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Freundschaftstest : Trump macht Apple Hoffnung

Der amerikanische Präsident Donald Trump gemeinsam mit Apple-Chef Tim Cook in einem Computerwerk in Austin, Texas Bild: AP

Tim Cook empfängt den Präsidenten zum Fototermin in einem Computerwerk in Texas. Dieser nützt die Kulisse für Attacken gegen seine politischen Gegner – und signalisiert, dass Apple von Strafzöllen verschont werden könnte.

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          Am Tag, an dem die Impeachment-Anhörungen in Washington mit der Aussage von Gordon Sondland, dem amerikanischen Botschafter für die Europäischen Union, einen neuen Höhepunkt erreicht haben, hat Donald Trump die Stadt für einen erfreulicheren Termin verlassen: Er kam am Mittwochnachmittag im texanischen Austin an, um Tim Cook zu treffen, den Vorstandsvorsitzenden des Elektronik-Konzerns Apple. Cook führte ihn dort durch ein Werk, in dem die neue Version des MacPro produziert wird.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das ist ein Luxuscomputer mit einem Startpreis von 6000 Dollar – verglichen etwa mit dem iPhone ein Nischenprodukt für Apple – aber in ihm steckt eine gewaltige Symbolik. Denn er ist das einzige bedeutende Apple-Gerät, das im amerikanischen Heimatmarkt gefertigt wird. Und erst kürzlich hat das Unternehmen entschieden, dass das wie bei der alten auch bei der neuen Generation des Rechners der Fall sein wird – nachdem es zuvor Berichte gegeben hatte, die Produktion könnte nach China abgezogen werden, wo auch die meisten anderen Produkte von Apple entstehen.

          Das Treffen mit Cook verschaffte Trump also eine Bühne, um die Fertigung von Apple-Geräten in Amerika als Erfolg seines Politik darzustellen. Er brachte Cook dazu, zu sagen, Amerika habe derzeit „die stärkste Wirtschaft in der Welt“. Der Apple-Chef wiederum hat im Moment reichlich Gründe, an einem guten Verhältnis mit dem Präsidenten zu arbeiten. Sein Unternehmen kam bislang mit Strafzöllen für Importe aus China recht glimpflich davon, seine wichtigsten Produkte sind noch nicht betroffen. Aber noch immer droht die Gefahr, dass vom 15. Dezember an auch das iPhone mit solchen Zöllen belegt wird, und das wäre für Apple katastrophal. Das Handy steht für mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes. Trump machte Cook aber Hoffnung auf eine Sonderbehandlung: Auf die Frage, ob Apple von weiteren Zöllen ausgenommen werden könnte, sagte er: „Wir schauen uns das an.“ Er beschrieb das als eine Frage der Fairness, um eine Benachteiligung von Apple im Wettbewerb mit Samsung zu verhindern.

          Der Besuch in Austin ist nur das jüngste öffentlichkeitswirksame Beispiel dafür, wie der Präsident und der Apple-Chef persönliche Nähe kultivieren. Die beiden haben sich in den vergangenen Monaten regelmäßig getroffen. Trump nennt Cook einen Freund, am Mittwoch bezeichnete er ihn als „sehr besondere Person“. Er hat ihn dafür gelobt, dass er der einzige Unternehmenschef sei, der ihn direkt anrufe, wenn er etwas auf dem Herzen habe. Cook hat auch einen Sitz in einem Beratungsgremium des Präsidenten.

          Diese demonstrative Harmonie ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: Einige andere amerikanischen Manager sind auf Distanz zu Trump gegangen, etwa als er vor zwei Jahren rechtsextreme Gruppen nach Ausschreitungen in der Stadt Charlottesville nur halbherzig verurteilte. Cook hat sich selbst in der Vergangenheit deutlich von Positionen des Präsidenten abgegrenzt, etwa auf Gebieten wie Einwanderung oder Klimaschutz. Das hat ihn aber nicht abgehalten, Verbindungen zu Trump und seinem Umfeld zu pflegen. Das „Wall Street Journal“ schrieb unlängst, Cook habe enge Kontakte zu Trumps Tochter Ivanka und deren Mann Jared Kushner aufgebaut, die ihm einen Draht ins Weiße Haus verschafft hätten. Ivanka Trump war in Austin mit dabei, ebenso wie Finanzminister Steven Mnuchin.

          Trump hat seit seiner Wahl regelmäßig versucht, Unternehmen dazu zu drängen, Produktionskapazitäten in Amerika aufzubauen oder zu erweitern. Auf Apple ist er dabei aber besonders fixiert gewesen. Vor einiger Zeit behauptete er in einem Interview, Tim Cook habe ihm versprochen, drei Fertigungsstätten in Amerika zu errichten. Er habe zum Apple-Chef gesagt, wenn das Unternehmen hier keine Fabriken baue, werde er seine Regierung nicht als wirtschaftlichen Erfolg sehen. Das vermeintliche Versprechen hat sich bis heute nicht bewahrheitet, allerdings hat Cook es auch nie öffentlich dementiert.

          Das jetzt gefeierte Werk in Austin, das nicht von Apple selbst, sondern vom Auftragshersteller Flex betrieben wird, ist nicht neu, sondern wird lediglich als Standort für den Bau von Apple-Produkten erhalten. Und die Entscheidung, auch die neue Version des MacPro hier zu bauen, fiel erst, nachdem die amerikanische Regierung das Zugeständnis gemacht hatte, in China gefertigte Bauteile für den Rechner von Zöllen auszunehmen.

          Der Apple-Chef wird es am Mittwoch gewiss gerne gehört haben, als Trump in Aussicht stellte, sein Unternehmen vor weiteren Zöllen zu bewahren. Dafür musste er freilich in Kauf nehmen, dass das Werk und er selbst zur Kulisse von Attacken des Präsidenten rund um die Impeachment-Vorgänge wurden. Trump nahm auf entsprechende Fragen von Journalisten ausführlich Stellung und beschimpfte Politiker der Demokratischen Partei. Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, sei „total inkompentent“, und Adam Schiff, der eine führende Rolle bei den Anhörungen hat, lüge den ganzen Tag. Und mehrmals sagte Trump, die amerikanische Presse sei „Fake“ und sollte sich schämen. Tim Cook stand während dieses verbalen Rundumschlags neben Ivanka Trump im Hintergrund und schaute mit ausdrucksloser Mine zu.

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