Schokoladenkrise :
Warum Schokolade von Lindt jetzt billiger ist als die von Milka

Lesezeit:
Schokolade von Lindt.
Schokolade von Lindt.Reuters

Lange konnte Lindt & Sprüngli höhere Preise verlangen als die Konkurrenz. Das hat sich geändert.

Die Schokokrise, die das Schweizer Traditionsunternehmen Lindt & Sprüngli durchschüttelt, kann man sich beim Einkaufen im Lebensmittelhandel anschauen. Ein Schokoladenregal in einem Frankfurter Rewe-Supermarkt am vergangenen Donnerstag: Oben wartet die günstigste Vollmilch-Tafel von Lindt auf Kunden. 2,19 Euro je 100 Gramm kostet sie. Zwei Reihen darunter steht die Milka-Tafel des Wettbewerbers Mondelez im Regal. Mit 90 Gramm ist die Tafel kleiner, der Preis beträgt 1,99 Euro. Keiner der beiden Preise wird als Sonderangebot beworben.

Was es früher nicht gab, ist derzeit Normalität: Auf das Kilogramm umgerechnet ist die Edelmarke Lindt sogar etwas günstiger als die Allerweltssorte Milka. Am Ständer mit den Schokoweihnachtsmännern wirbt Lindt jetzt mit dem Slogan: „Premium Qualität im Preis gesenkt“.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
F.A.S. jetzt lesen

Was die Kunden freut, hat Adalbert Lechner, den Chef von Lindt & Sprüngli, gerade den Job gekostet. Den Kunden ist die feine Schokolade aus der Schweiz zu teuer geworden, deshalb musste Lindt die Preise kürzen. Zweimal hat Lechner dieses Jahr die Umsatzprognose für das Unternehmen gesenkt. Nun zog der Verwaltungsrat die Notbremse und trennte sich mit sofortiger Wirkung von dem Manager, der seit 33 Jahren im Unternehmen war. Auch Deutschlandchef Michal Spiller muss nach mehr als zwei Jahrzehnten bei Lindt & Sprüngli den Schreibtisch räumen. Das große Nachbarland ist traditionell einer der weltweit wichtigsten Absatzmärkte des Schweizer Schokoladenherstellers.

Dem Führungsbeben in der Unternehmenszentrale in Kilchberg am Zürichsee ging ein Kursrutsch der Aktie voraus. Seit dem Frühjahr ist die Notierung des Lindt-Partizipationsscheins an der Züricher Börse um mehr als ein Drittel gefallen. Die Schweizer Wertpapiergattung ist mit stimmrechtslosen Vorzugsaktien vergleichbar, wie es sie in Deutschland gibt.

„Erschwinglicher Luxus“ als Erfolgsrezept

Die Schokoschmelze in der Chefetage und an der Börse zeigt, dass das Erfolgsrezept von Lindt an seine Grenzen gestoßen ist. Lange Zeit war das Unternehmen bestens unterwegs mit einer Strategie, die die Lindt-Manager selbst als „erschwinglichen Luxus“ beschrieben. Gemeint war damit: Die Schokolade von Lindt ist zwar teurer als die Konkurrenz, aber fällt im Haushaltsbudget vieler Kunden aus der Mittelschicht dann eben doch nicht so sehr ins Gewicht. Das kann man sich schon mal gönnen.

In den vergangenen vier Jahren hat Lindt & Sprüngli die Preise um insgesamt rund 40 Prozent erhöht. Zwar ist auch bei anderen Herstellern wegen höherer Kakaopreise die Schokolade teurer geworden, aber die Lindt-Preise waren eben schon vorher vergleichsweise hoch gewesen. Die Schmerzgrenze bei den Kunden war damit erreicht. Dieses Jahr wurden die Zeiten wegen des Irankriegs noch schwieriger. Vor allem die Tankstellenpreise schnellten nach oben, und viele Bürger begannen bei anderen Ausgaben für das tägliche Leben stärker als bisher auf das Preisschild zu schauen. Auch am Schokoladenregal im Supermarkt.

Im Frühjahr musste Lindt erstmals im deutschen Markt die Preise senken. Denn die Schokoladenliebhaber hierzulande hatten sich besonders arg über die immer höheren Lindt-Preise geärgert und stattdessen günstigere Konkurrenzprodukte gekauft. Um 15 Prozent fiel die Absatzmenge von Lindt 2025 hierzulande und damit mehr als doppelt so stark wie weltweit. Der Hersteller habe im Ostergeschäft deutschen Lebensmittelhändlern angeboten, Kosten für Rabattaktionen teilweise zu übernehmen, berichtete im April das Fachblatt „Lebensmittel Zeitung“.

Wie es im Management von Lindt & Sprüngli auf längere Sicht weitergeht, ist unklar. Nach dem Rauswurf von Unternehmenschef Lechner springt interimsmäßig dessen Vorgänger Dieter Weisskopf, 71 Jahre alt, ein. Er hat Lindt bereits bis 2022 geleitet und sitzt seither im Verwaltungsrat, der in etwa dem deutschen Aufsichtsrat entspricht. Spätestens bis Mitte nächsten Jahres soll ein dauerhafter Nachfolger für Lechner gefunden werden. In der Schweiz werden aber auch Stimmen laut, die einen weiter reichenden personellen Neuanfang fordern: Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner ist 80 Jahre alt und seit 1994 im Amt.

Empfehlungen
Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Consultant *in Healthcare/Gesundheitsökonomie
Johannesstift Diakonie Services GmbH
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Zum Stellenmarkt
Verlagsangebot
Sprachkurs
Lernen Sie Englisch
Lexaid
Gekündigt? Sofort-Check und direkter Anwaltskontakt
V-Check
Vermögen übertragen & die Erträge behalten - so geht’s!
Sprachkurs
Lernen Sie Französisch