Niederländische Eisenbahn : Früherer Arbeitsminister wird Bahnchef

Die niederländische Staatsbahn bekommt einen neuen Chef: den früheren Arbeits- und Sozialminister Wouter Koolmees. Er wird einen Ausweg aus der gegenwärtigen Mangelverwaltung ersinnen müssen. Die Hauptprobleme: zu wenig Personal, ausgedünnte Fahrpläne, überfüllte und verkürzte Züge.
„Momentan weniger Züge durch Mangel an verfügbarem Personal“: Das lasen schon im Sommer Zugreisende auf den Anzeigen der niederländischen Bahn – beispielsweise in Utrecht, dem an Fahrgastzahlen gemessen wichtigsten Bahnhof. In der viertgrößten Stadt des Landes, Verkehrsknotenpunkt wegen ihrer zentralen Lage, sitzt die Staatsbahn NS (Nederlandse Spoorwegen); ihr neuer Chef wird einen Ausweg aus der gegenwärtigen Mangelverwaltung ersinnen müssen. Seine Hauptprobleme: ausgedünnte Fahrpläne, überfüllte und verkürzte Züge.
Es ist der frühere Arbeits- und Sozialminister Wouter Koolmees, der zum 1. November die Führung des Bahnunternehmens übernimmt. Koolmees folgt Marjan Rintel, die im Juli in gleicher Funktion zur Fluggesellschaft KLM wechselte, dem heimischen Teil des niederländisch-französischen Doppelkonzerns Air France-KLM. Interimschef Bert Groenewegen konzentriert sich dann wieder auf seinen eigentlichen Posten als Finanzvorstand.
In den Nederlandse Spoorwegen sind 2200 Stellen unbesetzt – dies bei einer Belegschaft von etwa 20 000 in der fünftgrößten EU-Volkswirtschaft. Kurzfristige Zugausfälle sind schon lange nicht mehr ungewöhnlich, aber im Spätsommer kündigte das Unternehmen an, den Dienst systematisch auszudünnen. Anfang September zog es den Spätfahrplan um zwei Stunden auf 20 Uhr vor, die Schnellzüge (Intercities) begannen werktags auf dicht getakteten Strecken nur noch vier- statt sechsmal in der Stunde zu fahren und am Wochenende alle halbe Stunde statt alle Viertelstunde. Im Dezember stehen weitere Einschränkungen an: Mit dem neuen Fahrplan sollen 2023 ein Zehntel weniger Züge fahren als im vergangenen Vor-Corona-Jahr 2019. Das begründeten die Nederlandse Spoorwegen mit niedrigeren Fahrgastzahlen und Personalmangel. Vorige Woche legte Groenewegen in einem internen Video für Mitarbeiter noch einen drauf: Vielleicht müsse der Dienst weiter schrumpfen.
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