Exil während der Wendezeit : Der Eiserne Vorhang riss, und ich bekam einen Hund

Die Auslands-Esten galten immer als Gefahrenfaktor für die Sowjetunion: Über eine Kindheit im Exil während der Wendezeit – und den langen Weg zurück nach Hause.
Im Februar 1989 stand ich im Gang des schönsten Moskauer Kaufhauses, dem legendären GUM, in der Hand eine Plastiktüte mit Rubeln. Noch kurze Zeit vorher war ein Fünf-Rubel-Schein eine Menge Geld gewesen. Jetzt hatte ich eine ganze Tüte voller großer Scheine, aber man konnte damit nichts anfangen. Ich fand einen weißen Spitzenhut mit Krempe und Lenin-Köpfe. Ansonsten waren die Regale leer und die Gänge seltsam geräumig. Das GUM, erbaut in den 1890er Jahren, war früher bekannt gewesen als das Einkaufsparadies der Sowjetunion, in dem der Mangel an Waren nicht sichtbar war. Dort hatte meine Mutter in jungen Jahren ihre modischsten Schuhe gekauft.





