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Thyssen Krupp in Schwierigkeiten : Aufsichtsratsverband fordert Cromme zum Rücktritt auf

  • Aktualisiert am

Will nicht zurücktreten: Thyssen-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme Bild: dapd

Der Traditionskonzern Thyssen steckt in vielfachen Schwierigkeiten. Nach einigen Aktionären verlangen nun auch Wirtschaftsvertreter, dass Aufsichtsratschef Gerhard Cromme Konsequenzen zieht und zurücktritt.

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          Wenige Tage vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung von Thyssen Krupp gerät Aufsichtsratschef Gerhard Cromme auch bei Wirtschaftsvertretern in die Kritik. Die Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD) forderte den 69 Jahre alten Cromme auf, zurückzutreten. „Cromme hat eine Vorbildfunktion und dieser wird er nicht gerecht“, sagte der Vize-Präsident des Verbandes, Peter Dehnen. Präsident der Organisation ist der ehemalige Metro-Chef Hans-Joachim Körber. Der ehemalige RWE-Chef Dietmar Kuhnt gehört dem Präsidium an.

          Thyssen meldete für das vergangene Jahr nicht nur einen Milliardenverlust wegen nicht aufgegangener Investitionspläne in Übersee. Das Unternehmen sieht sich außerdem mit Vorwürfen der Korruption konfrontiert und hat infolgedessen unlängst erst große Teile des Vorstandes ausgetauscht. VARD-Vize Dehnen beklagte, es sei schwer nachvollziehbar, dass Thyssen-Aufsichtsratschef Cromme die Schuld immer nur bei anderen suche. Cromme habe die Entwicklung des Unternehmens maßgeblich mitbestimmt. Es reiche nicht aus, im Zweifelsfall ein, zwei Gutachten zu bestellen und keine Konsequenzen zu ziehen. Dehnens 2012 gegründete Organisation mit knapp 100 Mitgliedern sieht sich als Interessenverband von Aufsichtsräten.

          „Die Vorgänge machen uns betroffen“

          In einem offenen Brief vom 11. Januar an Cromme sorgen sich die Mitglieder wegen der Vorfälle in dem Traditionsunternehmen um den Ruf aller Aufsichtsräte. „Die Vorgänge in Ihrem Hause machen uns betroffen und sind geeignet, ein falsches Licht auf die Aufsichtsratstätigkeit und die Mandatsträger zu werfen, die in ihrer Funktion mit großer Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit versuchen, gute Unternehmensführung zu praktizieren und weiterzuentwickeln.“ Cromme solle sein Amt niederlegen und damit ein Signal setzen. Verbands-Vize Dehnen rief ihn dazu auf, während der Hauptversammlung die Vertrauensfrage zu stellen. Wenn Cromme nicht das Vertrauen aller Aktionäre habe, könne er den Konzern kaum repräsentieren.

          Auch mehrere Aktionäre haben Cromme zum Rücktritt aufgefordert und wollen auf der Hauptversammlung am Freitag in Bochum Druck machen. An Cromme perlen die Rücktrittsforderungen bislang ab. Er wird von der Krupp-Stiftung mit der 99 Jahre alten Konzernlegende Berthold Beitz an der Spitze unterstützt. Die Stiftung hält gut 25 Prozent an dem Konzern und kann drei Vertreter direkt in den Aufsichtsrat entsenden. Einer davon ist Cromme. „Die Stiftung sollte ihn zurückrufen“, sagte Dehnen.

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