BYD und SAIC :
Chinesische Autobauer erobern Hessen

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Produkt und Vertriebszentrale: ein MG Cyberstar vor dem Sitz der Deutschlandgesellschaft von SAIC in Neu-Isenburg.
Produkt und Vertriebszentrale: ein MG Cyberstar vor dem Sitz der Deutschlandgesellschaft von SAIC in Neu-Isenburg.Inga Klöber

Die Verkaufszahlen steigen rasant. Hessen dient mehreren chinesischen Herstellern als Basis für den Ausbau ihrer Präsenz in Deutschland. Der Konkurrenzdruck steigt, aber es entstehen auch Chancen.

In Hessen sind im ersten Halbjahr 2026 rund drei Mal so viele Autos chinesischer Hersteller zugelassen worden wie im Vorjahreszeitraum. Das geht aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts hervor. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden demnach in Hessen 10.240 Neuwagen aus chinesischer Produktion zugelassen, im ersten Halbjahr 2025 waren es 3440.

In diesen Zahlen enthalten sind auch Fahrzeuge der Mercedes-Marke Smart, weil sie in einem Werk des Partners Geely in China gefertigt werden. Wenn man diese herausrechnet, bleiben für das erste Halbjahr 2026 immer noch rund 9800 Neuwagen chinesischer Hersteller und für den Vorjahreszeitraum etwa 3200 - am grundsätzlichen Befund ändert sich also nichts.

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Unter den chinesischen Herstellern ist in Hessen SAIC der erfolgreichste, seine Autos werden in Deutschland unter der Marke MG verkauft. SAIC kam im ersten Halbjahr auf 4800 Neuzulassungen. Auf dem zweiten Platz lag in Hessen BYD mit rund 3200 Neuzulassungen. Die übrigen chinesischen Autobauer kamen auf weitaus geringere Zahlen. Aber SAIC und BYD können sich immerhin mit Ford (5400 Zulassungen in Hessen im ersten Halbjahr) beziehungsweise Nissan (3200) messen.

Deutschlandzentralen in Offenbach und Neu-Isenburg

Die beiden Hersteller haben ihre Deutschlandzentralen im Rhein-Main-Gebiet. BYD zog im Frühjahr von Stuttgart nach Offenbach, das Unternehmen beschäftigt in einem Bürogebäude am Kaiserlei rund 100 Mitarbeiter. SAIC hat seine Deutschlandzentrale im Juli von München nach Neu-Isenburg verlegt. Aktuell nutzt das Unternehmen dort nach Angaben eines Sprechers mit etwa 70 Mitarbeitern eine Etage des Bürogebäudes „The Curve“, in dem auch die Deutschlandgesellschaft des Getränkeherstellers Pepsi ihren Sitz hat.

Flagge zeigen in Frankfurt: Auch auf der Messe Automechanika waren chinesische Unternehmen dabei.
Flagge zeigen in Frankfurt: Auch auf der Messe Automechanika waren chinesische Unternehmen dabei.Emil Eichinger

SAIC will an dem Standort auch ein Zentrum für technischen Support und für Entwicklungsaktivitäten einrichten, einen konkreten Zeitplan dafür gibt es nach Angaben eines Unternehmenssprechers aber noch nicht. Für den Umzug ins Rhein-Main-Gebiet seien „die zentrale Lage in Deutschland und damit kurze Wege zum Handel und all unseren Partnern“ maßgeblich gewesen, aber auch die Präsenz qualifizierter Fachkräfte.

Aus ähnlichen Gründen hatten schon Ende des vergangenen Jahrzehnts die chinesischen Autohersteller Chery und Geely Niederlassungen im Rhein-Main-Gebiet eröffnet. Beide betreiben Entwicklungszentren in Raunheim. Frank Klaas, der frühere Kommunikationsdirektor für Geely in Europa, berichtete im Sommer auf einem Wirtschaftskongress der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, ein wichtiges Argument für die Ansiedlung in Raunheim sei die Verfügbarkeit „hoch qualifizierter Ingenieure“ gewesen, „die von Opel, Bosch und anderen in Frühpension geschickt werden“.

Neue Aufgaben für Fachkräfte und Zulieferer

Der Einstieg chinesischer Autobauer in den europäischen Markt bedeutet also bei allem Konkurrenzdruck, den er für die heimischen Hersteller bringt, für das Rhein-Main-Gebiet auch Chancen. Die Region ist dank des Flughafens Frankfurt schon seit Jahrzehnten ein attraktiver Standort für Konzerne aus Asien oder Amerika, die auf dem europäischen Markt aktiv sind.

So verlegte 1968 der japanische Autobauer Honda seine Deutschlandzentrale von Hamburg an den Main – zunächst nach Offenbach und 2013 nach Frankfurt. Suzuki zog 2003 aus dem Großraum München ins südhessische Bensheim. Die koreanischen Hersteller Hyundai und Kia lenken nicht nur das deutsche, sondern auch das europäische Geschäft von Offenbach und Eschborn aus.

