Kommentar : Klassenkämpferin Clinton

Hillary Clinton hat einen Fünf-Punkte-Plan für die Wirtschaftspolitik vorgestellt. Es ist zwar nicht so radikal wie viele der Vorschläge des selbsterklärten Sozialisten Bernie Sanders. In die Mitte bewegt sie sich damit allerdings nicht.
Amerikanische Präsidentschaftswahlen haben zwei Phasen. Die Vorwahlkämpfe sind oft die Zeit, in der sich die Kandidaten zu extremen Positionen hinreißen lassen. Republikaner zeigen sich besonders konservativ, Demokraten besonders linksliberal. Wenn die Kandidaten der Parteien feststehen, wird die Sprache gemäßigter, um die Wechselwähler zu gewinnen.
Sowohl bei den Demokraten als auch den Republikanern ist so gut wie ausgemacht, wer als Kandidat nominiert wird. Aber Hillary Clinton, die für die Demokraten ins Rennen gehen dürfte, ist noch nicht so weit, sich in die Mitte zu bewegen. Das hat sie nun mit der Vorstellung ihres Wirtschaftsprogramms unterstrichen.
Zwar bekam auch ihr voraussichtlicher republikanischer Rivale Donald Trump sein Fett ab, aber noch stärker schien ihre Rede von Bernie Sanders geprägt zu sein, mit dem sie sich einen erbitterten Vorwahlkampf geliefert hat. Was sie über Steuervermeider oder Wall-Street-Banken sagte, war eine nur leicht abgemilderte Form dessen, was auch von Sanders zu hören ist.
Clinton weiß, dass sich unter den Sanders-Anhängern viele Animositäten gegen sie aufgestaut haben. Sie hat ihnen jetzt abermals die Hand gereicht.




