Vielfalt. Richtige Abgrenzungen zum traditionellen Linienverkehr gibt es kaum noch. Aus Sicht der Passagiere könnte es günstiger kaum laufen.

          Doch es kommt noch besser: Viele Fluggesellschaften nehmen neuerdings auch Transatlantikflüge und andere Langstrecken ins Visier – sie wollen auch hier die Preise senken. Überrascht hat unlängst ausgerechnet die Lufthansa mit der Ankündigung ihres neuen Vorstandschefs Carsten Spohr, beispielsweise zwischen Amerika und Deutschland nicht nur deutlich günstiger zu fliegen, sondern gleich eine ganz neue Plattform zu entwickeln – so, wie es die Lufthansa-Tochter Germanwings für Europa bereits ist.

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