https://www.faz.net/-gqe-9hjkn

Nach Privatisierung : HSH Nordbank streicht Hunderte Stellen

Eine Frau geht durch den Haupteingang in die HSH Nordbank in Hamburg. Bild: dpa

Nach der Privatisierung der HSH Nordbank ist das Drama nicht vorbei. Jetzt kommt der Stellenabbau: Die Zahl der Arbeitsplätze soll auf weniger als 1000 fallen.

          Die Privatisierung der HSH Nordbank hat den Mitarbeitern einiges abverlangt. Doch nachdem der Verkauf der Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein an Finanzinvestoren um J.C. Flowers und Cerberus vor wenigen Tagen vollzogen wurde, sind die Einschnitte noch nicht vorbei. Im Gegenteil: Jetzt geht es darum, Kosten zu senken und wettbewerbsfähiger zu werden – auch durch einen weiteren Stellenabbau, durch den die Zahl der Arbeitsplätze von derzeit gut 1700 auf weniger als 1000 fallen soll. Über die Details will das Management an diesem Dienstag auf Mitarbeiterversammlungen in Hamburg und Kiel informieren.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          In der Bank wird betont, dass ein Teil der Einsparungen schon durch frühere Abkommen mit dem Betriebsrat gedeckt sind, nach denen die Zahl der Stellen bis Mitte 2019 auf 1600 sinken soll. Der jetzt beschlossene, zusätzliche Abbau setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. So sollen dem Vernehmen nach 120 bis 130 Mitarbeiter der IT-Abteilung am Standort Kiel zu einem Dienstleister ausgelagert werden. Etwa 100 Jobs können eingespart werden, weil Aufgaben, die für die Rettung und Privatisierung der Bank geschaffen wurden, nicht mehr anfallen; von der Abrechnung der Staatsgarantien, mit denen die Länder ihre Bank vor bestimmten Risiken geschützt hatten, bis zur Verwaltung fauler Schiffskredite, welche die Investoren der Bank inzwischen abgenommen haben.

          Etwa 100 weitere Stellen streicht die Bank, indem sie Angebote einschränkt oder stärker standardisiert, etwa im Kapitalmarktgeschäft und in der Exportfinanzierung. Auch die hauseigene Vermögensverwaltung steht zur Disposition. Zudem entfallen 60 bis 70 von derzeit knapp 180 Führungspositionen, da die Bank eine Hierarchieebene unterhalb des Vorstands abschafft. Hinzu kommt eine Vielzahl kleinerer Eingriffe, etwa in verwaltenden und unterstützenden Funktionen quer durch alle Abteilungen, die in Summe etwa 200 Arbeitsplätze ausmachen. Hamburg und Kiel seien von diesem neuen Programm gleichermaßen betroffen, heißt es. Doch Kiel wird seinen Status als einer von zwei Hauptsitzen des Instituts verlieren, das demnächst in „Hamburg Commercial Bank“ umbenannt wird. Für den Standort ist das ein Bedeutungsverlust.

          Ziel ist es, die Bank in einen Zustand zu bringen, in dem sie Anfang 2022 in den Einlagensicherungsfonds der Privatbanken wechseln kann. Dafür hat deren Verband BdB harte Auflagen gemacht. So soll die HSH Nordbank eine Eigenkapitalrendite von mindestens 8 Prozent erreichen. Die sogenannte Cost-Income Ratio, die den Verwaltungsaufwand ins Verhältnis zu den operativen Erträgen setzt, soll höchstens 40 Prozent betragen. „Von diesen Zielen sind wir – wie sie alle wissen – aber noch weit entfernt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Ermisch vor wenigen Tagen in einer internen Rede. Um das zu ändern, müsse sich die Bank enorm anstrengen.

          Dazu gehört auch, neben den Einsparungen neue Geschäftschancen zu finden. So will die HSH Nordbank, die durch riskante Geschäfte in Amerika und ein viel zu großes Engagement in der krisenanfälligen Schifffahrt in eine Schieflage geraten war und von den Ländern mit milliardenhohen Beihilfen gerettet wurde, ihre gewerbliche Immobilienfinanzierung auf Frankreich, Österreich und die Benelux-Länder ausdehnen. Zudem will sie in die Finanzierung erneuerbarer Energien etwa im asiatisch-pazifischen Raum oder in Nordamerika einsteigen. Unterstützen soll der Aufsichtsrat, der fortan vom neuen Vorsitzenden Juan Rodriquez Inciarte geleitet wird.

          Weitere Themen

          Die Jagd nach dem Milliarden-Schatz Video-Seite öffnen

          FAZ Plus Artikel: Bergbau im Erzgebirge : Die Jagd nach dem Milliarden-Schatz

          Im Erzgebirge wird an der ersten deutschen Erzmine seit dem Krieg gebaut. Ein Investor verspricht sichere Rohstoffe und Hunderte Arbeitsplätze. Doch Politiker interessiert es nicht, Behörden mauern und Anwohner rebellieren.

          Topmeldungen

          Der Wahlkampf im kommenden Jahr wird wohl mit beispielloser Härte geführt werden.

          Neue Umfrage : Misstrauen gegen jedermann in Amerika

          Die Amerikaner sehen ihre Regierung und ihre Mitbürger immer skeptischer. Vor allem bei der Unterscheidung von Wahrheit und Lüge zeigen sich viele verunsichert. Für den Vertrauensschwund geben sie unterschiedliche Gründe an.

          FAZ Plus Artikel: Bergbau im Erzgebirge : Die Jagd nach dem Milliarden-Schatz

          Im Erzgebirge wird an der ersten deutschen Erzmine seit dem Krieg gebaut. Ein Investor verspricht sichere Rohstoffe und Hunderte Arbeitsplätze. Doch Politiker interessiert es nicht, Behörden mauern und Anwohner rebellieren.

          Regierungswechsel in London : Die Woche der Entscheidung

          In Großbritannien beginnt eine innenpolitisch spannende Woche. Die Tories wählen einen neuen Vorsitzenden und damit zugleich den neuen Premierminister. Wir fassen zusammen, was wann geschieht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.