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Wahl in Amerika : Wer wird Clintons Vizekandidat?

  • -Aktualisiert am

Hillary Clinton hat eine Entscheidung zu treffen: Wer wird neben ihr auf dem Wahlzettel stehen? Bild: AFP

Die Präsidentschaftsnominierung der Demokraten hat Hillary Clinton so gut wie sicher – nun braucht sie einen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten. Wer könnte es werden? Eine Übersicht.

          6 Min.

          Von ihren Parteigenossen bekam Hillary Clinton selten so viel Lob wie in den vergangenen Tagen. „Lieber Gott, Hillary Clinton, du gibst der Liebe einen guten Namen“, sagte Cory Booker, Senator aus New Jersey, Anfang des Monats in Anspielung an den Klassiker von Jon Bon Jovi. „Ich werde mit ganzen Herzen in diesen Kampf einsteigen und Hillary Clinton helfen, die nächste Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden“, versprach Elizabeth Warren, Senatorin aus Massachusetts. So mancher Parteifreund, wie Tim Ryan, lud Clinton bereits auf ein Bier ein und stieß dann vor versammelter Presse auf sie, die „nächste Präsidentin der Vereinigten Staaten“, an.

          Die ungewöhnlich hohe Dichte an Lobgesängen auf Clinton zeigt: Das Rennen um die Vizepräsidentschaftskandidatur ist eröffnet. Seit einigen Tagen trifft sich Clinton immer wieder mit potentiellen „running mates“, wie die Vizekandidaten in den Vereinigten Staaten genannt werden. Nun sollen diese laut „New York Times“ von Mitarbeitern des Wahlkampfteams genau unter die Lupe genommen werden.

          Eine Vorauswahl an Kandidaten gibt es wohl auch schon – das „Wall Street Journal“ veröffentlichte die Liste am Mittwoch. Seitdem wird in den amerikanischen Medien wild spekuliert. Wir haben hier eine Übersicht zusammengestellt, wer in Frage kommt, und wer nicht.

          Bernie Sanders

          Bernie Sanders und Clinton bei der TV-Debatte im April.

          Noch ist Sanders, der 74 Jahre alte Senator aus Vermont, offiziell Clintons Gegenkandidat im Vorwahlkampf der Demokraten, obwohl sie die nötigen Delegierten für die Nominierung bereits gewonnen hat. Der linke Flügel der Partei steht noch immer hinter dem erklärten Sozialisten. Die Demokraten sind tief gespalten.

          Was für ihn spricht: Eine Nominierung Sanders als Vizepräsidentschaftskandidaten könnte die Partei einen. Sanders hat eine breite Basis an Unterstützern, die sich im Wahlkampf stark gegen Clinton ausgesprochen haben. Die Unterstützung dieser Politiker braucht Clinton dringend für den Kampf gegen Donald Trump, dem designierten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Auch scheint Sanders im Duell gegen Trump Umfragen zufolge gute Karten zu haben. Er könnte Clinton im Kampf um die Präsidentschaft gut unterstützen.

          Was gegen ihn spricht: Sanders hat Clinton im Wahlkampf immer wieder stark angegriffen, ihr vorgeworfen, sie lasse sich zu sehr von ihren Unterstützern an der Wall Street beeinflussen. Nun soll er gemeinsam mit ihr bei der Wahl antreten? Obwohl beide Demokraten sind, haben Clinton und Sanders doch sehr unterschiedliche Vorstellungen. Sie gilt als moderat, er als links. Am Dienstag haben sich die beiden zu einem privaten Gespräch in Washington getroffen, auch danach gab Sanders seine Kandidatur allerdings nicht auf. Auf der Liste des „Wall Street Journal“ tauchte er nicht auf. Seine Nominierung gilt als unwahrscheinlich.

          Elizabeth Warren

          Trump nennt sie doof, sie nennt ihn dafür einen „Geschäftemacher“: Senatorin Elizabeth Warren.

          Seit 2013 ist Warren Senatorin in Massachusetts, sie hat damals in einem spektakulären Wahlkampf den Sitz von den Republikanern für die Demokraten zurückerobert. In ihrem Bundesstaat erfreut sich die Politikerin großer Beliebtheit. In einer Umfrage im Mai gaben sich 62 Prozent der Befragten aus Massachusetts zufrieden mit ihrer Arbeit als Senatorin. Sie zählt, wie Sanders, zum linken Flügel der Partei und äußerte sich in der Vergangenheit immer wieder kritisch gegenüber der Wall Street.

          Was für sie spricht: Warren könnte der Kompromiss zwischen Sanders und Clintons Unterstützern sein und die Partei einen. Auch ist sie eine der stärksten Trump-Gegnerinnen in Amerika. Erst am Sonntag griff sie ihn scharf an, sagte, dass Trump nur ein kleiner, verunsicherter Geschäftemacher sei, der sich für nichts und niemanden interessiere, das nicht den Namen „Trump“ trage. Laut einer Umfrage des TV-Senders „Bloomberg“ halten die Amerikaner Warren für Clintons beste Wahl. Vor einigen Tagen haben sich Clinton und Warren bereits getroffen und unterhalten – sie gilt als heißeste Kandidatin für die Vizepräsidentschaftsnormierung.

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