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Über 14.200 : Billiges Geld treibt Dow Jones auf Rekord

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Zum ersten mal überwindet der Dow Jones die Marke von 14.200 Punkten. Er schließt sogar bei 14.253. Die Aktionäre freuen sich über eine lockere Geldpolitik der amerikanischen Notenbank. Und stören sich nicht daran, dass der Staat spart.

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          Der weltweit bekannteste Aktienindex, der Dow Jones, ist am Dienstag in New York auf ein Rekordhoch gestiegen. Bereits einige Minuten nach Handelsbeginn knackte der Dow die bisherige Bestmarke in Höhe von 14.198,10 Punkten, die er am 11. Oktober 2007 erreicht hatte. Nach knapp eineinhalb Stunden kletterte der Index weiter und notierte 0,96 Prozent höher auf 14.263 Punkten. Er schloss bei 14.253 Punkten. Auch die anderen viel beachteten Indizes wie der S&P 500 oder der Nasdaq Composite zogen deutlich an.

          Als Grund für die aktuell freundliche Stimmung an der Wall Street nannten Börsianer die Hoffnung auf eine Fortsetzung der sehr lockeren Geldpolitik in den Vereinigten Staaten. Die stellvertretende Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, hatte am Montag eine unveränderte Fortsetzung des Anleihekaufprogramms zur Stützung der Wirtschaft signalisiert. Zusätzlichen Schub gaben im Handelsverlauf überraschend gute Konjunkturdaten: Die Stimmung der Dienstleister in Amerika hatte sich unerwartet aufgehellt.

          Grund: Geld von den Notenbanken

          „Das Rekordhoch im Dow hatte sich schon in den letzten Tagen angedeutet“, sagte Analyst Daniel Saurenz von Feingold Research. Denn nach einigen Testballons hätten führende Notenbanker keinen Zweifel daran gelassen, dass weiter Geld gedruckt wird und die Anleihenkäufe unverändert fortgesetzt werden.

          „Die Liquidität, die in den Markt gepumpt wird, sucht sich am Aktienmarkt ein Ventil“, ergänzte Marktstratege Wolfgang Duwe von der Landesbank Bremen. So investierten professionelle Anleger verstärkt in US-Dividendenwerte, da festverzinsliche Wertpapiere wie US-Staatsanleihen wegen ihrer geringen Renditen auf lange Sicht keine Alternative seien.

          Etatverhandlungen scheitern - aber das schreckt die Aktionäre nicht

          Das endgültige Scheitern der Etatverhandlungen zwischen US-Präsident Barack Obama und den Republikanern indes scheint die Anleger nicht zu schrecken.

          So dürfte sich zwar das Wachstum der US-Wirtschaft angesichts der nun anstehenden Einschnitte nach dem Rasenmäherprinzip in Höhe von 85 Milliarden Dollar (65 Milliarden Euro) verlangsamen, sagte Analyst Joe Rundle vom Broker ETX Capital. Ein Abgleiten in die Rezession aber sei nicht zu befürchten, da die jährliche Wirtschaftsleistung der USA bei rund 15 Billionen US-Dollar liege. Im Vergleich zu dieser Summe erschienen die Budgetkürzungen verkraftbar.Post und RWE gefragt

          Auch der Dax steigt

          In Europa legte der deutsche Standardwerteindex Dax um 2,3 Prozent auf mehr als 7870 Punkte zu. So hoch stand er zuletzt im Januar 2008, bevor die Finanzkrise in ihre heiße Phase ging. Der FAZ-Index, der mehr Aktien abbildet, stieg um 2,1 Prozent auf 1699,72 Zähler.

          Zu den Favoriten zählen nach der Bilanzvorlage für 2012 die Papiere der Deutschen Post DHL und von RWE. Der Kurs der Post legt um mehr als 5 Prozent auf 17,99 Euro zu und notiert damit auf dem höchsten Stand seit Juni 2008. Laut Analysten überzeugte der Logistikkonzern mit einem „exzellenten vierten Quartal“. Der Ausblick auf 2013 traf zudem weitgehend die Erwartungen.

          Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern steigerte den Gewinn im abgelaufenen Jahr leicht und erholte sich damit etwas vom Einbruch des Geschäfts nach der Atomwende 2011. Zudem zieht sich RWE aus der Förderung von Erdgas und Erdöl zurück und will sämtliche Anteile an RWE DEA verkaufen. Der Kurs legt um 1,1 Prozent zu, auch wenn RWE ab 2014 mit deutlich niedrigeren Gewinnen rechnet.

          Alle anderen auch.

          Nach einem schwachen Start zählen auch die Titel von Beiersdorf zeitweise zu den großen Gewinnern mit einem Plus von 3,3 Prozent - doch dann bröckelte der Kurs wieder ab und schloss nur 0,6 Prozent im Plus. Der Kosmetikkonzern steigerte 2012 seinen Gewinn, verfehlte aber die durchschnittliche Analystenprognose. Händler sprachen daher vor allem von Eindeckungskäufen. Einige Börsianer hätten nach der schwachen vorbörslichen Entwicklung zunächst auf fallende Kurse gesetzt.

          Der Kurs Morphosys drehte nach Zahlen ins Plus und klettert um 3,5 Prozent. Die Aktien erholten sich damit etwas von ihren kräftigen Verlusten seit Mitte Februar.

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