TV-Kritik: Europadebatte : Europa sucht den Superstar

Überraschung: Zum ersten Mal trafen die Spitzenkandidaten der großen Parteien für die Europawahl in einer Fernsehdebatte aufeinander. Das Personal war unterhaltsamer und kultivierter als man es von TV-Diskussionen gewohnt ist.
Das allerbeste an der Fernsehdebatte europäischer Spitzenkandidaten ist bereits die Nachricht, das es sie überhaupt gibt. Zur Erinnerung: Bisher fand so etwas nicht statt. Weder gab es individuelle Gesichter für den transnationalen Wahlkampf - noch, versteht sich, eine Auseinandersetzung solcher Menschen im demokratischen Diskurs. Diese Neuerung ist nicht zuletzt möglich, weil im Zeitalter von Internet und einer heranwachsenden Generation von Postnationalisten sich die Akteure bestens auf Englisch verständigen können. Am deutschen EU-Kommissar Oettinger, der sich mit Pidgin-Gestammel international lächerlich machte, sieht man ja, dass in der Spitzenpolitik nicht einmal dies bereits selbstverständlich ist. Die Deutsche Ska Keller für die Grünen, der Belgier Guy Verhofstadt für die Liberalen, der luxemburgische Christdemokrat Jean-Claude Juncker und der deutsche Sozialdemokrat Martin Schulz hätten sich hingegen ebensogut auf Französisch oder Deutsch, verständigen können, wohingegen der ebenfalls eingeladene Linkssozialist Alexis Tsipras aus Griechenland leider in keiner Sprache mitdiskutieren wollte und fernblieb. Hatte er etwa nicht genug Schimpfvokabeln gepaukt?





