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EZB guckt genauer hin : Sorgen um Italiens Banken

Zentrale der Bank Monte dei Paschi di Siena: Auch sie muss jetzt täglich Bericht erstatten. Bild: Reuters

Einige italienische Banken haben so viele gefährdete Kredite, dass sie ihren Gläubigern Sorgen machen. Die Notenbank lässt sich jetzt teils täglich informieren.

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          Die Probleme italienischer Banken alarmieren die Bankenaufseher immer mehr. Nicht nur der hohe Bestand an ausfallgefährdeten Krediten ruft Sorgen hervor, sondern nun auch die Zahlungsfähigkeit einzelner Institute. So sollen die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) nun auf täglicher Basis die Zahlungsfähigkeit, also die Liquidität, der Genueser Banca Carige und der Monte dei Paschi di Siena (MPS) abfragen. Beide Banken waren schon bei den Bilanzprüfungen und Stresstests der EZB im Herbst 2014 durchgefallen. Ihre Schwierigkeiten haben seitdem sogar noch zugenommen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Neben der Last an faulen Krediten sorgen sich die Bankenaufseher nun auch um die Liquidität, nachdem der Zusammenbruch vier kleinerer Banken im Dezember 2015 die Kunden verunsichert hatte. Deshalb soll es zu einem Einlagenabzug gekommen sein. Eine Sprecherin der EZB äußerte sich zu keinen einzelnen Instituten, sagte aber, dass die Überwachung von Kapital und Liquidität der Banken zu den Aufgaben eines Aufsehers zähle.

          Aus Frankfurter Finanzkreisen verlautete, dass deutsche Banken ihre Kreditlinien gegenüber italienischen Banken reduziert hätten. Institute, die als angeschlagen gelten, bekämen nur noch gegen Sicherheiten Kredite. Auch in deutschen Aufsichtskreisen wachsen die Befürchtungen über den Zustand italienischer Banken. Dort wird darauf verwiesen, dass die Probleme mit faulen Krediten schon seit dem Stresstests im Jahr 2014 bekannt seien, aber bislang wenig passiert sei. Insgesamt sollen auf den italienischen Banken Problemkredite von 360 Milliarden Euro lasten, das ist ein Fünftel des gesamten Kreditbestands.

          Zweifel an der Prüfung

          Inzwischen sollen die Bankenaufseher der EZB Zweifel an den Ergebnissen der Bilanzprüfungen vor zwei Jahren hegen. Denn dafür waren die italienischen Aufseher verantwortlich, denen Kollegen aus anderen Ländern eine zu große Nähe zu den beaufsichtigen Instituten nachsagen. Da sich die Probleme nach den sechs Rezessionsjahren für die italienischen Banken nun zuspitzen, könnten bestimmte Bilanzpositionen noch einmal unter die Lupe genommen werden. Seit Jahresanfang beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe („Task Force“) in der Bankenaufsicht der EZB mit den notleidenden Krediten in den Bankbilanzen. Dabei gilt der Blick vor allem den südeuropäischen Ländern, insbesondere Italien.

          Als die EZB die sechs Banken – Unicredit, MPS, Banco Popolare, Carige, Ubi Banca und Banca Popolare di Milano – zu den notleidenden Krediten befragt hatte, war die Verärgerung in Italien darüber groß. Denn die Regierung befürchtete eine Vertrauenskrise. Auch die Schaffung einer Bad Bank, die mit staatlicher Garantie ausgestattet ist, brachte keine Lösung. Denn Brüssel genehmigte die Auslagerung der faulen Kredite nur, wenn die staatliche Garantie zu Marktkonditionen vergeben wird. Die ist vielen Banken aber zu teuer.

          Mittlerweile erhöhen die Bankenaufseher der EZB ihren Druck gegen Banken, die als besonders schwach gelten. Das ist neben der MPS und der Banca Carige auch die Banca Popolare di Vicenza. Deren Anteilseigner sind nun der Forderung der EZB nachgekommen und haben einer Kapitalerhöhung sowie einem Börsengang ihres bislang genossenschaftlichen Instituts zugestimmt. Andererseits hätte dem Institut eine Zwangsverwaltung gedroht. Die Banca Carige muss nun bei der EZB einen Plan für die künftige Finanzierung bis Ende März vorlegen. Zwei Monate später muss ein Strategieplan eingereicht werden. Nach dem Einlagenabzug musste die Sparkasse aus Genua nun auch ihren ursprünglich für das vergangene Jahr ausgewiesenen Verlust auf mehr als 100 Millionen Euro verdoppeln, weil zusätzliche Wertberichtigungen und Vorsorgen für die Problemkredite notwendig wurde. Die MPS aus Siena, die als drittgrößte Bank des Landes gilt, muss auf Geheiß der EZB einen Käufer finden.

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