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Paketsendungen : Ostern ist das neue Weihnachten

In dieser Zustellbasis der Deutschen Post herrscht Hochbetrieb: Derzeit werden so viele Pakte versendet wie sonst nur in der Vorweihnachtszeit. Bild: dpa

Geschlossene Geschäfte und das Kontaktverbot bescheren DHL, Hermes, DPD und GLS in diesem Jahr zu Ostern stark gestiegene Paketmengen. Doch die Corona-Krise erschwert auch die Arbeit der Paketdienste.

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          Der plötzliche Umschwung ist für die Paketdienste eine Überraschung. Noch fast bis Ende März waren die Versandmengen aus dem Online-Handel deutlich rückläufig. Nach Angaben des Branchenverbandes BEVH ging es insgesamt um rund ein Fünftel nach unten. Aber seit der letzten Märzwoche stehen die Zeichen ganz klar auf Wachstum.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Einhellig berichten DHL, Hermes, DPD und GLS über stark gestiegene Versandmengen für Privatkunden. Bei DHL und DPD heißt es sogar, dass man solche Volumina wie jetzt in den Tagen vor Ostern sonst nur in der Vorweihnachtszeit bewege. Teils liegt es daran, dass Kunden viel mehr Privatpakete verschicken, weil Besuche von Verwandten und Freunden in diesem Jahr ausfallen müssen. „Viele Menschen versenden ihre Osterpräsente nun als Paket“, sagt eine Hermes-Sprecherin. Auch die Post berichtet über einen erheblichen Andrang solcher Kunden in ihren Filialen.

          Vor allem aber kommt der E-Commerce wieder in Gang. Weil Geschäfte geschlossen sind und Verbraucher aus Angst den Supermärkten lieber fernbleiben, ist das erst einmal keine große Überraschung. Aber nicht nur Lebensmittel, Tiernahrung, Hygieneprodukte, Drogerieartikel und andere Produkte des täglichen Bedarfs sind gefragt. „Es werden auch wieder vermehrt andere Warengruppen wie Modeartikel geordert“, heißt es bei Hermes. Andererseits fehlen den Paketdiensten wegen der Geschäftsschließungen und Produktionsstopps die Aufträge für die Belieferung von Einzelhändlern und Unternehmen. Bei DPD machen diese gewerblichen Empfänger rund zwei Drittel der Gesamtmenge aus. Das Wachstum im Privatkundensegment könne die Rückgänge nicht vollständig kompensieren, sagt ein DPD-Sprecher. Ähnlich die Situation für GLS: „Die Ostermengen insgesamt schwanken aktuell deutlich, so dass von keinem allgemeinen Trend gesprochen werden kann.“

          Abstandsregeln erschweren die Arbeit der Paketdienste

          Ein Post-Sprecher sagt, gerade kleinere Händler versuchten wegen der Schließung ihrer Ladenlokale auf DHL auszuweichen. Im Schnitt hat der Marktführer im vorigen Jahr rund 5,2 Millionen Pakete am Tag transportiert. „Jetzt liegen wir deutlich darüber.“ Den vorweihnachtlichen Spitzenwert von rund 10 Millionen Sendungen am Tag habe man aber noch nicht erreicht.

          Aber während DHL sich üblicherweise schon im Sommer auf den alljährlichen „Starkverkehr“ im Advent vorbereitet, dafür Tausende von Aushilfskräften engagiert und zusätzliche Fahrzeuge beschafft, muss es nun sehr schnell gehen. Mitarbeiter aus der Briefzustellung werden in die Paketzentren versetzt, ebenso Beschäftigte, die sonst im Frachtverkehr arbeiten. Verwaltungsmitarbeiter sind aufgerufen, in der Sortierung anzupacken.

          Der Schutz vor dem Coronavirus macht die Dinge nicht einfacher. Um den notwendigen Abstand einzuhalten, könne in den Sortierzentren teilweise nur noch in kleineren Schichten gearbeitet werden, heißt es bei Hermes. Außerdem müssten Schichtdienste so organisiert werden, dass die Mitarbeitergruppen nicht miteinander in Kontakt kämen. Dadurch sei man auch mit steigenden Kosten konfrontiert.

          Ob die Mengenentwicklung anhält, wird davon abhängen, wie schnell die Verbraucher Vertrauen zurückgewinnen. Wie der gesamte Einzelhandel spüre auch der Internethandel die sich abkühlende Konsumkonjunktur, sagt eine BEVH-Sprecherin. Umso wichtiger sei es, die jüngste Nachfragebelebung in Schwung zu halten und eine Lockerung der Handelsbeschränkungen zu ermöglichen.

          Dafür setzt der Branchenverband auf klare Regeln, damit Kunden Ware telefonisch oder im Internet bestellen und ohne direkten Kontakt mit Mitarbeitern in den Läden abholen können. Dieses Konzept könne helfen, Arbeitsplätze und Umsätze zu sichern, und müsse Teil einer Exit-Strategie sein. „Die Läden sind voll mit Saisonwaren“, sagt Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer. Kontaktloses „Click & Collect“ könne dem stationären Handel eine Perspektive geben.

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