Kanalarbeiter in Indien : Der Gullyknecht von Delhi

Indien hat es geschafft, auf dem Mond zu landen. Im gleichen Land kriechen Männer wie Dharmveer in den Untergrund und entsorgen die Ausscheidungen der Gesellschaft – per Hand, so wie vor ihm schon seine Ahnen.
Bei seinem ersten Mal ist das Loch nicht tief. Vier Fuß vielleicht, ein Meter zwanzig. Ein Mann kann sich allein wieder herausstemmen, ohne Seil und Helfer wie heute, wo die Löcher neun Meter tief sind. Doch er ist zehn, ihm steht die Brühe bis zum Hals. Der Vater ist krank und kann wieder kaum atmen. Der Sohn soll helfen. Dass der Vater bei der Arbeit war, wenn er abends nach Hause kommt, hat er gewusst. Aber nicht das. Dass sich die Erde unter ihm auftut. Dass das Gas aufsteigt und ihm die Kehle zuschnürt. Dass die Augen brennen. Es schwindelt ihn. Er taucht die Hände ins Wasser und fischt. Weiches rutscht durch die Finger. Hartes wirft er in den Eimer.
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