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Veronika Grimm : Wirtschaftsweise: Industrie hat Klimaschutz aufgehalten

  • Aktualisiert am

Auf einer Demonstration der Klimaschutzbewegung Fridays for Future Bild: dpa

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm macht der deutschen Industrie beim Thema Klimaschutz schwere Vorwürfe. Auch die Politik habe ihren Anteil – das könne sich nun rächen.

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          Die Nürnberger Volkswirtschaftsprofessorin und „Wirtschaftsweise“ Veronika Grimm hat der deutschen Industrie vorgeworfen, den Strukturwandel hin zu mehr Klimaschutz zu lange bewusst verlangsamt zu haben. „Man darf nicht verschweigen, dass die Industrie teilweise versucht hat, diesen Strukturwandel aufzuhalten. Das kann sich nun rächen, wenn entscheidende Komponenten für eine klimafreundlichere Wirtschaft nicht aus Europa kommen“, sagte Grimm der Deutschen Presse-Agentur.

          Auch die Politik habe ihren Anteil an diesem Problem. „Die Strukturen haben dies begünstigt. Die Politik hat zum Beispiel bereitwillig immer wieder die Produktion von Verbrennermotoren gestützt und dadurch den Druck, Veränderungen anzustoßen, gering gehalten“, sagte Grimm. „Man hat zu kurzfristig gedacht und Bestandserhaltung betrieben. Das hat sich ex post als nicht klug herausgestellt“, betonte die Wirtschaftsweise.

          Erheblicher Handlungsdruck

          Im Verkehr sei es bisher nicht gelungen, seit 1990 die CO2-Emissionen zu reduzieren. Durch die Verschärfung der Klimaziele in der EU und in Deutschland entstehe nun ein erheblicher Handlungsdruck, schon mit Blick auf das Jahr 2030. „Gerade im Verkehr stehen wir vor großen Herausforderungen, zehn Jahre sind bezogen auf die Fahrzeugflotte eigentlich gar nichts“, betonte Grimm.

          Man müsse aber auch immer bedenken, dass politische Entscheidungen eine gesellschaftliche Akzeptanz erfahren müssen. Nicht zuletzt die Klimabewegung der vergangenen Jahre habe einen Paradigmenwechsel möglich gemacht. Der Klimaschutz biete große industriepolitische Chancen und berge erhebliches Wachstumspotenzial.

          „Das bedeutet, dass wir uns nun auch wirklich konsequent in Richtung Zukunftstechnologien bewegen müssen“, sagte Grimm. Besonders erfreulich sei, dass die Bundesregierung in ihren Corona-Hilfspaketen Investitionen für den Klimaschutz auch in der Krise möglich gemacht habe. „Das Geld, das auf dem Tisch liegt, müssen wir jetzt nutzen, um den Wandel hin zu klimaneutralen Technologien stark zu beschleunigen und insbesondere privates Kapital zu mobilisieren“, sagte die Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie gehört seit April dem Sachverständigenrat Wirtschaft an, dem wichtigsten wirtschaftspolitischen Beratergremium der Bundesregierung.

          Nach Ansicht von Grimm eröffnet das Zusammenspiel der großen Technologiekompetenz in Deutschland und der guten Möglichkeiten zur Erzeugung erneuerbarer Energien in südlichen EU-Ländern eine Perspektive für Europa. „Wir sollten über den Aufbaufonds durch gemeinsame Investitionen in die Zukunft Zusammenhalt in Europa schaffen“, sagte sie.

          „Bei der Digitalisierung ist das schwieriger“, fügte Grimm hinzu. Hier bestehe erheblicher Nachholbedarf, etwa im Gesundheitswesen, im Bildungswesen oder bei der öffentlichen Hand. „Die Corona-Krise hat uns vor Augen geführt: Hier könnte viel mehr bereits digitalisiert sein.“

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