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Versicherer besorgt : Der Dieselskandal ist das teuerste Rechtsschutzereignis

Die Abgasmanipulationen in Dieselautos haben Zehntausende Kunden aufgebracht. Die Versicherer mussten Teile der Rechtskosten tragen. Bild: dpa

Mehr als 400.000 Rechtsschutzfälle hat der Dieselskandal verursacht. Die Versicherungsbranche hat 1,4 Milliarden Euro an Kunden ausgezahlt. Der Verband GDV beklagt, dass trotz vieler Standardfälle die Anwaltskosten nicht sinken.

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          Für die deutschen Rechtsschutzversicherer ist der Dieselskandal ein historisches Ereignis: Kein anderes war bislang so teuer für die Assekuranz. „Der Diesel-Skandal ist mit mittlerweile 1,4 Milliarden Euro der teuerste Schaden in der Geschichte der deutschen Rechtsschutzversicherung“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Jörg Asmussen am Donnerstag. In dieser Schadensumme sind Kosten für Anwälte, Gerichte und Gutachter enthalten.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Auch die Zahl der Betroffenen ist beachtlich. Seit der Skandal im Jahr 2015 aufgedeckt wurde, haben 407.000 Kunden ihre Rechtsschutzpolice in Anspruch genommen. Der Verband hat seine Mitglieder befragt. Die Antworten geben den Stand Ende Mai wieder. Im Durchschnitt hatten die Verfahren einen Streitwert von 26.000 Euro. In der Summe kam damit auf diese sieben Jahre gerechnet eine zweistellige Milliarden-Euro-Summe zusammen.

          „Der Gesamtstreitwert aller über die Rechtsschutzversicherer abgewickelten Diesel-Rechtsschutzfälle ist damit auf mittlerweile 10,5 Milliarden Euro gestiegen“, wurde Asmussen in einer Mitteilung zitiert. In den Jahren 2018 bis 2021 stiegen sowohl die Zahl der Fälle als auch der Streitwert kontinuierlich an. Seit Anfang 2021 ist der Anstieg nicht mehr ganz so hoch, aber der Strom neuer Fälle ist nicht zum Erliegen gekommen.

          Dieselskandal für Versicherer ein Ärgernis

          Gegen welche Autohersteller geklagt wurde, ließ der GDV offen. Eine Vielzahl von Prozessen hatte Volkswagen auf sich gezogen. Auch gegen Daimler wurde geklagt. Inzwischen werden die Autos, die sich an Privatkunden wenden, unter dem Namen der Hauptmarke Mercedes-Benz geführt.

          Für die Versicherer liegt in der Bearbeitung des Dieselskandals ein Ärgernis. In Massenverfahren könnten aus ihrer Sicht geringere Anwaltsgebühren anfallen, da Rechtsvertreter häufig Hunderte von Mandanten mit ähnlich gelagerten Sachverhalten betreuen. Spezialisierte Anwaltskanzleien hatten in den Verfahren der Kunden gegen manipulierende Autohersteller Fälle standardisiert bearbeitet. „Die Effizienzgewinne von solchen Massenbearbeitungen müssen an die Mandanten weitergegeben werden – und somit zu einer Minderung der Anwaltsgebühren, sowohl außergerichtlich als auch im gerichtlichen Verfahren, führen“, verlangt Asmussen.

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