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Sorge um Hongkongs Zeitung : Der Verkauf der Pressefreiheit

Alte Zeitung, neuer Chef: Wird die „South China Morning Post“ aus Hongkong unter Alibaba auch auf Linie gebracht? Bild: AFP

Die „South China Morning Post“ ist die letzte unabhängige Zeitung in Hongkong. Nun kauft der regimetreue Internetriese Alibaba das Blatt auf. Ist das der Todesstoß für das letzte bisschen Pressefreiheit in China?

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          Seit Tagen berichtet die „South China Morning Post“ aus Hongkong über den Prozess gegen den chinesischen Menschenrechtsanwalt Pu Zhiqiang vor einem Pekinger Gericht. Er soll sich im Internet kritisch über die chinesische Regierung geäußert haben. Die chinesischen Staatsmedien verlieren über den Prozess kein Wort. Beobachter sind deswegen auf Zeitungen wie die „South China Morning Post“ angewiesen, die sich seit ihrer Gründung vor 112 Jahren als unabhängig versteht und einen kritischen Blick auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der Großmacht wirft.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Damit könnte es bald vorbei sein. Denn die Zeitung hat einen neuen Besitzer: den Internetkonzern Alibaba. Für umgerechnet 242 Millionen Euro hat das Unternehmen, das dem Chinesen Jack Ma gehört, das Blatt gekauft. Sofort meldeten sich Kritiker, als erste die „Hong Kong Journalists Association“, die Gewerkschaft der Journalisten. Man befürchte, dass nun die Pressefreiheit in Hongkong gefährdet sei. Dahinter steht das Wissen darum, dass Alibaba-Chef Jack Ma ein enges und gutes Verhältnis zur chinesischen Führung hat und kein chinesisches Unternehmen erfolgreich wirken kann ohne das Wohlwollen der Führung in Peking.

          Womöglich tut sich Alibaba aber keinen großen Gefallen mit dem Kauf. Orville Schell von der amerikanischen Asia Society sagte der „New York Times“, das Unternehmen sei bisher immer gut darin gewesen, sich aus der Politik herauszuhalten. „Aber eine Zeitung zu kaufen, vor allem in Hongkong, kann riskant sein.“ China wolle schließlich immer die Kontrolle behalten.

          Alibaba-Vize Joseph Tsai hat in einem Interview mit der eigenen Zeitung gesagt, man werde nicht in die Themensetzung eingreifen, die Zeitung könne weiter objektiv berichten. Zugleich machte Joseph Tsai in dem Interview klar, dass er die Berichterstattung westlicher Medien als einseitig betrachte und die Journalisten „durch einen bestimmten Blickwinkel“ auf China schauten. Alibaba sehe die Dinge anders. Man wolle mit Hilfe der „South China Morning Post“ nun „Fakten präsentieren, die Wahrheit sagen“. Beobachter bezweifeln, dass die Zeitung unabhängig bleibt. Scott Kennedy, Wirtschaftsfachmann am Washingtoner Center for Strategic and International Studies, ist, wie er dem „Wall Street Journal“ sagte, davon überzeugt, dass Alibaba nicht riskieren wird, Chinas Führung zu verärgern.

          Das Ende der Paywall

          Der Kauf der Zeitung fügt sich in die Strategie der chinesischen Führung, die Presse auf Linie zu bringen oder bringen zu lassen – auch in Hongkong, wo die Pressefreiheit eines der zentralen Elemente in dem zwischen London und Peking ausgehandelten Vertrag ist, mit dem die ehemalige Kronkolonie vor achtzehn Jahren zu einem Teil Chinas wurde. In China werden Facebook, Twitter und Youtube blockiert, das „Verbreiten von Gerüchten“ und „falschen Informationen“ über andere Netzwerke ist neuerdings strafbar und kann mit einer Gefängnisstrafe geahndet werden.

          Chef und Gründer von Alibaba: Jack Ma

          Zwar hat die englischsprachige „South China Morning Post“ mit ihrer Auflage von knapp hunderttausend Exemplaren nur eine begrenzte Reichweite, doch markiert dies nicht ihre publizistische Bedeutung. Alibaba hat angekündigt, in die Redaktion investieren zu wollen, mit dem Ziel, dass die Zeitung auch in New York, London oder Sydney wahrgenommen werde, wenn es um Informationen über China gehe. Der erste Schritt: Alibaba schafft die Paywall ab, damit jeder die Artikel der „South China Morning Post“ online lesen kann.

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