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Pilotenstreik : Ryanair sagt fast 400 Flüge ab

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die deutschen Ryanair-Piloten wollen am Freitag flächendeckend streiken. Nun hat die Fluggesellschaft reagiert und zahlreiche Flüge abgesagt. Was vom Streik Betroffene tun können.

          Am Freitag wird jeder sechste Ryanair-Flug in Europa ausfallen. Wegen des angekündigten Pilotenstreiks in vier Ländern, unter anderen Deutschland, sagt die Fluggesellschaft insgesamt 396 der europaweit mehr als 2400 Flüge ab. Von den Streichungen betroffene Kunden sollten noch am Mittwoch informiert werden und könnten ihre Flüge kostenlos umbuchen, teilte der Billigflieger am Mittwoch mit. Der Flugbetrieb solle am Samstag wieder normal aufgenommen werden.

          Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat alle angestellten Piloten an den deutschen Ryanair-Basen für den 10. August zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen. Laut der Gewerkschaft seien alle Verbindungen des Billigfliegers betroffen, die zwischen Freitagfrüh um 03:01 Uhr und Samstagfrüh um 02:59 Uhr aus Deutschland abfliegen sollen.

          Vom Streik betroffen? Sehen Sie in der Box unter dem Text, was Sie tun können.

          Durch den Streik falle das komplette Programm an Flügen aus, das Ryanair an dem Tag mit Flugzeugen fliegen würde, die in Deutschland stationiert sind, sagte der Marketing-Chef der Airline, Kenny Jacobs. Alle Flughäfen bis auf Baden-Baden seien betroffen. Dort hätten die Piloten zugesagt, ihr Programm abzufliegen. Rund ein Drittel der deutschen Kunden werde aber auch am Freitag fliegen können, weil ihr Flugzeug aus einem nicht bestreikten Land komme.

          Die deutsche Gewerkschaft schließt sich dem bereits für Freitag angekündigten Streiks ihrer Kollegen in Irland, Schweden und Belgien an. Wegen der Streiks dort waren bereits 146 Flüge europaweit abgesagt worden. Durch den Streik in Deutschland kommen nun weitere 250 Ausfälle dazu. Kommt der Streik wie angekündigt zustande, wäre das der größte Pilotenstreik in der Geschichte von Ryanair. Ein Warnstreik in Deutschland kurz vor Weihnachten war weitgehend unbemerkt geblieben, weil Ryanair ausreichend Ersatzpiloten rekrutieren konnte. 

          Gewerkschaft fordert bessere Gehälter

          VC-Chef Martin Locher warf der Fluggesellschaft vor, eine Lösung am Verhandlungstisch zu blockieren und für die Eskalation allein die Verantwortung zu tragen. Bei Ryanair sei kein konstruktiver Wille zu einer Einigung erkennbar. „Seit Ende Dezember behauptet Ryanair, dass sie mit uns Tarifverhandlungen führen, es ist für uns aber kein konstruktiver Vorschlag zu erkennen. Ryanair ist lediglich bereit, die bestehend Bedingungen festzuschreiben“, sagte der Gewerkschaftler bei einer Pressekonferenz.

          Ryanair habe in den Verhandlungen jedwede Personalkosten-Erhöhung kategorisch ausgeschlossen. Gleichzeitig habe Ryanair zu keinem Zeitpunkt erkennen lassen, an welchen Stellen Spielräume zur Lösungsfindung bestünden. „Tarifverhandlungen müssen zu Kostenerhöhungen führen wenn sie ernsthaft geführt werden“, so Locher. 

          „Es wird auch in den kommenden Wochen und Monaten, wenn es sein muss, immer wieder zu Arbeitskämpfen kommen, die können dann auch durchaus mal spontaner erfolgen", sagte Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik bei der Gewerkschaft, am Mittwoch in Frankfurt. Es bleibe aber dabei, dass Streiks mindestens 24 Stunden vorher angekündigt würden.

