Reform des ÖRR : ARD und ZDF stellen drei Spartenkanäle ein – und dann?

Drei lineare Minikanäle von ARD und ZDF fallen bald weg. Ihr Fehlen dürften wenige bemerken, gespart wird dadurch kaum, und eine Strategie ist bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht zu erkennen. Es mangelt an Grundsätzlichem.
Eigentlich wollten ARD und ZDF in diesem Monat auf einer Pressekonferenz verkünden, welche Inhalte künftig die gemeinsamen Spartenangebote bieten, was erhalten bleibt, was sich verändert. Doch diese Veranstaltung fällt aus, weil man sich offenbar über die Kostenverteilung nicht einigen konnte. Im März hatte ZDF-Intendant Norbert Himmler im Gespräch mit dem Mediendienst „dwdl“ vollmundig erklärt: „Wir haben schon vorher intensiv und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Die Arbeit an der Zukunft der Kanäle hat unsere Partnerschaft noch einmal vertieft.“ Beim Geld hört aber anscheinend das Vertrauen auf.
Keine Revolution und kein Kahlschlag
Die Reform der Spartenkanäle ist weder eine „Revolution“ noch ein „Kahlschlag“, wie vereinzelt zu lesen war. Gegenwärtig bieten ARD und ZDF zehn Partner- und Spartenkanäle an, drei davon soll es vom 1. Januar 2027 an nicht mehr geben: ARD One, Tagesschau24 und ARD-Alpha werden eingestellt, ihre Reichweite betrug weniger als ein Prozent. Bei zwei Kanälen arbeiten ARD und ZDF jetzt zusammen: ZDFneo wird stärker als Sender für jüngere Erwachsene profiliert. Das Dokumentationsangebot gibt es künftig bei ZDFinfo. Phoenix wird nachrichtlicher, behält aber den hohen Anteil an Live-Berichten bei. Spätestens ab Januar 2029 sendet ZDFneo nur noch nonlinear, und bis zum 1. Januar 2033 werden der Kinderkanal Kika, funk, ZDFinfo und Phoenix nicht mehr linear verbreitet. Für Arte und 3sat ist der Zeitpunkt des digitalen Umstiegs noch nicht entschieden, da hier andere europäische Staaten mitentscheiden. Zudem sinkt die Zahl der Hörfunksender ab Anfang nächsten Jahres von rund 70 auf maximal 53 Programme. Gestrichen werden fast nur DAB+-Programme, mit relativ wenigen Hörern.
Die Reduzierung der Programme gibt der Medienstaatsvertrag vor. Die Länder haben die Hoffnung, dass „erheblich Mehrfachstrukturen abgebaut und das öffentlich-rechtliche Informations- und Bildungsangebot durch die Bündelung der vorhandenen Ressourcen um ‚Leuchttürme‘ angereichert“ werden. Der „Abbau der Mehrfachstrukturen“ ist auch mit der Erwartung verbunden, dass die Kosten sinken.
Das ist jedoch mehr als fraglich. Der Privatsenderverband Vaunet spricht sogar von einer Mogelpackung. Die drei TV-Kanäle, die vom 1. Januar an nicht mehr zu empfangen sind, kosten laut Berechnung der Beitragskommission KEF jährlich 31 Millionen Euro. Fallen sie weg, beträgt die jährliche Einsparung – bei Gesamteinnahmen von jährlich 10,4 Milliarden Euro – 0,298 Prozent für ARD und ZDF. Die KEF hatte den Spareffekt schon in einem Sonderbericht von 2024 selbst relativiert: „Eine mögliche Einsparung bei Einstellung einzelner Programme“ umfasse „nicht vollständig den dargestellten Gesamtaufwand der Partner- und Spartenprogramme“. Die Selbstkosten beinhalteten Positionen, die nur langfristig abbaubar seien, und „Gemeinkosten“, die „als Umlagen verrechnet werden und nicht proportional abbaubar sind“. Ein konkretes Sparpotential für den Zeitraum 2025 bis 2028 lasse sich nicht benennen.
Obwohl ARD und ZDF gegenwärtig mit spitzem Bleistift rechnen, können auch sie auf Anfrage der F.A.Z. keine exakte Summe nennen. „Mit der Aufgabe einzelner Sender sind selbstverständlich auch Einsparungen verbunden. In welcher konkreten Größenordnung sich diese bewegen werden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht abschließend beziffern“, sagt eine ARD-Sprecherin. Das ZDF will „die von den Ländern vorgegebenen Reformen dazu nutzen, Strukturen und Kosten weiter zu optimieren“, heißt es lapidar.
Ein zweiter Aspekt ist indes ebenso wichtig wie das Kostenmanagement. In den bisherigen Äußerungen des ARD-Vorsitzenden oder des ZDF-Intendanten oder in Presserklärungen spielt er bislang keine Rolle: Die Sender müssen für Kika, funk und ZDFneo, die Nutzer bis über 30 Jahre erreichen, eine Strategie entwickeln. Sie sollen, so heißt es in der Begründung des Medienstaatsvertrags, durch eine „portfoliostrategische Klammer“ verbunden werden, um zu verhindern, dass die Zuschauer als Erwachsene mittleren Alters ARD und ZDF verloren gehen. Das Durchschnittsalter der ZDF-Zuschauer liegt gegenwärtig bei 65, das der ARD bei 64 Jahren. Die Älteren haben die Öffentlich-Rechtlichen, für die Jüngsten und Jüngeren machen sie Angebote, doch dazwischen klafft eine Lücke. Die „Abbrüche“ in der Nutzung des ÖRR durch jüngere Menschen gelte es, in den Blick zu nehmen.
Es ist also nicht damit getan, die Zahl der Programme so zu reduzieren, dass die „Verluste“ für ARD und ZDF so gering wie möglich ausfallen. Der Staatsvertrag verlangt ein gemeinsames Konzept, mehr Tempo bei der Digitalisierung und eine Einsparung an Beitragsmitteln. Veränderungen um der Veränderung willen sind nicht gefragt. Ein Vorteil für alle Zuschauer und Beitragszahler ist bei der Angebotsreduzierung bisher leider nicht zu erkennen.





