Täter und Opfer : Was denkt sich dieser selbstgefällige Westen?

Wenn Konflikte mit der moralischen Schwarz-weiß-Klarheit des Holocaust ausgestattet werden: Der Historiker Jie-Hyun Lim fragt, wie sich der Opferstatus politisch instrumentalisieren lässt.
Bis ins neunzehnte Jahrhundert machten Heldentaten, vollbrachte und künftige, den Ruhm einer Nation aus, man denke nur an Rule Britannia oder Land of Hope and Glory. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich das. Nun war es das Leid, das Ansehen verschaffte, und das maßstabsetzende Leid war das der ermordeten Juden, Auschwitz. Es brauchte allerdings eine gewisse Zeit für diesen Wandel. Auf einer Tagung des American Jewish Committee im Jahr 1944 hieß es noch, die „Schauergeschichten über das gequälte jüdische Volk“ müssten reduziert werden (…) Kriegsheldengeschichten sind hervorragend“.


