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Cryan muss gehen : Christian Sewing soll neuer Chef der Deutschen Bank werden

Christian Sewing Bild: dpa

John Cryan muss nach drei Jahren an der Spitze der Deutschen Bank gehen, erfuhr FAZ.NET aus Finanzkreisen. Auch Marcus Schenck steht vor dem Abschied. Die Wechsel sind eine strategische Entscheidung.

          Christian Sewing soll neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank werden. Dies erfuhr die F.A.Z. am Sonntag aus Finanzkreisen. Für den Abend hat der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner eine telefonische Sitzung des Kontrollgremiums einberufen, die den Wechsel an der Vorstandsspitze beschließen wird.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sewing, bislang stellvertretender Ko-Vorstandsvorsitzender und verantwortlich für das Privatkundengeschäft, wird John Cryan ablösen, mit dem Achleitner aufgrund der erfolglosen Neuausrichtung der Bank unzufrieden ist. Der andere stellvertretende Ko-Vorstandsvorsitzende Marcus Schenck, der das schwankungsanfällige Investmentbanking leitet, steht offenbar vor seinem Abschied. Er soll unzufrieden darüber sein, dass sein Bereich verringert werden soll.

          In der Deutschen Bank gibt es seit geraumer Zeit das Projekt „Colombo“, in dem das Sparpotenzial im Investmentbanking überprüft wird. Sewing soll zur Hauptversammlung am 24. Mai die Führung der Deutschen Bank übernehmen. Ein Sprecher der Bank wollte sich zu dem Wechsel an der Führungsspitze nicht äußern.

          Cryan hat sich bislang gegen sein Abberufung gewehrt. Ende März war er Gerüchten über seine bevorstehende Ablösung entgegengetreten und hatte in einer Erklärung an die Mitarbeiter versichert, „dass ich mich weiterhin mit all meiner Kraft für die Bank einsetze und gemeinsam mit Ihnen den Weg weiter gehen möchte, den wir vor rund drei Jahren angetreten haben“. Der Brite führt die Deutsche Bank seit 2015, sein Vertrag läuft eigentlich noch bis Mai 2020.

          Mit der Entscheidung für Sewing trifft Achleitner auch eine strategische Weichenstellung: Das Investmentbanking, das der Bank seit der Finanzkrise Strafen und Vergleichszahlungen über 18 Milliarden Dollar eingebrockt hat, verliert an Bedeutung. Zuletzt wurde bekannt, dass auch Garth Ritchie, der neben Schenck diesen Bereich verantwortet, die Bank verlassen will.

          Die Diskussion um das Investmentbanking entbrannte nach den enttäuschenden Zahlen für 2017, als Cryan zum dritten Mal in Folge einen Verlust vorlegen musste. Trotzdem zahlte die Bank den Investmentbankern Boni über 1,4 Milliarden Euro. Cryan verteidigte dies damit, wichtige Leistungsträger halten zu wollen. Achleitner war früher als Deutschland-Chef von Goldman Sachs auch Investmentbanker und galt als Fürsprecher dieses Bereichs. Doch die Kritik der Öffentlichkeit an den Investmentbankern, die trotz schlechter Zahlen und hoher Strafen üppige Erfolgsprämien erhielten, hat wohl zu dem Schwenk beigetragen.

          DT. BANK

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          Der 47 Jahre alte Sewing ist ein Eigengewächs der Bank. Achleitner hatte ihm im Herbst 2014 das aufgrund der Verhandlungen zu verschiedenen Strafen damals heikle Rechtsressort anvertraut, obwohl Sewing kein Jurist ist. Doch hat er sich hier so gut geschlagen, dass er im Juni 2015 nach dem Rücktritt von Anshu Jain und dem Wechsel zu Cryan zu einem Hoffnungsträger der Bank wurde.

          Sewing hatte vor fast 30 Jahren in einer Bielefelder Filiale der Deutschen Bank seine Karriere begonnen. Er kann schwierige Aufgaben übernehmen, was er nicht nur als Chef des Rechtsressorts bewiesen hat, sondern auch als Leiter der internen Revision. Dort musste er Interessenkonflikten in der Bank nachgehen. Er kennt die Deutsche Bank sehr gut und war auch schon im Machtzentrum der Investmentbanker, in London, jahrelang als Risikomanager tätig.

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