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Nach Terroranschlägen : Belgische Atomkraftwerke teilevakuiert

  • Aktualisiert am

Das Atomkraftwerk in Tihange Bild: dpa

Die belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel sind nach den Anschlägen von Brüssel teilweise geräumt worden. Grund dafür könnten mögliche Pläne von Terroristen sein, auf die belgische und französische Ermittler schon vor einiger Zeit gestoßen waren.

          Nach den Anschlägen von Brüssel sind die beiden belgischen Atomkraftwerke zumindest teilweise evakuiert worden. Das für den Betrieb der Anlagen nicht unbedingt notwendige Personal verlasse die Kraftwerke in Doel und Tihange, sagte ein Sprecher der Betreiberfirma Electrabel am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP, der selbst aber nicht von einer „Evakuierung“ sprechen wollte. Mit dieser Maßnahme würden Sicherheitsanordnungen der Behörden umgesetzt. Das Zentrum für Nuklearenergie in Mol wird ebenfalls verstärkt überwacht.

          Zuvor waren Bombenanschläge auf den Brüsseler Flughafen und eine U-Bahnstation verübt worden. Dabei wurden nach neuen vorläufigen Angaben der Behörden mehr als 30 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Der Brüsseler Bürgermeister Yvan Mayeur teilte mit, allein in der U-Bahnstation seien wahrscheinlich rund 20 Menschen getötet und 106 weitere verletzt worden.

          Das Kraftwerk Tihange liegt etwa 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, das Kraftwerk Doel befindet sich nahe Antwerpen. Die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 waren Ende Dezember wieder hochgefahren worden. Wegen bis zu 18 Zentimeter langen Rissen waren sie zuvor fast zwei Jahre lang nicht am Netz gewesen.

          Ein Video beunruhigt die Ermittler

          Grund für die strengeren Sicherheitsmaßnahmen an den beiden belgischen Atomkraftwerke dürfte auch sein, dass die französischen und belgischen Kriminalbeamten bei ihren Ermittlungen zu den Attentätern vom 13. November auf mögliche Anschlagspläne gegen Nuklearanlagen in Belgien gestoßen sind. Bei einer Hausdurchsuchung in Brüssel waren die Ermittler am 30. November auf ein 10 Stunden umfassendes Video gestoßen, das den Tagesablauf eines hohen Verantwortlichen der belgischen Nuklearindustrie nachzeichnete.

          Nach Informationen belgischer Medien soll es sich um den Direktor des Zentrums für Nuklearenergie in Mol handeln. In der französischen Presse wurde spekuliert, dass die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) Anschläge auf Nuklearanlagen plane. Dies hat auch in Frankreich, das 58 Reaktoranlagen unterhält, zu großer Besorgnis geführt.

          Das Video wurde in der Wohnung der Ehefrau des mutmaßlichen Terroristen Mohamed Bakkali gefunden. Bakkali war am 26. November festgenommen worden. Er hatte unter seinem Namen die Wohnung im Brüsseler Stadtteil Schaerbeck angemietet, in der die Polizei im Dezember Sprengstoffgürtel sowie Munition fand. Auf den Sprengstoffgürteln wurden DNA-Spuren von Salah Abdeslam gesichert. Bakkali hat laut Informationen belgischer Medien ebenfalls die Wohnung in Forest gemietet, aus der Abdeslam am vergangenen Freitag vor den Polizisten flüchtete. Für die französischen Ermittler spielte Bakkali eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung der Attentate von Paris. Der Sprecher der belgischen Atomaufsichtsbehörde, Sébastien Berg, sagte am Dienstag, es gebe „zusätzliche Maßnahmen“ zum Schutz der Nuklearanlagen. Die Sicherheitsvorkehrungen seien bereits seit Ende vergangenen Jahres verstärkt worden.

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