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Skandal um Credit Suisse : Iqbal und die Detektive

Der ehemalige Credit-Suisse-Vermögensverwalter Iqbal Khan im Juni 2016 in Zürich. Bild: Reuters

Der irre Beschattungsskandal in Zürich fällt dem Vorstand der Credit Suisse auf die Füße. Die Wild-West-Aktion sucht in der auf Seriosität bedachten Schweizer Finanzwelt ihresgleichen. Jetzt drohen personelle Konsequenzen.

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          Wenn ein Spitzenmanager den Arbeitgeber wechselt, findet er zuweilen die Muße für Dinge, für die im streng getakteten Arbeitsalltag sonst die Zeit fehlt. Am Dienstag vergangener Woche brachte Iqbal Khan seinen sechsjährigen Sohn in Herrliberg zum Fußballtraining. In diesem kleinen Städtchen am Zürichsee wohnt der 43 Jahre alte Schweizer mit pakistanischen Wurzeln, der bis Ende Juni in Diensten der Großbank Credit Suisse (CS) stand – als Leiter der internationalen Vermögensverwaltung. Am 1. Oktober übernimmt Khan eine ähnliche Führungsrolle bei der UBS, dem größten Rivalen der CS in Zürich. Der Manager hatte also drei Monate zur freien Verfügung.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Nach dem Stopp am Sportplatz fuhr Khan gemeinsam mit seiner Frau weiter zum Einkaufen nach Zürich. Dabei bemerkte er, dass er von einem Auto verfolgt wurde. Khan versuchte, den Wagen abzuschütteln. Als das misslang, hielt er mitten in der Innenstadt an und ging, laut „Polizei, Polizei“ rufend, auf seinen Verfolger zu, der seinerseits sein Auto verlassen hatte. Khan fotografierte den Mann und dessen Autokennzeichen. Er fühlte sich bedroht und war außer sich vor Aufregung. Khan befürchtete, dass es sich um die Vorbereitung einer Entführung oder Ähnliches handeln könnte. Auf die Idee, dass sein ehemaliger Arbeitgeber hinter der Aktion stecken könnte, kam Khan in diesem Moment noch nicht. Sein Verhältnis zum CS-Vorstandschef Tidjane Thiam war zwar zuletzt sehr angespannt gewesen. Aber noch in der Woche davor hatte Thiam seinen ehemaligen Kollegen vor versammelter Mannschaft mit freundlichen Worten offiziell verabschiedet.

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