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Eine Angehörige erzählt Mein Freund ist in Afghanistan

Deutsche Soldaten sind in unterschiedlichen Ländern der Welt im Krieg. Für die Angehörigen heißt das, dass ein geliebter Mensch vielleicht sehr verändert oder vielleicht gar nicht mehr zurückkehren wird.

© dpa Vergrößern Schatten eines Bundeswehrsoldaten auf einer Lehmwand bei Kunduz

Bevor mein Freund ging, trug er in seine Lebensversicherung meinen Namen ein. In das Formular, in dem man angeben muss, wer im Falle seines Todes oder einer Schwerstverletzung als Erster benachrichtigt werden soll, setzte er den Namen seiner Schwester. Er wollte nicht, dass ich erleben muss, was dann passiert: Es läutet an der Tür, man öffnet, und ein uniformierter Soldat steht da, in Begleitung eines Pfarrers. Treffen sie niemanden zu Hause an, fahren sie zur Arbeitstelle der zu benachrichtigenden Person. Seine Schwester würde mich deshalb anrufen, sollte er schwer verletzt oder getötet werden. Seit fast sieben Monaten kann das eigentlich jeden Tag passieren. So lange ist mein Freund weg. Er ist Soldat in Afghanistan.

Ich erzähle das nicht oft. Es gibt eine Szene in Deutschland, die es lustig findet, die Adressen der Angehörigen von Soldaten im Einsatz herauszufinden, anzurufen und zu sagen: Ihr Mann ist erschossen worden. In fast jedem Kontingent, das in den Einsatz geht, kommt das vor. Erzähle ich hingegen, was mein Freund macht, dann merke ich innerhalb von Sekunden, ob ich das Gespräch weiterführen will. Die Reaktion ist entweder anteilnehmendes Interesse oder Ablehnung, manchmal sogar Feindseligkeit: Soldaten sind Mörder. Mein Freund hat noch nie jemanden getötet. Es wäre sehr schlimm für ihn. Würde er jemanden töten, dann müsste er sich in Deutschland vor einem zivilen Gericht dafür verantworten. Die Richter würden entscheiden, ob er aus Notwehr gehandelt hat oder ob er ein Mörder ist. Er hingegen darf getötet werden. Für Soldaten gilt das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit nur eingeschränkt.

Eine Schutzweste wäre eine Beleidigung für die Afghanen

Mein Freund gehört zu einem Team der Bundeswehr, das im Norden Afghanistans die afghanische Armee ausbildet, damit sie eines Tages stark genug ist, um sich ohne fremde Hilfe gegen die Taliban zu wehren. Es bedeutet, dass er und die anderen Soldaten jeden Morgen in einem Eagle, einem gepanzerten Fahrzeug, in das Camp der Afghanen fahren. Zehn Kilometer sind es dorthin. Das ist, wenn man deutsche Maßstäbe anlegt, nicht weit, dort aber schon. Die Aufständischen wissen meistens, welche Route die Isaf-Einheiten nehmen. An einer Straße, die tags zuvor noch sicher war, können über Nacht Sprengfallen angebracht worden sein. Fährt der Eagle drüber, explodieren sie. Manche Sprengfallen werden auch per Handy ausgelöst. Egal wie, es kommt vor. Mein Freund trägt Ohrstöpsel, damit in einem solchen Fall sein Trommelfell nicht zerreißt. Damit seine Hände nicht verbrennen, trägt er spezielle Handschuhe. Damit keine Splitter in seinen Oberkörper eindringen, eine Schutzweste. Er trägt keinen Helm, denn wenn sich der Eagle überschlägt, kann es vorkommen, dass der Helm verrutscht und dem Soldaten das Genick bricht.

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