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Edelmetall im digitalen Wandel :
Altes Gold, neue Infrastruktur

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Alexander Betz bei seiner Keynote „The Gold Will Hold: Tradition ist kein Erbe, sondern ein Mandat“
Alexander Betz bei seiner Keynote „The Gold Will Hold: Tradition ist kein Erbe, sondern ein Mandat“Jonas Ratermann

Seit Juni führt Alexander Betz die Degussa Group Deutschland. Er will den traditionsgeprägten Goldhandel digital zugänglicher machen und zugleich mit persönlicher Beratung und dem Kauf vor Ort verbinden.

Dieser Goldbarren wiegt ein Kilo. Er hat kein Passwort, keine App. Er braucht auch keinen Rettungsschirm. Er ist seit über 5000 Jahren die ultimative Substanz.“ Mit diesen Sätzen beginnt Alexander Betz, CEO der Degussa Group Deutschland, seine Keynote. Der beschriebene Goldbarren mit einem Marktwert von etwa 125.000 Euro wandert währenddessen durch die Reihen des Publikums. Schwer, greifbar und unmittelbar steht er für Betz’ zentrale These für die Modernisierung des Goldhandels: „Wir erfinden nicht die Sub-stanz neu. Also keine Verschlimmbesserung.“ Sein Leitgedanke: „Physisches Gold. Digital gesteuert.“ Nicht das Produkt, sondern der Zugang dazu müsse moderner und digitaler werden.

Physisches Gold mit digitalem Zugang

Betz bringt drei Jahrzehnte Erfahrung mit Investmentstrukturen mit, darunter Fonds und Sachwerte wie Immobilien und Infrastruktur. Die Finanzkrise von 2008 prägte seinen Blick auf komplexe Konstruktionen. Rechtliche, regulatorische und finanzielle Konstruktionen hätten Versprechen nicht immer eingelöst, obwohl werthaltige Anlagen dahinterstanden. „So manches Versprechen war vielleicht nicht einmal das Papier wert, auf dem es stand“, so Betz.

Dem stellt der Degussa-Chef physisches Gold gegenüber: Ja, ein Preisrisiko bleibe bestehen. Gold sei kein schwankungsfreier Vermögenswert. Doch wer echtes Eigentum an physischem Metall erwirbt, schaltet das Emittentenrisiko aus – jenes Ausfallrisiko der Banken, das 2008 die Märkte erschütterte. Die Besonderheit liege darin, dass Edelmetall nicht von einer komplexen Finanzstruktur abhängen müsse, um seine Substanz zu behalten.

Dieser Wert trifft nun auf veränderte Erwartungen an die Geldanlage. Kunden wollen sich einfach und schnell informieren sowie ihre Bestände per Klick rund um die Uhr digital überblicken und steuern. Degussa reagiert darauf mit einer dreigeteilten Infrastruktur: persönlicher Kundenservice, digitale Plattform für die Verwaltung sowie physisches Gold mit Transport und Verwahrung. Das Metall selbst werde dadurch nicht digitalisiert; digitalisiert würden die Abläufe rundherum. Betz: „Die Mehrheit unserer Klienten informiert sich zunächst online. Der Klick ist der Einstieg. Aber der Abschluss passiert dort, wo man Substanz anfassen kann, in unseren Niederlassungen. Wir verbinden das Physische, persönliche Beratung und haptisches Erleben, mit einer modernen, digitalen Customer Journey.“

Vertrauen muss sich im Betrieb bewähren

Die neue Infrastruktur soll auch auf die Reputation des Unternehmens einzahlen. Vertrauen entstehe im Edelmetallgeschäft nicht allein durch Kommunikation, sondern ebenso durch Sicher-
heitsstandards, Prozesse und nachvollziehbare Abläufe, sagt Betz. „Reputation ist in unserem Geschäft das A und O.“

Dazu gehört für ihn eine nüchterne Information über Edelmetalle. Degussa wolle sich von Mythen und überzogenen Versprechen distanzieren und wissenschaftlich fundierte Grundlagen schaffen. Ein Research Center, das gemeinsam mit einer Universität entsteht, soll diese Ausrichtung unterstützen.

Auch den Namen Degussa versteht Betz als Verpflichtung. Die heutige Degussa Group ist keine Rechtsnachfolgerin des historischen Degussa-Konzerns. Den Namen habe man bewusst gewählt. Er stehe für Qualität, Reputation und Substanz – ein Anspruch, der sich in der Gegenwart bewähren müsse. Seine Schlussformel fasst dies zusammen: „Finanzprodukte kommen und gehen. The Gold Will Hold.“

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