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Kohleausstieg : Alles muss seinen Preis haben

Hinter dem Kohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen geht die Sonne auf. Bild: dpa

Der Kohleausstieg droht zur reinen Symbolpolitik zu verkommen – und kostet große Summen. Dabei gibt es viel sinnvollere Instrumente, um effizienter und günstiger CO2 einzusparen. Eine Analyse.

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          Wie so oft in der jüngeren Geschichte könnte Amerika den Stein ins Rollen bringen. In einem gemeinsamen Appell bekennen sich mehr als dreitausend Ökonomen zur Forderung, eine CO2-Steuer einzuführen. Nicht nur Nobelpreisträger wie Robert Solow oder Daniel Kahneman und die früheren Notenbankchefs Alan Greenspan und Ben Bernanke, selbst der Ölriese Exxonmobil schließt sich der Idee an, Kohlendioxid als sogenanntes Treibhausgas zu bepreisen und seinen Ausstoß auf diese Weise effizient einzudämmen. Der Clou: Das über die Steuer eingenommene Geld soll eins zu eins an die Bevölkerung zurückfließen. Wer aber viel CO2 verbraucht, zahlt drauf. Vorerst dürfte der Vorstoß im skeptischen Weißen Haus enden. Donald Trump blockt das wohl ab.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hierzulande wird der Kampf gegen den Klimawandel und für einen schnellen Kohleausstieg von Umweltgruppe indes immer vehementer geführt. Doch ist das bislang eine sehr deutsche Angelegenheit. Der Kreis der Nachahmer ist überschaubar, wie der Blick auf den globalen Kohlemarkt zeigt. So erreichte der Verbrauch nach Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) 2018 vielerorts neue Höchststände: Sei es in Pakistan, den Philippinen, in Brasilien und der Türkei, vor allem aber in China und Indien. Frühestens Anfang der 2020er Jahre ist in den beiden bevölkerungsreichsten Ländern mit einer Trendwende zu rechnen, schreibt die IEA. Weil kein Energieträger bei der Verbrennung vergleichbar viel CO2 freisetzt, geht der globale Kohleboom mit stark steigenden Emissionen einher. Einschließlich anderer Treibhausgase wie Methan haben sie zuletzt den Rekordwert von 50 Milliarden Tonnen im Jahr erreicht; Deutschlands Anteil beträgt mit 0,9 Milliarden Tonnen knapp 2 Prozent.

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