Außer Vertrieblern und Ingenieuren, die direkt für die Deutschlandgesellschaften fernöstlicher Hersteller arbeiten, kann deren Präsenz auch Zulieferern nützen. Zum Beispiel Aumovio: Das Unternehmen mit Hauptsitz in Frankfurt meldete vergangene Woche, es arbeite mit beim „Aufbau der zukünftigen Fahrzeugproduktion von Chery in Europa“. Von 2028 an werde man Airbag-Steuergeräte für Modelle liefern, die der chinesische Hersteller in Europa bauen wolle.

Seit einem Jahr eigenständig: Aumovio ist bei der Aufspaltung des Dax-Konzerns Continental entstanden.
Seit einem Jahr eigenständig: Aumovio ist bei der Aufspaltung des Dax-Konzerns Continental entstanden.Lucas Bäuml

Chery fertigt aktuell in Barcelona Autos in Kooperation mit einem spanischen Unternehmen, die beiden Partner haben dafür die historische Marke Ebro wiederbelebt. Und die Chinesen wollen ihre Produktion in Europa ausweiten. Ins Auge gefasst wurde dafür ein Nissan-Werk in Großbritannien: Im Juni kündigte der japanische Autobauer an, eine Auftragsfertigung für Chery in seinem Werk in Sunderland zu prüfen. Auf einer der Produktionslinien dort könnten demnach von 2027 an Fahrzeuge von Chery gebaut werden.

Auch die deutschen Autobauer kooperieren mit der Konkurrenz aus Fernost. In China schon seit Jahrzehnten – dort konnten Konzerne wie Daimler oder Volkswagen Werke nur unter der Bedingung errichten, dass sie mit lokalen Partnern zusammenarbeiten. Mittlerweile gibt es Kooperationen aber auch in Europa – und das nicht nur beim schwedischen Hersteller Volvo, der schon seit 2010 Geely gehört.

Opel-Mutterkonzern Stellantis ist Partner von Leapmotor

Der Opel-Mutterkonzern Stellantis vermarktet seit Ende 2024 auf dem europäischen Markt Fahrzeuge des chinesischen Herstellers Leapmotor, an dem Stellantis eine Beteiligung hält. Für 2028 ist ein Opel-Modell geplant, dessen E-Antrieb von Leapmotor kommt. Gefertigt werden soll dieses neue Modell im spanischen Stellantis-Werk in Saragossa, wo noch in diesem Jahr auch die Produktion eines reinen Leapmotor-Fahrzeugs beginnen soll – des SUV B10.

Der US-Autobauer Ford will sich künftig eines seiner europäischen Werke mit Geely teilen. Am Standort Valencia sollen außer Modellen von Ford auch Geely-Fahrzeuge gebaut werden und außerdem eine Art Gemeinschaftsprodukt, das es allerdings wohl in zwei Varianten geben wird, sodass eine von Ford und die andere von Geely vermarktet werden kann.

Die westlichen Hersteller erhoffen sich von den Gemeinschaftsprojekten Vorteile durch die Nutzung chinesischer Batterietechnologie – und eine bessere Auslastung ihrer Werke. Viele davon sind nämlich auf Stückzahlen ausgelegt, für die sich schon seit Jahren nicht mehr genug Abnehmer finden. Die chinesischen Bemühungen um eine Produktion in Europa wiederum dürften zum Teil auf die Einfuhrzölle zurückzuführen sein, die seit Ende 2024 beim Import chinesischer E-Autos in die EU erhoben werden.

Für die Produktion kommen die Chinesen nicht an den Main

Wenn die chinesischen Hersteller nun Arbeitsplätze in europäischen Fabriken sichern sollten, hätten die Zölle durchaus etwas bewirkt – allerdings ist für deutsche Werke bislang kein solcher Effekt in Sicht. Für die Produktion in Europa hat sich außer Geely und Chery auch SAIC einen Standort in Spanien ausgesucht. BYD hat ein Werk in Ungarn errichtet, Ende dieses Jahres soll dort die Serienproduktion beginnen.

Die chinesischen Hersteller, glaubt der deutsche Geely-Kenner Klaas, schätzten zwar die „Brillanz unserer Ingenieure“. Die Produktionsstandorte wählten sie aber nach Kostengesichtspunkten aus: „Es wird nüchtern analysiert: Wo sind die besten Bedingungen, wo sind die besten Strompreise?“ Auch die Lohnkosten sind in Deutschland bekanntlich hoch.

Gleichzeitig fördert die Bundesregierung mit der zu Jahresbeginn neu aufgelegten Kaufprämie für E-Autos auch den Erwerb von Fahrzeugen, die aus China kommen. Allerdings hat Berlin Mitte Oktober mit der Regierung in Paris vereinbart, bei künftigen Förderprogrammen Anreize für eine Produktion in Europa zu schaffen.

Besonders erfolgreich waren chinesische Autobauer auf dem deutschen Markt zuletzt mit Hybridfahrzeugen – denn anders als rein batteriebetriebene Autos aus China werden Hybride aus der Volksrepublik bislang nicht mit Importzöllen belegt. Auch hier versucht die Politik mittlerweile gegenzusteuern: EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič hat dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao zu Monatsbeginn bei Gesprächen in Peking das Zugeständnis abgerungen, den Export von Hybridfahrzeugen zu vermindern.

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