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Börse : Fischer statt Facebook

Der Eingang zur Frankfurter Börse - ein Weg, den immer weniger Familienunternehmen beschreiten Bild: dpa

Die Familienunternehmer mögen die Börse nicht mehr. Mancher hat das Parkett schon verlassen, andere wie Douglas wollen weg. So mag Facebook kommen, Fischer eher nicht.

          Das Motto wäre schön. Es könnte lauten „Fischertechnik statt Facebook“. Daher die Frage des Moderators auf dem Podium: „Wäre die Börse nicht etwas für Ihr Unternehmen, Herr Fischer?“ Doch der junge Chef des grundsoliden Dübel- und Spielzeugherstellers aus dem Nordschwarzwald, Jörg Klaus Fischer, kann da nur lächeln: „Nein, ein Börsengang steht für Fischertechnik nicht zur Debatte“, sagt er. Sein Familienunternehmen, das er nun in der dritten Generation, gemeinsam mit seinem Vater Klaus als Inhaber führt, brauche keine Aktien, um sich zu finanzieren. Man sei mit der Rechtsform hoch zufrieden.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          So geht es auch anderen Unternehmen, zum Beispiel Merz Pharma aus Frankfurt, einem Familienbetrieb, der in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Wachstumsgeschichte geschrieben hat, seine Geschäftsberichte so erstellt, als sei das Unternehmen am Kapitalmarkt, diesen aber allenfalls als Emittent von Anleihen nutzen will. Börsengang? Nicht vorgesehen, heißt es aus dem Unternehmen. Zwar stellen sich die meisten großen Familienkonzerne heute in Bilanzpressekonferenzen der Öffentlichkeit. Aber nehmen wir einmal Oetker: Die Bielefelder Dynastie und die Börse passten ungefähr so gut zusammen wie Schneesturm und Sahara.

          Genug Finanzierungsmöglichkeiten jenseits der Börse

          Angst vor mangelhafter Kapitalausstattung (beim Eigenkapital) oder gar einer Kreditklemme (beim Fremdkapital) hat sowieso niemand: Die deutschen Unternehmen, die schön genug für die Börse wären, sind derzeit meist blendend finanziert. Im Maschinenbau zum Beispiel ist die durchschnittliche Eigenkapitalquote zuletzt auf fast 30 Prozent erhöht worden. Und wenn die Banken keinen Kredit geben, gibt es ja noch die staatliche Förderbank KfW. Die KfW agiert deshalb zunehmend als Exportfinanzierer des deutschen Mittelstands. Dies trifft vor allem für die Mittelständler zu, die zu klein sind, um eigene Anleihen zu begeben, aber andererseits zu groß, um ihre Geschäfte rund um den Globus nur mit ihrer Hausbank zu finanzieren. So findet ein jeder seine Finanzierungsnische.

          Die Börse aber hat für familiengeführte Unternehmen ihre Anziehungskraft verloren: Der Handelskonzern Douglas würde seine Aktien gerne vom Börsenzettel streichen oder mindestens in ein weniger beachtetes Segment wie den General Standard delegiert sehen. Liz Mohn hat sich vor einigen Jahren sehr viel Geld leihen müssen, um einen drohenden Börsengang ihres Medienkonzerns Bertelsmann zu verhindern. Das Vorbild Springer, in dem noch immer die Gründerwitwe Friede Einfluss hat, konnte sie nicht überzeugen.

          Und wenn nach den nahenden Osterfeiertagen tatsächlich neue Börsengänge kommen sollten, werden sich auf diesem Weg Finanzinvestoren von Anteilen trennen, nicht aber Familien nach dem großen Börsenbahnhof suchen. Unter den ohnehin wenigen Börsenneulingen der vergangenen Jahre finden sich denn auch keine klassischen Familienunternehmen mehr. Und das Soziale Netzwerk Facebook in Amerika wird man kaum als solches bezeichnen können, auch wenn dort der Gründer Mark Zuckerberg nach dem Börsengang noch lange maßgeblichen Einfluss haben wird.

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