Juliana Scherrmann im Interview : „Die Verbindung aus emotionalen Momenten, Sichtbarkeit und spürbarer Leistung macht die Marke stärker“

1908 gegründet, war Mewa als Unternehmen für Betriebstextilien lange in der öffentlichen Präsenz zurückhaltend. Für Juliana Scherrmann, Senior Manager Strategic Product Portfolio & Market Development, reicht das heute auch für eine B2B-Marke nicht mehr aus.
Der Auslöser war die Erkenntnis, dass auch im B2B hervorragende Leistung allein nicht automatisch wahrgenommen wird. Mewa war über Jahrzehnte sehr stark darin, zuverlässig im Hintergrund zu arbeiten, und eher zurückhaltend darin, darüber zu sprechen. In einem Markt, in dem Entscheider Angebote vergleichen, Empfehlungen folgen und Marken wiedererkennen müssen, wird Bekanntheit aber zur Voraussetzung dafür, überhaupt in Betracht gezogen zu werden. Für uns bedeutete das: Wir mussten sichtbarer machen, wofür Mewa steht, und zwar über einzelne Leistungen hinaus. Denn wer im entscheidenden Moment nicht erinnert wird, kommt trotz starker Sub-stanz möglicherweise gar nicht erst auf die Shortlist der Entscheidungen.
Die Mewa Arena ist sicher unser sichtbarstes Zeichen für diesen Schritt zu mehr Öffentlichkeit. Aber Präsenz allein macht noch keine relevante Marke. Entscheidend ist, wofür diese Sichtbarkeit steht. Wir wollen Mewa dort erlebbar machen, wo Menschen Emotionen teilen, also im Sport, auf Veranstaltungen, in Begegnungen mit Kunden. Gleichzeitig entsteht emotionale Relevanz im B2B oft sehr viel leiser, und zwar durch Verlässlichkeit, Entlastung und das Gefühl, dass der eigene Alltag einfacher wird. Diese Verbindung aus emotionalen Momenten, Sichtbarkeit und spürbarer Leistung macht die Marke stärker. Für uns ist das Sportsponsoring ein erfolgreiches Mittel, neue Kunden zu gewinnen, aber auch Bestandskunden zu pflegen.
Ein Mewa-Moment entsteht für uns, wenn ein Kontaktpunkt zuverlässig das einlöst, was unsere Marke verspricht. Das kann ein besonderes Kundenevent sein, aber genauso die erste Beratung, eine Anprobe, eine Lieferung, ein Gespräch mit dem Servicefahrer oder eine schnelle Lösung, wenn einmal etwas nicht wie geplant läuft. Gerade im Alltag zeigt sich der Charakter einer Marke. Der Kunde erwartet dann keine große Inszenierung, sondern dass jemand zuhört, Verantwortung übernimmt und eine Lösung findet. Deshalb fragen wir nicht nur: Wie begeistern wir Kunden? Sondern auch: Was können wir ihnen ersparen – eine Rückfrage, eine Unsicherheit, unnötigen Aufwand?
Wir sehen KI nicht als Gegensatz zur menschlichen Beziehung, sondern als weiteren Zugangspunkt zur Marke. B2B-Kunden informieren sich zunehmend selbständig, vergleichen Anbieter digital und nutzen generative KI. Deshalb müssen unsere Informationen auffindbar, klar strukturiert und verständlich sein und das für Menschen ebenso wie für digitale Systeme. Gleichzeitig bleibt bei wichtigen Entscheidungen das Bedürfnis nach Einordnung und Sicherheit. Technologie kann Komplexität reduzieren und Orientierung geben. Vertrauen entsteht aber vor allem dort, wo Menschen Kontext verstehen, Verantwortung übernehmen und Entscheidungssicherheit schaffen. Der Mensch ist für uns also weiterhin der entscheidende Faktor für unsere Marke.


