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Revolutionskunst in Bern : Quadrate, im Rückspiegel größer werdend

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Eine Doppelschau in Bern verfolgt die Einflüsse der russischen Revolutionskunst bis in die Gegenwart. Im Klee-Zentrum wird dabei der Suprematismus in seiner Wirkung ausgebreitet.

          Der russische Anarchist Michail Bakunin fand seine letzte Ruhe auf dem Bremgartenfriedhof in Bern. Und Lenin verbrachte weit über ein Jahr seines Exils in der eidgenössischen Hauptstadt, missmutig meist und vergraben in den örtlichen Bibliotheken. Keine zwingenden Gründe, aber doch immerhin zwei schöne Vorwände für diese Doppelausstellung im Kunstmuseum Bern und im vor der Stadt gelegenen Zentrum Paul Klee. Beide Häuser, die sich zueinander verhalten wie Palast und Villa, sind seit Mitte letzten Jahres unter der Leitung von Nina Zimmer zu einer Institution verwachsen und suchen nun nach Synergismus, indem sie der vertrackten Beziehung des russischen Suprematismus und des Sozialistischen Realismus zur Oktoberrevolution von 1917 nachgehen und die Spuren beider Kunstrichtungen bis in die Gegenwart verfolgen.

          Der Suprematismus, wie ihn Kasimir Malewitsch spätestens in der 1915 von ihm initiierten Gruppenausstellung „0,10“ in Petrograd und dem dort erstmals ausgestellten „Schwarzen Quadrat auf weißem Grund“ folgenreich in die Kunstgeschichte eingeführt hat, war keine politische Bewegung. Vielmehr suchte er, wie zunächst auch die Konstruktivisten Wladimir Tatlin oder Alexander Rodtschenko, die Befreiung der Künste von jedweder Instrumentalisierung; und dazu die Emanzipation vom europäischen Kubismus und Futurismus. Die Bolschewiki machten sich diesen kunstrevolutionären Impetus gern zu eigen und förderten die neue Richtung zunächst so, dass ästhetische und politische Bewegung gleichsam zum Synonym verschmolzen. Für Malewitsch aber lief diese Verpflichtung der Kunst auf gesellschaftliche Reform und politische Gestaltung seinem Bestreben nach radikalem Bruch, Loslösung von allem Gegenständlichen und ästhetischer Selbstbesinnung grundsätzlich zuwider.

          Deklarierung der Farbe zur Form

          Im Klee-Zentrum wird der Suprematismus, der zunächst drohte als Episode in die Geschichte der Kunst einzugehen, in seiner schier weltumspannenden Wirkung ausgebreitet. Die nach Ort und Zeit gegliederten Stationen der Ausstellung machen, in glänzend sortierter Auswahl (darunter viel Ungesehenes), in geschickten Koppelungen, klugen Blickachsen und unkorrumpierbarer Ernsthaftigkeit, deutlich, welch immenser, auch sinnlicher Reichtum sich aus der Reduktion ergibt – wie fruchtbar man von dem von Malewitsch anvisierten Nullpunkt immer wieder hat ausgehen, wie dieser sogar hat hintergangen werden können.

          Fünfzehn Kabinette führen vor, wie das ästhetisch-konstruktive Agieren mit geometrischen Formen und die Deklarierung der Farbe zur Form unmittelbar im Weimarer Bauhaus aufgegriffen wurden und in der niederländischen Gruppierung De Stijl einen Widerhall fanden. Davon stark beeinflusst zeigte sich dann die „Zürcher Konkrete“ um Max Bill in den dreißiger Jahren ebenso wie die sich dem bald vorherrschenden Surrealismus entgegenstemmende Pariser Künstlervereinigung Abstraction-Création, und von dort aus die südamerikanische Avantgarde um Joaquín Torres-García in Uruguay oder Waldemar Cordeiro in São Paulo.

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