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Zu klein : Am Hauptstadtflughafen wird jetzt improvisiert

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Sieht groß aus, könnte trotzdem zu klein sein: Der Hauptstadtflughafen. Bild: dpa

Lange wurde vor Größenwahn gewarnt. Nun ist der Hauptstadtflughafen zu klein. Mehdorn muss improvisieren und plant schon Anbauten. Dem Architekten gefällt das gar nicht.

          Der Wind fuhr wild durch das weiße Haar des Architekten, doch seine Laune war prächtig. „Wir haben es hier mit einer Puppenstube zu tun, und wir ziehen um in einen großen Palast“, schwärmte Meinhard von Gerkan, den überlasteten Berliner Flughafen Tegel im Rücken. Das war im Juni 2011, in Erwartung des baldigen Umzugs zum neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld, den Gerkans Büro entworfen hat. Daraus wurde und wird erstmal nichts, und wenn Gerkan eines Tages wirklich mal vor seinem „Palast“ landet, wird er vielleicht seinen Augen nicht trauen: Seinem Terminal will Hartmut Mehdorn Anbauten, Interimsbauten und allerlei Provisorien zur Seite stellen. Der Flughafenchef muss die alten Pläne über den Haufen werfen – denn inzwischen überholt die Wirklichkeit den „modernsten Flughafen Europas“. So haben ihn die Betreiber einst beworben.

          28 Millionen Passagiere werden in diesen Jahr von und nach Berlin geflogen sein. Unterm Strich wächst der Andrang auf den bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld seit Jahren stets um gut vier Prozent, weshalb die Flughafengesellschaft im laufenden Geschäft auch gut verdient. Und sie erwartet, dass es jahrelang so weiter geht. Es gibt nur ein Problem: In den neuen drittgrößten deutschen Flughafen, dessen Fertigstellung immer noch in den Sternen steht, würden nur 27 Millionen Passagiere passen. Abzüglich eines Sicherheitspuffers von 25 Prozent fürs erste Betriebsjahr sind es nicht mal 22 Millionen.

          Eine Fehlplanung? Ganz so einfach ist es nicht. In der mehr als 20-jährigen Planungs- und Baugeschichte gab es genug Zeigefinger, die sich vor „Größenwahn“ warnend hoben. Als dann die Passagierzahlen doch stärker anzogen als gedacht, wurde eilig nachgesteuert, der Bau auch nach dem ersten Spatenstich 2006 erweitert. Und zwar ohne die Haustechnik neu zu konzipieren, worin die Wurzel der heutigen Brandschutzprobleme liegt. Was also tun? Mehdorn will schon jetzt den Ausbau planen, und zwar ziemlich pragmatisch. Beweisen schon sein neuer Sprinkler-Wassertank vor dem Terminal und künftig zwei neue Schornsteine im filigranen Dach der Abfertigungshalle, dass ihm der Entwurf der Architekten wenig bedeutet, plant er jetzt den Anbau.

          Dem streng symmetrischen Komplex mit feingliedrigen Säulengängen wird auf einer Seite ein weiteres, weitgehend eigenständiges Terminal für acht bis zehn Millionen Passagiere hinzu gestellt – jedenfalls wenn der Aufsichtsrat mitzieht. Dann würde auch jenseits der Landebahn ein Interimsbau entstehen, in dem die Regierung ihre Staatsgäste in Empfang nimmt, und nebenan würde der in die Jahre gekommene frühere DDR-Zentralflughafen Schönefeld aufgehübscht, damit man dort vorübergehend noch einchecken kann. Erst Jahre später könnten wegen der langen Planungszeit die von Gerkans Leuten eigentlich geplanten Terminal-Satelliten kommen.

          Das Konzept des Flughafens unter einem Dach ist erstmal passé. Statt eines architektonisch durchkomponierten „Palastes“ sähen Kritiker im Terminal und seinem Umfeld vielleicht „Vereinigte Hüttenwerke“. So wurde der Flughafen Tegel gern verspottet, wegen seiner notdürftigen Erweiterungen durch kleine Zusatz-Terminals. Meinhard von Gerkan, befragt zu den Problemen in Schönefeld, gab kürzlich zu Protokoll: „Ich bin trotzdem guter Hoffnung, dass dieser Flughafen, wenn er fertig ist, ins Herz der Berliner wächst.“

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