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Düstere Aussichten : SMA Solar schockt Anleger mit düsteren Aussichten

SMA-Photovoltaikanlage Bild: dpa

Bisher hat sich SMA Solar tapfer geschlagen. Doch nun sind die Anleger nach der Bekanntgabe der Geschäftsaussichten schockiert. Der Aktienkurs bricht um 30 Prozent ein. Wieder werden in der Branche mehrere hundert Jobs gestrichen.

          Die düsteren Geschäftsaussichten des Wechselrichterherstellers SMA Solar haben am Freitag die Anleger schockiert. Der Kurs der im Tec-Dax vertretenen Aktie brach zeitweise um mehr als 30 Prozent ein. Wie in einem Teil unserer Freitagausgabe berichtet, will das nordhessische Unternehmen im kommenden Jahr in großem Stil Arbeitsplätze abbauen. Zugleich schließt das Management einen Verlust für 2013 nicht mehr aus. Bislang zählte SMA Solar zu den stabileren Vertretern der krisengeschüttelten Solarbranche.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Vorstand hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, er rechne angesichts der starken Förderkürzungen für die Photovoltaik mit einem Einbruch des Marktes in Europa und einem wachsenden Preisdruck. Davon könne sich SMA nicht abkoppeln. Für das kommende Jahr erwartet das Management einen Umsatz in einer Spanne zwischen 900 Millionen und 1,3 Milliarden Euro. In diesem Jahr sind noch 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro eingeplant. Zur Gewinnsituation sagte Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon: „Im besten Fall rechnen wir 2013 mit einem ausgeglichenen operativen Ergebnis. Einen Verlust können wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausschließen.“

          SMA versucht mit umfangreichen Stellenstreichungen gegenzusteuern. Schrittweise sollen auf der ganzen Welt die Arbeitsplätze von 450 fest angestellten Beschäftigten und 600 Zeitarbeitern wegfallen. Insgesamt gehören 5500 Menschen zur SMA-Belegschaft. Allein 350 Mitarbeiter und 400 Zeitarbeiter verlieren am Stammsitz in Niestetal bei Kassel ihre Arbeit. „Wir wollen den Abbau so fair wie möglich machen und befinden uns bereits in Gesprächen mit dem Betriebsrat“, sagte eine Firmensprecherin. „Es wird keine kalten Entlassungen geben.“

          In der Abteilung Entwicklung will SMA das Personal stabil halten. Hier sollen im kommenden Jahr durch Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro strategisch wichtige Zukunftstechnologien vorangetrieben werden. „Durch die Entwicklung komplett neuer Produktplattformen sollen bis 2014 die Herstellkosten deutlich gesenkt und zugleich Maßstäbe beim Energiemanagement gesetzt werden“, hieß es. Analysten äußerten sich über die Prognosen enttäuscht. Sven Kürten von der DZ Bank sagte, der Ausblick für 2013 liege besonders hinsichtlich des Vorsteuergewinns meilenweit unter den Erwartungen und sei eine riesige negative Überraschung. Er bekräftigte seine Verkaufsempfehlung für die Aktien. Andere bislang optimistischere Kollegen senkten ihr Rating.

          SMA-Chef Urbon hatte vor knapp drei Wochen in einem Gespräch mit dieser Zeitung gesagt, man schlage sich in einem schwierigen Umfeld „sehr wacker“ (F.A.Z. vom 1.10.). Allerdings hatte er schon damals betont, man analysiere gerade die mittelfristigen Perspektiven. Auf die Frage, ob er Entlassungen ausschließe, hatte der Vorstandssprecher geantwortet: „Wir müssen die Diskussion ergebnisoffen führen.“
          Nun versuchte Urbon den negativen Nachrichten auch ein paar positive Aspekte entgegenzusetzen. „Große Chancen“ sieht er demnach bei Photovoltaikanlagen der Kraftwerksklasse sowie bei der Ergänzung stationärer Dieselaggregate mit Sonnenstromtechnik:
          „Wenn es uns gelingt, durch technologische Innovationen die Herstellungskosten zu reduzieren und den Markt für Energiemanagement- und Solar-Diesel-Hybrid-Systeme zu erschließen, werden wir ab 2014 wieder zur Profitabilität zurückkehren können.“

          SMA ist Weltmarktführer bei Wechselrichtern, die in einer Solaranlage dazu dienen, Gleichstrom in Wechselstrom umzuwandeln. Während in den vergangenen Monaten vor allem wegen des Preisdrucks und der wachsenden Konkurrenz auch große Sonnenstromunternehmen wie Q-Cells Insolvenz anmelden mussten, hielt sich SMA Solar relativ gut – bis jetzt.

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