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Wahlumfrage : Rot-Grün in Hessen knapp vor Schwarz-Gelb

Bild: F.A.Z.

Gut drei Wochen vor der Landtagswahl liegen SPD und Grüne derzeit in der Gunst der hessischen Wähler zwei Prozentpunkte vor Schwarz-Gelb. Linke und AfD landen in der Umfrage im Auftrag der F.A.Z. unter der Fünf- Prozent-Hürde.

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          Zu Beginn der heißen Wahlkampfphase liegt Rot-Grün in der Gunst der hessischen Wähler weiterhin knapp vor Schwarz-Gelb. Gut drei Wochen vor der Landtagswahl am 22. September kommt die CDU auf 38 Prozent, die SPD erreicht 30 Prozent. Für die Grünen werden 15 Prozent erwartet, für die FDP sind es fünf Prozent. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag von Hitradio FFH und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die Stärke der vier größten Parteien hat sich mithin gegenüber der Umfrage von Ende Juni nicht verändert. Das gilt auch für die Partei „Die Linke“. Sie würde nach der Projektion der Wahlforscher mit vier Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Die Neugründung „Alternative für Deutschland“ (AfD) kommt nach wie vor auf drei Prozent. Der Piratenpartei ist es über den Sommer nicht gelungen, sich aus der Restekategorie „Sonstige“ emporzuarbeiten. Die dort geführten Parteien und Gruppierungen kommen zusammen auf fünf Prozent der Stimmen.

          Weiterhin offenes Rennen

          In der Sommerpause ist es demnach nicht zu nennenswerten Veränderungen bei den Parteipräferenzen der Wähler gekommen. Zwischen den Umfragen im April und Juni hatten sich im Kräfteverhältnis zumindest der beiden großen Parteien größere Verschiebungen ergeben: die CDU hatte von 36 auf 38 Prozent zulegen können, die SPD war von 33 auf 30 Prozent zurückgefallen.

          Wer hat am 22. September die Nase vorn? Der amtierende Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU, links) oder die SPD von Thorsten Schäfer-Gümbel?

          Rechnet man die Parteien nach Koalitionen zusammen, kommt Rot-Grün auf 45 Prozent, während auf Schwarz-Gelb 43 Prozent entfallen. Matthias Jung, Leiter der Forschungsgruppe Wahlen, weist darauf hin, dass man angesichts der Fehlermargen, die Umfragen immer innewohnten, weiterhin von einem offenen Rennen sprechen müsse. Sollte die Linkspartei doch noch ins Parlament einziehen, hätten SPD und Grüne bei einem knappen Vorsprung vor Schwarz-Gelb keine Mehrheit der Sitze.

          FDP wird negativer beurteilt

          Das Ergebnis der Umfrage zeigt nach Angaben der Wahlforscher auch, dass Schwarz-Gelb in Hessen von der günstigeren Stimmung für CDU und FDP auf Bundesebene profitiert. Für die Bundestagswahl kann die hessische CDU mit 40 Prozent rechnen, die SPD kommt nur auf 27 Prozent. Die Grünen erreichen 14 Prozent, die FDP kann mit sechs Prozent rechnen und die AfD mit drei Prozent.

          Die schwarz-gelbe Regierung in Wiesbaden wird von den Hessen mit einem Wert von unverändert 0,2 schlechter beurteilt als die schwarz-gelbe Bundesregierung, die auf 0,5 kommt. Wie im Bund wird auch in Hessen der kleinere Koalitionspartner FDP negativ beurteilt. Der Wert von minus 1,0 liegt auf Landesebene nur knapp über dem Juni-Wert von minus 1,1.

          Bouffier liegt in der Wählergunst vorne

          Mit Blick auf die Spitzenpolitiker ist das mit 0,5 immer noch mäßige Urteil über Ministerpräsident Volker Bouffier (Juni: 0,4) auffällig. Er wird weiterhin schlechter bewertet als Herausforderter Thorsten Schäfer-Gümbel, dessen Wert auf 0,7 geklettert ist (Juni: 0,5). Tarek Al-Wazir von den Grünen liegt in dieser Rangliste mit unverändert 0,9 weiterhin an der Spitze, während sich der FDP-Spitzenkandidat Jörg-Uwe Hahn auf minus 0,4 verschlechtert hat (Juni: minus 0,3). Noch unbeliebter ist nur Janine Wissler, Spitzenkandidatin der Linkspartei, die mit minus 0,7 bewertet wird.

          Bouffier kann sich ein wenig damit trösten, dass ihn 41 Prozent der Befragten Schäfer-Gümbel als Ministerpräsidenten vorzögen, wohingegen 36 Prozent dem SPD-Spitzenkandidaten den Vorzug gäben. Über Bouffier sagen 57 Prozent der Befragten, er mache seine Sache „eher gut“, 27 Prozent urteilen „eher schlecht“. Schäfer-Gümbel wird von den Befragten als glaubwürdiger und sympathischer eingeschätzt als Bouffier. Was die Bürgernähe angeht, liegen beide gleichauf. Dagegen wird Bouffier mehr Sachverstand attestiert als Schäfer-Gümbel.

          28 Prozent für rot-grünes Bündnis

          Die Befragten bekundeten bei der Umfrage ein großes Interesse an der Landtagswahl. Immerhin 60 Prozent gaben an, sich stark oder sogar sehr stark für die Wahl zu interessieren. Die Werte für das Interesse an der Bundestagswahl liegen nur um zwei Prozentpunkte höher. Unter denjenigen, die sich schon für eine Partei entschieden haben, geben 37 Prozent an, sich bei der Entscheidung in der Landtagswahl an der Politik im Bund zu orientieren. 57 Prozent sagen dagegen, für sie sei die Landespolitik entscheidend.

          Eine deutliche Mehrheit von 41 Prozent erwartet, dass Bouffier und seine CDU die Landtagswahl gewinnen werden. Dagegen trauen das nur 15 Prozent Schäfer-Gümbel und der SPD zu. Die CDU-Anhänger sind mit 62 Prozent besonders siegesgewiss, während nur 35 Prozent derjenigen, die SPD wählen wollen, mit einem Sieg Schäfer-Gümbels rechnen.

          Unter den denkbaren Koalitionen favorisieren 28 Prozent der Befragten ein rot-grünes Bündnis. Dagegen sprechen sich nur 17 Prozent für eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition aus. Eine Zusammenarbeit von CDU und SPD würden immerhin 16 Prozent gutheißen, während sechs Prozent Schwarz-Grün bevorzugen.

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