12.02.2012 · Griechenlands Zahlungsunfähigkeit dürfte ein weiteres Mal aufgeschoben werden. Dennoch ist das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum wahrscheinlicher geworden.
Von Stefan RuhkampNoch vor einem Jahr hätten die am Freitag erlebten gewalttätigen Tumulte auf Athens Straßen und verbale Ausfälle eines griechischen Regierungsmitglieds gegen die europäischen Geberländer wohl noch Angst und Schrecken auf den Kapitalmärkten ausgelöst. Doch inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Die Aktienmärkte reagierten zwar mit Kursverlusten. Doch die bewirkten gerade, dass die überwiegend freundliche Woche dann doch noch mit leichten Verlusten endete. Der Dax büßte im Wochenvergleich gut 1 Prozent auf 6.690 Punkte ein, der breiter angelegte F.A.Z.-Index verlor ebenfalls rund 1 Prozent auf 1.495 Punkte.
Auch auf dem Markt für Staatsanleihen waren die Bewegungen moderat. Nach der abermalig verschobenen Entscheidung über das Hilfspaket - ein Ereignis, das noch vor wenigen Monaten die Furcht vor Ansteckung von anderen schwachen Euroländern genährt hätte - stiegen die Risikoprämien für italienische und spanische Titel nur moderat um einige Basispunkte. Dort hat sich die Lage in den vergangenen Wochen ohnehin entspannt. Für Titel mit dreijähriger Laufzeit haben sich für einige Peripherieländer die Finanzierungskosten seit November halbiert. Keine Anzeichen von Panik also.
Dabei ist die Lage in Griechenland schlechter denn je. Wenn die Finanzminister der Euro-Gruppe das nachgebesserte Ausgabenreduzierungspaket der griechischen Regierung an diesem Mittwoch nicht gutheißen, steht der Bankrott am 20. März bevor, wenn gut 14 Milliarden Euro für die nächste fällige Anleihe fehlen werden. Dazu wird es aber wohl nicht kommen. Die meisten Investoren rechnen mit einem weiteren Hilfspaket für Griechenland und auch mit einer Umschuldung. Doch zugleich wächst die Erwartung, dass dies erstens nicht reichen wird und über kurz oder lang ein weiterer Schuldenschnitt kommen wird und dass zweitens auch ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum wahrscheinlicher geworden ist. Willem Buiter, Chefvolkswirt der Citigroup, hat gerade seine Prognose, dass Griechenland in den nächsten 18 Monaten den Euro aufgibt, von 25 auf 50 Prozent erhöht.
Nun ist die Angabe von Wahrscheinlichkeiten im Zusammenhang mit so einmaligen politischen Ereignissen etwas skurril. Aber Buiter zählt zu den profilierten Kennern der Schuldenkrise. Sowohl die zunehmenden Zweifel der Politiker in den Geberländern an Griechenlands Willen und Fähigkeit zu Reformen als auch die Erkenntnis, dass die Ansteckungsgefahren in den vergangenen zwei Jahren abgenommen haben, machten ein Ausscheiden Griechenlands zu einer akzeptablen Lösung, argumentiert Buiter.
Ein Indiz für die verringerten Ansteckungsgefahren ist der abnehmende Bestand an Kreditrisiken in den Banken außerhalb Griechenlands. Dieser Wert ist seit Ende 2009 von gut 200 auf rund 80 Milliarden Dollar gesunken. Aber nicht nur deshalb ist nach Einschätzung der Citigroup die Furcht vor einem Übergreifen auf andere Länder gesunken. Die Bereitschaft, im Fall eines Ausscheidens Griechenlands andere Länder abzuschirmen, sei bei denen handelnden Politikern in den vergangen Monaten gestiegen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit der Bereitstellung riesiger Geldsummen für eine Laufzeit von drei Jahren gezeigt, dass sie im Extremfall zu extremen Maßnahmen bereit sei.
Die Krisenpolitik der EZB wird das nächste Mal in gut zwei Wochen zum Tragen kommen, wenn das zweite der dreijährigen Finanzierungsgeschäfte auf dem Programm steht. Wie groß die Nachfrage der Banken dafür sein wird, hängt entscheidend von den Sicherheiten ab, die den schwachen Banken noch zur Verfügung stehen. Deshalb hat die EZB gerade die Anforderungen ein weiteres Mal verringert. Sieben nationale Notenbanken, darunter die französische, legen Programme für die Beleihung von Einzelkrediten auf. Dabei wird die gerade noch akzeptable Rate für die Ausfallwahrscheinlichkeit auf Sicht von zwölf Monaten von den sonst üblichen 0,4 auf 1 Prozent angehoben - in Portugal sogar auf 1,5 Prozent.
Die Menge aller Kredite, die so neuerdings als Pfand bei der Notenbank in Frage kommen könnten, wird für den gesamten Euroraum von der EZB auf 600 Milliarden Euro geschätzt. Daraus ließen sich - wegen der hohen Sicherheitsabschläge - durch Beleihung Kredite von maximal 200 Milliarden Euro erzielen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi in der vergangenen Woche. In den kommenden Tagen dürften alle finanzschwachen Banken in der Euro-Peripherie ihre Portefeuilles nach solchen Sicherheiten durchkämmen.
Die EZB hofft, mit der Lockerung das Risiko einer Kreditklemme zu verringern. Sie kann jedoch nur die Fähigkeit der Banken zur Kreditvergabe absichern. Die zuletzt sehr schwache Kreditvergabe dürfte jedoch vor allem daraus resultieren, dass es an Nachfrage mangelt. Unternehmen und Haushalte sind bemüht, ihre Verschuldung zu verringern. Zudem befinden sich große Teile Europas in der Rezession. Die Daten zum Bruttoinlandsprodukt, die am Mittwoch veröffentlicht werden, dürften einen Rückgang um 0,3 bis 0,4 Prozent im vierten Quartal 2011 aufzeigen. Freundlichere Daten könnten aus Amerika kommen, wo Analysten auf einen Anstieg der Industrieproduktion um 0,7 Prozent im Januar nach 0,4 Prozent im Dezember hoffen. Außerdem könnten am Donnerstag etwas verbesserte Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt folgen.
In Europa stehen noch vor der Entscheidung über Griechenlands finanzielle Zukunft größere Anleiheemissionen bevor. Italien will am Dienstag für sechs Milliarden Euro schon ausstehende Emissionen mit Restlaufzeiten zwischen zwei und fünf Jahren aufstocken. Zudem muss der italienische Staat für zwölf Milliarden Euro Geldmarkttitel mit Laufzeiten von weniger als einem Jahr begeben, um die Rückzahlung fälliger Titel zu finanzieren. Anders als noch vor wenigen Wochen, dürfte das wegen der verbesserten Lage auf den Kreditmärkten nicht mit größeren Schwierigkeiten verbunden sein. So haben sich die Renditen italienischer Staatsanleihen mit zwei Jahren Laufzeit seit Ende November von 7,6 auf nun rund 3 Prozent reduziert. Papiere mit fünf Jahren Laufzeit rentierten zuletzt mit 4,2 Prozent nach 7,7 Prozent im November.
Nur noch 80 Mrd. GR-Anleihen im Ausland ???
Alex Merck (AlexM3)
- 13.02.2012, 17:39 Uhr
Guinness book of records!
Joachim Schroeder (Pequod)
- 13.02.2012, 14:51 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |