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E-Mobilität : Aral baut mehr Schnellladesäulen an seine Tankstellen

Die neuen Schnellladesäulen Bild: obs

Der Tankstellenbetreiber will die Anzahl seiner Ladepunkte verfünffachen – der Anbieter EnBW ist schon weiter. Für Verbraucher sind die Kosten wegen unterschiedlicher Verträge jedoch noch schwer vergleichbar.

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          Der Tankstellenbetreiber Aral baut sein Schnellladenetz für elektrisch betriebene Autos aus. Bis zum Jahresende sollen 500 Ladestationen an 120 Aral-Tankstellen verfügbar sein. „Wir werden die Anzahl unserer Ladepunkte in diesem Jahr verfünffachen“, sagt der Aral-Vorstand Patrick Wendeler. „Angesichts der steigenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen ist die Zeit reif, auch den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu beschleunigen.“

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Martin Gropp

          Bis Ende Februar plant der Tankstellenbetreiber Aral, der zum Rohstoffkonzern BP gehört, mit 100 Ladepunkten an 25 Tankstellen, die eine Ladeleistung von 300 oder 350 Kilowatt haben. Dort soll dann innerhalb von zehn Minuten Strom für eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern aufgeladen werden. Der Tankstellenfinder des Bochumer Unternehmens, das mit 2400 Tankstellen der größte Anbieter in Deutschland ist, zeigt bislang nur 35 Orte, an denen elektrisches Laden möglich ist, was auch Säulen mit geringerer Leistung einschließt. Unter dem Namen Aral Pulse sollen sich die neuen Ladesäulen auch optisch von den klassischen Zapfsäulen unterscheiden, schon existierende Ladesäulen werden nun umgebaut.

          Zu den Durchschnittskosten für die Verbraucher kann das Unternehmen keine Angaben machen. Klar ist, dass schnelles Laden mehr kosten wird als langsames. Ähnlich wie bei Mobilfunktarifen gebe es jedoch zahlreiche Anbieter, die unterschiedliche Verträge und damit auch Preise für die Kunden anböten, teilte ein BP-Sprecher auf Anfrage mit. Möglich sei es jedoch auch, an der Zapfsäule über einen QR-Code mit der eigenen Kreditkarte zu zahlen. Das kostet derzeit 69 Cent je Kilowattstunde. In wenigen Wochen soll die Zahlung auch über Paypal möglich sein und im Laufe des Jahres auch ohne Smartphone direkt mit der Kreditkarte an der Ladesäule.

          Ladenetz soll schneller ausgebaut werden

          Der nun angekündigte Ausbau von Aral dürfte auch eine Reaktion auf den bisher letzten „Autogipfel“ im November vergangenen Jahres sein. Während des Spitzentreffens hatten Politik und Autobranche vereinbart, das Ladenetz in Deutschland schneller auszubauen. Obwohl die Mineralölindustrie damals nicht mit am Tisch saß, spielte sie im Ergebnispapier eine Rolle. Konkret nahm sich die Bundesregierung nämlich das Ziel vor, bis Ende 2022 25 Prozent aller Tankstellen mit Schnellladeinfrastruktur auszustatten, zwei Jahre später sollen mindestens 50 Prozent der Tankstellen über diese Technik verfügen, Ende 2026 dann 75 Prozent. Die Bundesregierung kündigte damals an, mit der Mineralölwirtschaft über eine entsprechende Selbstverpflichtung reden zu wollen.

          An Shell-Tankstellen hat vor allem das Karlsruher Energieunternehmen ENBW zuletzt Schnellladesäulen installiert, der Stromanbieter hat auch zahlreiche Raststätten damit ausgestattet. ENBW ist mit Abstand der größte Anbieter von Schnellladestationen in Deutschland. Anfang Februar haben die Baden-Württemberger ihren fünfhundertsten Standort in Betrieb genommen, bis zum Jahresende sollen es tausend werden. Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben dafür in Deutschland mehr als 100 Millionen Euro im Jahr.

          Auch Autohersteller haben sich zusammengeschlossen

          Neben Tankstellenbetreibern arbeiten auch Vertreter der Autobranche an einem eigenen Schnellladenetz. So hat der amerikanische Elektroautohersteller Tesla auch hierzulande sein eigenes Netzwerk zuletzt ausgebaut. Rund um die Welt betreibt Tesla nach Angaben aus dem Januar gut 2500 Stationen mit mehr als 23000 Schnellladepunkten. Autohersteller wie BMW, Daimler und mehrere Marken des Volkswagen-Konzerns haben sich wiederum zum Gemeinschaftsunternehmen Ionity zusammengeschlossen. Dessen Ziel ist es, an Hauptverkehrsverbindungen in Europa ein Schnellladenetz aufzubauen. Dabei arbeitet Ionity auch mit Mineralölunternehmen wie Shell, Eni oder Avia zusammen, um an deren Standorten die Ladesäulen zu errichten.

          Noch sind nach Angaben der Ladestationenbetreiber die schon existierenden Standorte bei weitem nicht ausgelastet. Gleichwohl wächst vor allem in der Automobilindustrie die Sorge, dass die Ladeinfrastruktur von der Nachfrage nach Elektroautos überfordert wird. Der Europäische Autoverband Acea hat gemeinsam mit dem Umweltdachverband Transport & Environment und der Europäischen Verbraucherorganisation Beuc einen Brief an die EU-Kommissare für Energie, Klima, Industrie und Verkehr geschrieben. Darin fordern sie eine Million öffentliche Ladepunkte in der Europäischen Union bis 2024 – und 3 Millionen fünf Jahre später. Das ist ambitionierter als der Plan der EU-Kommission, der diese Ziele erst jeweils ein Jahr später erreichen will.

          Forscher des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen haben gerade in einer Studie ermittelt, dass der Ausbau des herkömmlichen Ladenetzes um 10 Prozent die Nachfrage nach reinen Batteriefahrzeugen um gut 5 Prozent erhöht. Jedoch könnte der Effekt mit Schnellladesäulen viermal so hoch sein. Der RWI-Forscher Colin Vance ließ sich mit der Aussage zitieren, dass die „mangelnde Ladeinfrastruktur ein wesentlicher Grund für die schleppende Entwicklung der E-Mobilität in Deutschland ist“.

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