Der Mann liebt den Wettbewerb. Ob in Sport oder Beruf - stets will Alexander Dibelius der Erste, der Schnellste, der Beste sein. Meist gelingt es auch. Goldman Sachs - das Haus, dem der Investmentbanker in Deutschland vorsteht - behauptet sich weltweit als die Nummer eins unter den Einfädlern von Fusionen und Übernahmen. Ist Dibelius deshalb auch der wertvollste Banker im Land? Verdient er mehr als die Top-Manager aus der Industrie, die er berät?
Bisher haperte es an der Empirie für solche Urteile, im Gegensatz zur Muttergesellschaft in Amerika drangen von Goldman Sachs in Deutschland keine Zahlen nach draußen, nicht zum Gewinn, schon gar nicht zum Gehalt der Spitzenbanker.
Goldman Sachs muss jetzt Jahresabschluss veröffentlichen
Das ändert sich nun: Zum ersten Mal hat Goldman Sachs einen Jahresabschluss im Bundesanzeiger veröffentlicht. Nötig wurde dies durch einen Wechsel der Rechtsform. Die Goldmänner firmieren in Deutschland neuerdings als Aktiengesellschaft, das erhöht die Pflicht zur Publizität. Und so erfährt das Publikum, dass die goldenen Zeiten auch für sie vorerst vorbei sind: Die Krise hat die Firma durchgerüttelt. Die Provisionserträge aus Fusionen und Übernahmen seien „nochmals deutlich gesunken“, meldet Goldman Sachs Deutschland. Das Neugeschäft mit privaten Investoren bleibe „hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück“.
Und so wundert es nicht, dass auch die Gehälter absacken. Gewiss, die Investmentbanker halten Distanz zu den gesetzlichen Mindestlöhnen. Weh tut es ihnen aber doch, wenn die Bonustöpfe ähnlich leer sind wie beim Rest der Branche. Die Ausgaben für Löhne und Gehälter hat Goldman Sachs in Deutschland von 52 Millionen Euro auf 39 Millionen Euro drastisch zusammengestrichen. Da der Personalstand praktisch unverändert blieb, heißt das: Lohneinbußen um 25 Prozent. Da die 39 Millionen auf 137 Köpfe zu verteilen sind, bedeutet das wiederum: Im Schnitt verlässt jeder Goldman-Angestellte den Frankfurter Messeturm mit einem Jahresgehalt von 284671 Euro, Bonus und sonstige Annehmlichkeiten inklusive.
Wie viel mehr die drei Geschäftsführer kassieren - neben Alexander Dibelius sind dies Matthias Bock und Philip Holzer - verrät die Firma nicht. Im Gegensatz zu den Dax-Konzernen, welche die Vorstandsgehälter einzeln ausweisen müssen, entgeht die Goldman Sachs AG dieser Pflicht, da sie nicht an der Börse notiert ist.
Aus den vorliegenden Gesamtzahlen schließen Kenner der Szene das Jahresgehalt von Dibelius irgendwo unter fünf Millionen Euro - weit weg jedenfalls von den zweistelligen Millionenbeträgen, wie sie für Investmentbanker in London und New York lange Zeit üblich waren. Für 2011 hat selbst Goldman Sachs-Weltchef Lloyd Blankfein nur noch 12,4 Millionen Dollar, inklusive Boni und sonstigen Zuwendungen, eingestrichen - 35 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Da Deutschland-Chef Dibelius zwar das globale Geschäft mit Industriekunden verantwortet, aber nicht zur engsten Führung des Wall-Street-Konzerns gehört, liegt er in jedem Fall eine Klasse darunter. Dies hat zur Folge, dass ihm dem Anschein nach der Titel als „bestbezahlter Banker des Landes“ entgeht.
Dibelius hält zwar Commerzbank-Chef Martin Blessing, der lange mit 500 000 Euro abgespeist wurde (was sich 2012 ändert), auf Abstand, an einem Anshu Jain, seit Anfang Juni Co-Chef der Deutschen Bank, kommt er aber kaum vorbei. In seinen Zeiten als Chef der Londoner Investmentbanker wurden Jain höhere Gehälter als dem damaligen Chef Josef Ackermann nachgesagt, für 2011 weist die Bank 5,8 Millionen Euro Jahresbezüge aus (nach 7,6 Millionen Euro im Vorjahr).
Wie stets gilt freilich: Brutto ist nicht gleich netto, der deutsche Spitzensteuersatz kommt voll zur Geltung. Obwohl Jain wie Dibelius Immobilien in London besitzen, beglücken sie hierzulande die Finanzämter, da sie ihren Wohnsitz hier haben: Jain neuerdings in Frankfurt, Dibelius schon lange in München. Beide versteuern ihre Gehälter also in Deutschland, betonen sie. Darauf legen sie Wert. Der Ruf des Bankers als solchem ist schlecht genug.
Nun ja Park Avenue ...,
Günter Schönbauer (Teutobrecht)
- 24.06.2012, 08:55 Uhr
Nicht JEDER Banker bekommt 285.000 Euro.
Art Bleiglass (bleiglass)
- 24.06.2012, 08:07 Uhr
Bezüge, die beim Manager Einkommensteuern auslösen, senken
zugleich Unternehmenssteuern
Klaus Wege (covenants)
- 24.06.2012, 02:42 Uhr
Zulagen für's schlechte Gewissen?
Karola Schramm (Alorak)
- 23.06.2012, 22:33 Uhr
Herr Blessing wurde nicht abgespeist, im Gegenteil, er hat zu viel Geld bekommen
Walther Schmidt (silitoe)
- 23.06.2012, 22:11 Uhr