4. Corporate Diversity Summit : Break the Bias – Inklusion am Arbeitsmarkt

Was hält Unternehmen davon ab, Menschen mit Behinderung einzustellen? Aktuelle Zahlen und Lösungen für Hürden.
Trotz gesetzlicher Vorgaben erfüllen 25 Prozent der Unternehmen in Deutschland die Pflicht nicht, mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung zu besetzen. Die Folge: Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Beeinträchtigung ist doppelt so hoch wie die von Nichtbehinderten – rund 200.000 Betroffene sind derzeit ohne Arbeit, Tendenz steigend. Besonders alarmierend: Die Wahrscheinlichkeit, in die Langzeitarbeitslosigkeit zu rutschen, ist zusätzlich besonders hoch.
Die Statistik umfasst aktuell vor allem Menschen mit körperlicher Behinderung. „Wir haben als Gesellschaft noch viel zu tun“, betont Heike Strack, Geschäftsführerin bei der Bundesagentur für Arbeit, und verweist auf ein zentrales Problem: Viele Menschen mit seelischen oder geistigen Beeinträchtigungen lassen ihre Schwerbehinderung aus Angst vor Stigmatisierung nicht anerkennen. Gleichzeitig steigt die Zahl der psychischen Erkrankungen – auch unter jungen Menschen. „Was mir wirklich Sorge macht, sind die Schülergenerationen während Corona. Dieses Thema wird sich auf den Arbeitsmarkt auswirken“, warnt Strack.
Die meisten Sorgen sind unbegründet
Viele Unternehmen zögern, Menschen mit Behinderung einzustellen, doch die häufigsten Bedenken kann Strack schnell entkräften – für alles andere gibt es Hilfsangebote. Der Unsicherheit im Umgang mit Menschen mit Behinderung könne man mit Schulungen Abhilfe schaffen, die Wissen vermitteln und Vorurteile abbauen, mangelnde Bewerbungen ließen sich durch aktive Ansprache lösen. Auch der befürchtete Bürokratieaufwand schreckt viele ab, doch hier könnten Unterstützungsangebote der Bundesagentur für Arbeit Abhilfe schaffen. Auch finanzielle Faktoren, die beispielsweise durch den Umbau von Arbeitsplätzen anfallen, werden gefördert. Ebenso seien Menschen mit Behinderung nicht häufiger krank, und auch eine weitere Sorge kann Strack nehmen: „Ja, die Menschen sind belastbar – und zusätzlich sehr engagiert und loyal.“
Ein besonderes Angebot, das laut Strack viel zu wenigen bekannt ist, ist das Budget für Arbeit, das Menschen, die aufgrund der Schwere ihrer Beeinträchtigung in Werkstätten tätig sind, die Chance auf einen regulären Arbeitsplatz bietet. Arbeitgeber profitieren von einem Lohnkostenzuschuss von bis zu 75 Prozent, der dauerhaft genutzt werden kann – abhängig von Art und Schweregrad der Behinderung. Weiterhin besteht jederzeit die Möglichkeit für die Menschen, erneut in die Werkstätten zurückzugehen. Auch die umfassende sozialpädagogische Betreuung während des Einsatzes wird sichergestellt. Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zu dem Thema finden sich in Werkstätten oder in den Agenturen für Arbeit.
„Menschen mit Behinderung bringen wertvolle Fähigkeiten in Unternehmen ein, erweitern Perspektiven und fördern Diversität. Inklusive Teams stärken das Betriebsklima“, betont Strack zum Abschluss. Sie unterstreicht, dass die Angst, etwas falsch zu machen, unbegründet sei, stattdessen könne man viel voneinander lernen. Ihr Appell: „Inklusion ist kein Extra, sondern sollte eine Selbstverständlichkeit für uns alle sein! Nutzen Sie das Potential.“


