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Islamistischer Terror : Nacht über Wien

Die Polizei im Einsatz in der Wiener Innenstadt in der Nacht von Montag auf Dienstag Bild: dpa

Der Terror, mit dem Islamisten Europa destabilisieren wollen, erreicht Wien. Er trifft uns alle. Ein islamistisches Hassverbrechen geschah kürzlich auch in Dresden. Das wollen nicht alle wahrhaben.

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          Der Terror ist nicht wieder da. Er war nie weg. Am Dienstagabend zeigt er sich in Wien. Ungewohnterweise hier und deshalb so erschreckend, sagen Beobachter im österreichischen Fernsehen. Die Erinnerung geht zurück ins Jahr 1981, als die Seitenstettengasse nahe der Synagoge schon einmal Schauplatz eines Terrorangriffs war. Damals töteten palästinensische Attentäter zwei Menschen, achtzehn wurden verletzt.

          Und jetzt? Ist erst von einem Angreifer die Rede, dann von einem halben Dutzend, von einem Anschlag oder mehreren. Am nächsten Morgen wissen wir, dass der Attentäter, ein Anhänger der Terrorgruppe „Islamischer Staat“, vier Menschen ermordet und 22 zum Teil schwer verletzt hat, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Ob es mehrere Angreifer gab, wissen wir noch nicht. Von mindestens einem weiteren Täter ist die Rede.

          Im Verlauf des Abends entwickelt der Terror die Wirkung, die der Extremismusforscher Peter Neumann vom Londoner King’s College beschreibt: maximalen Schrecken verbreiten durch wahllose Morde. Niemand soll sich sicher fühlen, Juden in Europa schon gar nicht. Und so sieht man in den Medien den Attentäter im weißen Dschihadistenkillergewand, wie er die Gasse entlangläuft. Wie er auf Menschen schießt, zeigen privat publizierte Videos im Netz, von denen verantwortungsvolle Sender keinen Gebrauch machen. Krone.tv wandelt auf schmalem Grat, bei oe24.tv, das zu der Zeitung „Österreich“ gehört, sind Videoaufnahmen vom Terrorangriff in Dauerwiederholung zu sehen, die Website der „Bild“-Zeitung verbreitet Aufnahmen, die zeigen, wie der islamistische Attentäter einen Passanten aus nächster Nähe erschießt. Die „Kronen Zeitung“ und oe24 haben die Videos inzwischen entfernt. Beim österreichischen Presserat gingen Hunderte von Beschwerden gegen diese Art der Berichterstattung ein.

          Sie spielt den Tätern in die Hände. Damit verbindet sich die mediale Wirkung, von der Neumann spricht, Ausdruck der Allmachtsphantasien religiöser Fanatiker wie dem zwanzig Jahre alten Täter aus Nordmazedonien, die meinen, sie könnten Europa aus den Angeln heben durch all die Morde, begangen in Paris, Nizza, Straßburg, London, Brüssel, Berlin und jetzt in Wien.

          Dabei dringt in der deutschen Öffentlichkeit erst allmählich durch, dass es sich bei dem fünf Wochen zurückliegenden Mord an einem Mann in Dresden offenbar ebenfalls um ein islamistisch motiviertes Verbrechen handelte, begangen aus Hass auf Homosexuelle von einem Zwanzigjährigen, der 2015 als Flüchtling aus Syrien kam. Die Reaktionen auf diese Verbrechen seien „erschreckend leise und auffallend still, sagt die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş. „Wacht endlich alle auf, die islamistischen Terror verharmlosen“, fordert sie auf Twitter.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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