Verhaftungswelle in Russland : Gerechtigkeit ist eine Arbeit für Sisyphos

Zermürbung aller Kritiker: Die russische Zivilgesellschaft kämpft gegen die neue Welle von Willkürjustiz. Über den Spionagevorwurf gegen den Journalisten Iwan Safronow empören sich sogar Kremlreporter.
Russland erlebt einen Sommer der Verhaftungen und Strafprozesse gegen Journalisten, Bürgerrechtler und Künstler. Aber nicht nur das: In der fernöstlichen Stadt Chabarowsk demonstriert eine nur langsam kleiner werdende Menschenmenge seit vier Tagen gegen die Verhaftung des Gouverneurs Sergej Furgal, dem vorgeworfen wird, in seiner früheren Eigenschaft als Unternehmer Anfang des Jahrtausends Morde an Geschäftskonkurrenten in Auftrag gegeben zu haben. Furgal, der der national-populistischen Partei LDPR angehört, hatte vorigen Herbst bei der Wahl Moskaus Wunschkandidaten aus der Kremlpartei „Einheitliches Russland“ geschlagen und sich nicht zuletzt durch Einsparungen im Verwaltungsapparat populär gemacht. Der Volkszorn richtet sich gegen die Moskauer Zentralmacht. Sie wird wie ein Kolonialherr wahrgenommen, der Furgal den vergleichsweise geringen Zuspruch für Präsident Putin und seine Verfassungsänderungen in der Region nicht verzeihen kann.
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