Hörspielreihe zum Grundgesetz : Im Wissen um die Würde des Menschen

Triumph des Diskurses: Eine Hörspielreihe des WDR zeigt die erstaunliche Aktualität vieler Debatten auf, die bei der Ausarbeitung des Grundgesetzes vor siebzig Jahren geführt wurden.
Die Trümmer rauchten noch. Landesparlamente gab es wieder, der amerikanische Marshallplan lief in Westdeutschland an, und Alltag wurde simuliert, aber das Land, das Krieg über ganz Europa gebracht hatte, lag im Herbst 1948 immer noch am Boden. Die Alliierten, die faktisch die Kontrolle hatten, nahmen in Ost und West weiterhin Demontagen vor; die Ruhr- und die Saarfrage waren ungeklärt; die großen Kriegsverbrecherprozesse machten der Bevölkerung allmählich das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Barbarei bewusst. Es ist verwunderlich, dass unter solchen Bedingungen ein Gremium wie der Parlamentarische Rat überhaupt in der Lage war, im Auftrag der drei westlichen Besatzungsmächte eine komplette deutsche Verfassung auszuarbeiten, provisorisch nur dem Geiste nach, weil ohne die Ostzone und das Saarland beschlossen. Eine visionäre Friedensverfassung musste es werden, ein Ordnungsrahmen, der die Lehren aus dem Scheitern der Weimarer Verfassung ziehen und den neuen deutschen Staat gegen Rassismus und Antisemitismus, Kriegstreiberei und Ungleichheit immunisieren würde.


