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Verbraucherpreise steigen : Kehrt das Gespenst der Inflation zurück?

  • Aktualisiert am

An der Kasse spüren viele Menschen, dass es teurer wird. Bild: dpa

Die Preise steigen, so viel steht fest. Doch was bedeutet das für Verbraucher und Anleger? Fragen und Antworten.

          4 Min.

          Die Sorge vor der Inflation ist wieder da. In den USA machte die jährliche Teuerungsrate jüngst einen kräftigen Sprung auf 4,2 Prozent, in Europa zieht sie seit Jahresbeginn an. Eine erste Schätzung, wie sich die Verbraucherpreise in Deutschland im Mai entwickelt haben, veröffentlicht das Statistische Bundesamt an diesem Montag (14.00 Uhr). Umstritten ist, ob sich Verbraucher auf dauerhaft steigende Preise einstellen müssen.

          Weshalb steigen die Verbraucherpreise seit Jahresbeginn?

          Angetrieben wird die Inflation in Deutschland und im Euroraum aktuell von mehreren Faktoren. Die Weltkonjunktur nimmt wieder Fahrt auf, vor allem die Wirtschaft der Schwergewichte USA und China wächst rasant. Zudem steigt die Nachfrage nach Rohstoffen wie Rohöl, was die Energiepreise nach oben treibt. Auch ist die in der Corona-Krise zeitweise gesenkte Mehrwertsteuer in Deutschland seit Jahresbeginn wieder auf altem Niveau. Und in Europas größter Volkswirtschaft wird seit Anfang 2021 eine CO2-Abgabe für Verkehr und Heizen erhoben.

          Warum zieht die Inflation in den USA stärker an als in Europa?

          Die USA haben wegen der Krise riesige Konjunkturpakete aufgelegt. Allein das im März beschlossene Paket hatte ein Volumen von rund 1,9 Billionen US-Dollar, was fast einem Zehntel der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Zudem ist die größte Volkswirtschaft der Welt mit ihrer Impfkampagne weiter als die Europäer, weswegen sich das Wirtschaftsleben wieder normalisiert, auch im wichtigen Bereich der Dienstleistungen.

          Wie stark steigt die Inflationsrate in den USA?

          Die US-Verbraucherpreise legten im April unerwartet kräftig um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Es war der stärkste Sprung seit September 2008. Im Euroraum fiel der Anstieg mit 1,6 Prozent vergleichsweise moderat aus. Am schnellsten zogen in den USA die Preise für Gebrauchtfahrzeuge an – um 10 Prozent, dem größten monatlichen Anstieg seit 1953. Diese Teuerung war für ein Drittel der Inflationszunahme insgesamt verantwortlich. Für den Rest waren infolge der Lockerungen der Corona-Auflagen unter anderem teurere Flugtickets, Hotels und Urlaubsreisen verantwortlich.

          Könnten die Lockerungen die Preise auch im Euroraum anheizen?

          Für den Euroraum könne eine vergleichbare Entwicklung erwartet werden, meinen die Volkswirte der Helaba. „Je mehr restriktive Corona-Maßnahmen zurückgenommen werden, umso stärker dürfte die Nachfrage im Dienstleistungssektor – insbesondere Tourismus – nach oben schnellen und zu Preissteigerungen beitragen.“

          Welche Gefahr geht von steigenden Rohstoff-Preisen aus?

          Nicht nur der Rohölpreis zieht mit der globalen Konjunkturerholung an. Auch Grundstoffe wie Holz, andere Baustoffe oder Metalle sind teilweise knapp und teuer geworden. Das wird nach Einschätzung von Commerzbank-Experte Ralph Solveen aber vergleichsweise wenig auf die Verbraucherpreise in Deutschland durchschlagen. Der Warenkorb, der der Inflationsberechnung zugrunde liegt, werde von Dienstleistungen dominiert. Diese machten inklusive der Mieten deutlich mehr als die Hälfte des Warenkorbs aus.

          Wie geht es in der Eurozone weiter mit den Verbraucherpreisen?

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