          Ryanair zieht in den Niederlanden gegen Pilotengewerkschaft vor Gericht

          Vor zwei Wochen hatten streikende Flugbegleiter in Spanien, Portugal und Belgien Ryanair gezwungen, innerhalb von zwei Tagen rund 600 Flüge mit zusammen etwa 100.000 betroffenen Passagieren abzusagen. Beide Berufsgruppen wollen bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen bei der irischen Airline durchsetzen, die sich jahrzehntelang gegen Gewerkschaften und tarifliche Vereinbarungen gewehrt hatte. Dazu müssen jeweils nationale Tarifverträge abgeschlossen werden, die Gewerkschaften koordinieren sich aber europaweit untereinander. Ryanair beschäftigt in Deutschland rund 400 Piloten – einige davon als selbständige Piloten. Die Vereinigung Cockpit hat sich bisher nicht dazu geäußert, wie viele davon bei der Gewerkschaft organisiert sind.

          In den Niederlanden hat Ryanair ein Verbot etwaiger Arbeitskampfmaßnahmen angekündigt. Die dortige
          Pilotengewerkschaft VNV erklärte am Mittwoch, Ryanair fordere vor Gericht eine einstweilige Verfügung, "um Streiks seiner Piloten in der Sommersaison zu verhindern". Die VNV zeigte sich von dem Schritt "überrascht" und "wütend", das sei ein "Angriff auf das niederländische Streikrecht". Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob sich die VNV an Streiks der Ryanair-Piloten überhaupt beteiligt. Eine Sprecherin des zuständigen Gerichts in Haarlem unweit des Flughafens Amsterdam-Schiphol sagte, man werde sich am Donnerstagnachmittag mit dem Fall beschäftigen. Ryanair selbst äußerte sich nicht dazu.

          Kurze Zeit später schloss sich die Pilotengewerkschaft den Streiks ihrer Kollegen in Deutschland und anderen europäischen Ländern an. Die VNV kündigte an, die in den Niederlanden ansässigen Piloten würden am 10. August für 24 Stunden ihre Arbeit niederlegen. "Dieser europäische Pilotenstreik sollte ein Weckruf für das Ryanair-Management sein", erklärte die Gewerkschaft. 

          Was von Streiks Betroffene tun können

          Wenn Ihr Flug annuliert wird, schickt Ryanair Ihnen, eigenen Angaben zufolge so schnell wie möglich eine SMS oder eine E-Mail. Zudem können Sie Ihren Flug auf dieser Ryanair-Seite eingeben, um zu überprüfen, ob er von den Streiks betroffen ist.

          Wird Ihr Flug abgesagt, können Sie sich aussuchen, ob Sie ihr Geld zurückhaben oder weiterhin fliegen wollen. Ist Ihr Hinflug ausgefallen und entscheiden Sie sich für eine Erstattung, wird Ihnen damit auch der Rückflug erstattet. Erstattungen müssen Sie über dieses Online-Formular von Ryanair beantragen.

          Wollen Sie trotz gestrichenem Flug weiterhin an Ihr Ziel, muss Ryanair versuchen, Sie auf einen anderen Flug umzubuchen. Als erste Möglichkeit versucht die Fluggesellschaft dazu, einen Platz für Sie auf dem nächstmöglichen Ryanair-Flug derselben Strecke zu finden. Das kann am selben oder am darauf folgenden Tag sein.

          Falls das nicht möglich ist, versucht Ryanair, Sie mit dem nächstmöglichen Ryanair-Flug zu einem alternativen Flughafen im gleichen Land zu bringen. Wollen Sie das nicht, können Sie sich stattdessen den bezahlten Flugpreis erstatten lassen.

          Kann Ryanair Sie mit beiden Möglichkeiten nicht ans Ziel bringen, werden Sie auf einen Flug von einer der Partner-Fluggesellschaften der Iren gebucht. Zu den Partnern gehören Easyjet, Jet-2, Vueling, City-Jet, Aer Lingus, Norwegian und Eurowings.

          Geht auch das nicht am selben oder am darauf folgenden Tag, haben Sie Anspruch auf eine „vergleichbare und angemessene” Alternative, um an Ihr Ziel zu kommen – zum Beispiel per Zug, Bus, anderer Fluglinie oder Mietwagen. In diesem Fall kann es sein, dass Sie den Preis dafür selbst vorstrecken und bei Ryanair hinterher eine Erstattung dafür beantragen müssen. Heben Sie dazu unbedingt alle Rechnungen und Belege auf.

          Weitere Informationen finden Sie hier in den FAQs von Ryanair.

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